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Theater Chur: Tanz im April

10. – 20.4.2008

 

Tanz in seinen verschiedensten Ausdrucksformen: als Kunstform und als soziales Phänomen, das quer durch Generationen und soziale Schichten Menschen begeistert und zusammenführt, diese gegensätzlichen Pole stellt das Theater Chur an zwei Wochenenden mit der neuen Programmreihe «Tanz im April» einander gegenüber.

Aus London kommt mit Akram Khan einer der führenden Tänzer und Choreografen der britischen Tanzszene mit asiatischen Wurzeln. In seiner neusten Kreation «bahok», die im Rahmen des Tanzfestivals «Steps#11» kurz nach der Uraufführung in Peking in der Schweiz gezeigt wird, arbeitet er mit Tänzern des chinesischen Nationalballetts.

 

Die Arbeiten zweier aussergewöhnlicher Schweizer Tänzerinnen und Choreografinnen stehen ebenfalls am ersten Wochenende auf dem Programm: Anna Huber präsentiert eine ihrer bislang schönsten Arbeiten «Stück mit Flügel», und die in Zürich und Belgien arbeitende Tänzerin Alexandra Bachzetsis zeigt als Nocturne ihre radikale Performance «Gold», in der sie den pornografischen Blick auf den weiblichen Körper entlarvt.

 

Ein ganzes Wochenende lang gehört dann die Bühne des Theaters Chur dem Nachwuchs: Der Verein «Chur tanzt» präsentiert eine Auswahl von sechs lokalen Tanzschulen, jeweils mit einer eigenen Choreografie. Die Produktion «El viaje» steht ganz im Zeichen des argentinischen Komponisten, Bandoneonspielers und Tango-Nuevo-Begründers Astor Piazzolla.

 

Das Programm im Überblick

 

Anna Huber [Bern/Berlin]: Stück mit Flügel

Do 10. & Fr 11. April, 20 Uhr

Alexandra Bachzetsis [Zürich]: Gold

Do 10. & Fr 11. April, 22 Uhr

Akram Khan Company & National Ballet of China [London/Beijing]: «bahok» Im Rahmen des Tanzfestivals Steps #11

So 13. April, 19 Uhr

Chur tanzt 2008: «El viaje»

mit Präsentationen der Tanzschulen Axelrod Tanzschule, TEMBEA, ballirina, tangochur, Comp. Danse Verticale und Tanzschule der Musikschulen Landquart und Prättigau Ursula Luginbühl. Leitung: Oliver Dähler, Bandoneon: Raphael Reber

Sa 19. April, 20 Uhr, So 20. April, 11 Uhr und 20 Uhr

 

 

Akram Khan Company & National Ballet of China

«Bahok» ist bengalisch und bedeutet Träger. Die neue Arbeit des britischen Choreografen Akram Khan hatte Ende Januar Premiere in Peking, bevor sie im April im Rahmen des Tanzfestivals «Steps#11» in die Schweiz kommt. In «bahok» entwickeln fünf Tänzer aus Akram Khans Londoner Company und

vier klassisch ausgebildete Mitglieder des chinesischen Nationalballetts eine gemeinsame Körpersprache, eine unorthodoxe Liaison zwischen westlichem und östlichem Tanz. Zehn Menschen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund treffen sich in einer Transitzone der globalisierten Welt und versuchen sich zu verständigen. Sie besitzen nur, was sie auf sich tragen können: ihre Erfahrung, ihre Erinnerungen und ihre Erwartungen, die sie bewogen haben auf eine Reise zu gehen. Sie sind Träger: Sie sind «bahoks».

Akram Khan ist auf der englischen und internationalen Tanzbühne der charismatische Wanderer zwischen den Kulturen. Als Bengale galt seine ganze Hingabe der nordindischen Tanzkultur des Kathak, bevor er sich dem zeitgenössischen europäischen Tanz verschrieb. Im Jahr 2000 gründete er in London seine eigene Compagnie, die weltweit Kultstatus geniesst.

 

Von Anfang an war Akram Khan traumhaft sicher in der Verschränkung seiner Welten: Der Kathak hatte ihn zum gewandten Geschichtenerzähler mit den Mitteln des Tanzes, der Musik und des Theaters gemacht; der zeitgenössische Tanz lieferte ihm die Kompositionsprinzipien zur abstrakten Choreografie. Begnadet in beiden Disziplinen hat der Choreograf mit seiner virtuosen Compagnie und durch die Zusammenarbeit mit Künstlern aus dem indischen Raum eine ganze Reihe von Stücken geschaffen, die aussereuropäische Kulturen durch den zeitgenössischen Tanz reflektieren.

 

Solos von Anna Huber und Alexandra Bachzetsis

Auch die zwischen Berlin und der Schweiz hin- und herpendelnde Schweizerin Anna Huber bezeichnet sich als «Reisende zwischen den Welten». In ihrem 2001 entstandenen Duett «Stück mit Flügel», zusammen mit ihrer Schwester Susanne Huber, hat sie das Reisen und Unterwegs-Sein zum Thema gemacht: «Dieser Zustand des Dazwischen-Seins, den man nicht richtig fassen kann, wenn man an einem Punkt schon nicht mehr und am anderen noch nicht angekommen ist.» Auf einer kargen Bühne entsteht im Zusammenspiel zwischen Tanz und Musik ein feinsinniges Gewebe von Klang und Bewegung, welches die Zuschauer unweigerlich in Bann schlägt. Wie im Stück «handundfuss», in dem Anna Huber in der letzten Saison in Chur zu sehen war, überlistet sie Sehgewohnheiten. Arme, Beine, Hände und Füsse, Kopf und Rumpf scheinen bei Anna Huber autonome Teile zu sein, die sich zuweilen konzertant miteinander, dann dissonant auseinander strebend oder gar aggressiv gegeneinander bewegen. Der flüchtige Tanz trifft dabei auf die durchstrukturierte Musik von Ligeti, Kurtág und Liszt, die sich ihrerseits mit der elektronischen Musik von Martin Schütz reibt.

 

Die widersprüchlichen Bilder und Botschaften in den Videos von R&B-Ikonen wie Missy Elliot oder Kelis zwischen Pornografie und Female Power hat die Zürcher Choreografin Alexandra Bachzetsis in ihrer Soloarbeit «Gold» im Visier. Geschickt führt sie verbale und visuelle Marketingstrategien der HipHop-Kultur vor und benutzt deren «Umgangsprache» für ihre Zwecke: kraftvolles Spiel rund um visuellen Genuss und die Verwandlung von sexuellen Fantasien in Güter des Konsums.

 

Chur tanzt 2008: «El viaje»

Im Rahmen des Schwerpunktes «Tanz im April» präsentieren sich die regionalen Tanzschulen mit einer gemeinsamen Produktion, die ganz im Zeichen des argentinischen Komponisten, Bandoneonspielers und Tango-Nuevo-Begründers Astor Piazzolla steht. Unter dem Titel «El viaje» wird das Publikum zu einer musikalischen und tänzerischen Zeitreise eingeladen, die den Spuren und Entwicklungen des Tango Nuevo folgt. Der Vielfalt der Teilnehmer von «Chur tanzt 2008» entsprechend werden die inspirierenden Werke Piazzollas in den verschiedensten Stilen tänzerisch umgesetzt. Reisebegleiter im Stück sind ein Bandoneon-Spieler sowie drei Tanzpaare von «tangochur».

 

 

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