Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Theater Magdeburg: »Floh im Ohr« nach Georges FeydeauTheater Magdeburg: »Floh im Ohr« nach Georges FeydeauTheater Magdeburg: »Floh...

Theater Magdeburg: »Floh im Ohr« nach Georges Feydeau

Premiere Sa. 25. 9. 2021, 19.30 Uhr, Schauspielhaus

Georges Feydeau schrieb mit »Floh im Ohr« 1907 eine rasante Verwechslungskomödie, die frivol das dekadente Bürgertum um die Jahrhundertwende auf die Schippe nimmt. Der Schweizer Regisseur Fabian Alder gibt in seiner Bearbeitung der Übersetzung von Wolfgang Schuch einen Twist ins Heute, indem er die Figuren mithilfe von Zitaten von bekannten Persönlichkeiten in die Gegenwart weiterdenkt und damit eine politische Ebene hinzufügt.

 

Copyright: Andreas Lander

Raymonde Chandebise ist entsetzt: Über ein zwielichtiges Päckchen aus einem Stundenhotel wächst in ihr der Verdacht, dass ihr Mann sie betrügt. Diesen Floh im Ohr wird sie nicht mehr los und so heckt sie mit ihrer Freundin Lucienne den hinterlistigen Plan aus, ihren Mann in flagranti zu erwischen. Der Beschuldigte wiederum glaubt an eine Verwechslung und schickt seinen Freund Tournel vor, der im Hotel auch noch auf den krankhaft eifersüchtigen Ehemann von Lucienne trifft – und so nimmt das Chaos seinen Lauf...

Georges Feydeaus temporeiches Stück sprüht nur so vor Wortwitz und überraschenden Wendungen, Verwechslungen und Slapstick. Der französische Schriftsteller feierte an der Schwelle zum 20. Jahrhundert große Erfolge mit seinen satirischen Beobachtungen der Doppelmoral des Bürgertums. Das 1907 uraufgeführte Stück »Floh im Ohr« erfreut sich bis
heute an deutschen Bühnen großer Beliebtheit.

Regisseur Fabian Alder möchte das Stück für ein heutiges Publikum inszenieren und hat deshalb die ursprüngliche Fassung stark überarbeitet. Er denkt die Figuren ins Heute weiterund versieht sie mit Meinungen aus aktuellen Diskursen. Da gibt es die Feministin und die Antifeministin, den neoliberalen Ehrgeizling, der wie Friedrich Merz spricht und den Klassenkämpfer, die »Corona-Diktatorin«, den toxischen Mann und den Empfindsamen. »Damit eine Komödie nicht nur lustig ist, sondern auch klug, braucht es einen aktuellen gesellschaftlichen Aufhänger«, ist Fabian Alder überzeugt. Fehlt diese Komponente, geht für ihn die Intelligenz eines Stücks verloren.Die Gattung Komödie ist für den Regisseur ein bestens bekanntes Feld: Alder inszenierte bereits zahlreiche Komödien, u.a. am Theater in der Josefstadt Wien. Die Gestaltung der Bühne und der Kostüme für »Floh im Ohr« übernimmt Ines Nadler, die schon mehrfach mit Fabian Alder zusammengearbeitet hat. Sie hat für das Theater Magdeburg ein Bühnenbild geschaffen, das kongenial die perfekte Komödienmechanik des Stücks bedient; eine Spielwiese, auf der Feydeau‘schen Figuren das Versteckspiel ihrer Doppelmoral bis zum Äußersten treiben können und die trotz ihrer eleganten Abstraktion und Modernität mit zahllosen Überraschungen aufwartet.

Floh im Ohr
Georges Feydeau
Bearbeitung von Fabian Alder nach der Übersetzung von Wolfgang Schuch

Regie Fabian Alder
Bühne, Kostüme Ines Nadler
Dramaturgie Elisabeth Gabriel

Victor-Emmanuel Chandebise / Poche Christoph Bangerter
Raymonde Chandebise Antonia Labs
Camille Chandebise Frederik F. Günther
Carlos Homenidès de Histangua Christoph Förster
Lucienne Homenidès de Histangua Carmen Steinert
Etienne Heiner Junghans
Antoine Valentin Kleinschmidt
Doktor Finache Liese Lyon
Romain Tournel Andreas C. Meyer
Augustine Ferraillon Undine Schmiedl
Rugby Ralph Opferkuch
Gabriel Nicholas Spindler

Weitere Vorstellungen zu 22,- €/erm. 12,- €, an der Theaterkasse,
Tel: (0391) 40 490 490, kasse@theater-magdeburg.de und www.theater-magdeburg.de

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑