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UNTERWERFUNG nach dem Roman von Michel Houellebecq - Deutsches Theater Berlin

Premiere 22. April 2016, 19.30. -----

"Es stimmt, dass mein Atheismus auf keiner soliden Grundlage fußt; es wäre anmaßend von mir, das zu behaupten." Es ist das Jahr 2022. Frankreich steht vor einer elementaren Umwälzung. Bei den Wahlen hat sich Mohammed Ben Abbes durchgesetzt und wird der erste muslimische Präsident in einem europäischen Land – ein Paradigmenwechsel mit weitreichenden innenpolitischen wie außenpolitischen Folgen.

Mittendrin: François, Literaturwissenschaftler, Mitte Vierzig, depressiv vereinsamter Single und Trinker. Ein verlorener Intellektueller und am Individualismus Krankender in einer Gesellschaft des Wettbewerbs, die kurz vor einem Bürgerkrieg zwischen Rechtsextremen der Identitären Bewegung und gewaltbereiten Salafisten steht. Der erstarkte Front National und die aufstrebende Bruderschaft der Muslime, die Entsprechungen dieser Strömungen auf Parteienebene, haben die erstarrte politische Landschaft aufgewirbelt und den Wahlkampf bestimmt. Nun haben also die Muslime gewonnen, und zwar auf friedlichem, legalem und demokratischem Wege. Und Frankreich hat mit Ben Abbes endlich wieder einen smarten, charismatischen und strahlenden Präsidenten, der seine versprochenen Reformen unmittelbar und tatkräftig umsetzt. Was aber heißt das, wenn der Islam an die Macht kommt? Für Frankreich, für Europa, für François?

 

Michel Houellebecqs Unterwerfung erschien am Tag des Anschlags auf Charlie Hebdo. Zu Unrecht wurde daraufhin seiner Fiktion vorschnell der Vorwurf einer islamophoben Dystopie gemacht. Wohlgemerkt ist es auch keine utopische Fantasie geworden. Houellebecq bewegt sich vielmehr im Spalt zwischen dem albtraumhaften Ende des alten Europas und dem verlockenden Neubeginn eines goldenen Zeitalters. In seiner typisch humorvollen, schonungslosen und prophezeienden Manier erklärt er der Ära der Ökonomie den endgültigen Bankrott. Unterwerfung ist nicht die Geschichte einer feindlichen Übernahme, sondern erzählt, wie die Bruderschaft der Muslime für eine sinnsuchende, säkulare und laizistische westliche Republik auf einmal zu einer echten Alternative wird. Der Islam sagt dem ungebremsten Kapitalismus den Kampf an und gibt dem taumelnden Europa seine ureigenen Werte zurück: Keine Politik mehr unter dem Diktat der Wirtschaft, sondern eine der Bildung, der Familie, des Sozialen, des Kollektivs, der Kultur und der Moral. Keine so schlechte Zukunftsprognose. Oder?

 

Fassung von David Heiligers und Stephan Kimmig

 

Regie Stephan Kimmig

Bühne Katja Haß

Kostüme Sigi Colpe

Musik Michael Verhovec

Video Julian Krubasik

Dramaturgie David Heiligers

Premiere am 22. April 2016

 

Mit

Lorna Ishema, Camill Jammal, Marcel Kohler, Wolfgang Pregler, Steven Scharf

 

23. April 2016

19.30

 

27. April 2016

20.00

 

11. Mai 2016

20.30

 

21. Mai 2016

19.30

 

31. Mai 2016

19.30

 

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