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Theater Münster: DIS-TANZ - Tanzabend von Hans Henning Paar

Premiere: Samstag, 12. September 2020, 19.30 Uhr Großes Haus

Distanz halten – wie soll das auf der Bühne aussehen? Eine spannende Herausforderung, die gegebenen Umstände nicht ausschließlich als Einschränkung, sondern auch als Möglichkeit für eine neue ungewohnte Herangehensweise an eine Choreografie zu begreifen und kreativ umzusetzen. In Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen begibt sich Hans Henning Paar auf die Suche nach einer individuellen Form mit der aktuellen Situation umzugehen: Wie wirken sich Kontaktlosigkeit und Isolation auf den Einzelnen aus? Welche Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte kommen zum Ausdruck? Wie manifestiert sich das Gefühl von Unsicherheit und Angst körperlich? Und wie sieht die tänzerische Auseinandersetzung mit realen und imaginären Grenzen aus?

 

Copyright: Theater Münster

DIS-TANZ ist eine Versuchsanordnung, die im Spannungsfeld von Stillstand und Rastlosigkeit mit dem steten Wechsel von Emotionen spielt. In der Vermessung formaler Möglichkeiten von Bewegung und dem Ausloten von Nähe und Ferne entstehen neue Perspektiven und andere Formen von Begegnung und Kommunikation – eine neue Realität.

Hans Henning Paar zur Inszenierung

„Nach wochenlangem Stillstand kehrt das kulturelle Leben langsam zurück, aber gleichzeitig drängt sich die Frage auf, in welcher Form Theater überhaupt möglich ist unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Distanz halten – wie soll das auf der Bühne aussehen? Für mich ist es eine Herausforderung, die gegebenen Umstände nicht ausschließlich als Einschränkung, sondern auch als Möglichkeit für eine neue ungewohnte Herangehensweise an eine

Choreografie

zu begreifen und kreativ umzusetzen.
 
Für viele Menschen war der Lockdown eine intensive Zeit der Selbstbegegnung. In der Isolation und Kontaktlosigkeit wurden wir vermehrt mit unseren positiven und negativen Eigenschaften konfrontiert, mit unseren Ängsten und Sehnsüchten. Die ungewohnten Bewegungs- und Freiheitseinschränkungen führten bei vielen zu emotionalen Ausbrüchen, von Trauer und Verzweiflung bis hin zur Selbstzerstörung und Aggression. Der Wunsch nach Normalität, nach Nähe und Freiheit war und ist immer noch groß. Denn das Gefühl von Verletzbarkeit und Ungewissheit beherrscht auch jetzt noch unseren Alltag. Die allgegenwärtige Furcht vor einer Infektion führt zu Misstrauen und Argwohn in der Begegnung mit anderen Menschen und im täglichen Umgang miteinander.

Gemeinsam mit den Tänzer*innen habe ich nach entsprechenden choreografischen Bildern für die durchlebten Emotionen und Erfahrungen der vergangenen Monate gesucht. Ausgangspunkt für die Bewegungsfindung war die tänzerische Auseinandersetzung mit realen und imaginären Grenzen. Zudem diente das Hinterfragen von Verhaltensmustern und Aufbrechen von Bewegungsstrukturen als inhaltlicher Ansatz bei der Stückentwicklung.

Die entstandene Vielzahl von Solo-Tanzsequenzen habe ich ausgearbeitet, miteinander verwoben und in eine choreografische Form gebracht. Auch Duette sind möglich, wenn sie von Personen aus einer Wohn- und Lebensgemeinschaft getanzt werden. Darüber hinaus haben wir eine kreative Lösung zur Einhaltung der Corona-Schutzverordnung gefunden, die weitere Begegnungen und Berührungen auf der Bühne zulässt. Um die Atmosphäre dieser so beklemmenden wie poetischen Bilder zu unterstützen, habe ich verschiedene elektronische Kompositionen ausgewählt. Diese werden von Klaviermusiken J.S. Bachs (in der Bearbeitung von Ryuichi Sakamoto) ergänzt und bilden einen spannenden Gegensatz: in ihrer klaren Struktur wirken sie wie eine Erinnerung, eine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit.

Als Choreograf kann ich meine Stücke in völliger Freiheit kreieren. Der Abend DIS-TANZ hingegen war mit vielen Auflagen und Einschränkungen verbunden, so dass mir das Ganze wie eine Versuchsanordnung vorkam: In der Vermessung formaler Möglichkeiten von Bewegung und dem Ausloten von Nähe und Ferne entstanden neue Perspektiven und überraschende Formen von Begegnung und Kommunikation – eine neue Realität.“

Musik von J.S.Bach, Scanner, Nils Frahm u.a.

Inszenierung & Choreografie: Hans Henning Paar
Bühne & Kostüme: Hans Henning Paar
Choreografische Assistenz: László Nyakas
Dramaturgie: Esther von der Fuhr

Mitwirkende:  
María Bayarri Pérez, Eleonora Fabrizi, Ilario Frigione, Fátima López García, Matteo Mersi, Tarah Malaika Pfeiffer, Adrián Plá Cerdán, Enrique Sáez Martínez, Charla Tuncdoruk, Leander Veizi, Keelan Whitmore

Weitere Vorstellungen im September:
Dienstag, 15. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Donnerstag, 17. September, 19.30 Uhr, Großes Haus
Samstag, 19. September, 19.30 Uhr, Großes Haus

 

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