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URAUFFÜHRUNG: "Bloody, medium oder durch", Theater von Anestis Azas & Ensemble im Ballhaus Naunynstrasse Berlin

Premiere 08. November 2016, 20 Uhr. -----

Arbeit in der Küche – Traumjob, Durchgangsstation oder Sackgasse? Oft ist der Job in einem Restaurant die erste Station für Neu-Berliner*innen. Wer kein Deutsch spricht, wäscht in einer Kiezküche Teller; wer die Sprache beherrscht, darf in den Service. Die Küche ist der Ort der Dramen, eine Mikrogesellschaft im Ausnahmezustand, janusköpfig, mit glänzendem Entree und einer Sicherheitstür als Notausgang ist sie der Vorhof Berlins.

 

Nicht wenige haben angesichts der Berliner Küchenjobs wieder die Koffer gepackt – wenn sie denn konnten. „Wenn ein Menü 5 € kostet, kannst du davon ausgehen, dass die Leute in der Küche 3,50 € die Stunde bekommen“ – so beschreibt ein Koch, der lieber anonym bleibt, die wirtschaftliche Situation. Wer in einer Berliner Küche Teller wäscht, hat trotz Mindestlohn kaum das Nötigste zum Leben. Aber es ist ja nur der Anfang, es soll ja weiter gehen! Die Küche als Sprungbrett in ein neues Leben! Oder bleibt sie die einzige Möglichkeit? Wer kann sich in der Hierarchie hocharbeiten? Ein eigenes Restaurant gründen? Wer schafft die ‚eigentliche‘ Karriere parallel, den befriedigenden Lebensentwurf?

 

Im engen Raum der Restaurantküche findet der Regisseur Anestis Azas das Konzentrat aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Nach der Produktion Telemachos – Shoud I stay or Should I go? nimmt er sich nun der Berliner Vorzeigeindustrie an, dem Arbeitsort von Neu-Berliner*innen. Interviews mit Spitzengastronomen und Kiezwirten, Selfmade-Frauen und Tellerwäschern, Großküchenbetreibern und Runnern bilden die Grundlage.

 

Im Zentrum der Inszenierung stehen jedoch die Erfahrungen von Kaoru Iriyama, Michail Fotopoulos, Nicole Sartirani, Nizar Basal: vier Neu-Berliner*innen mit vier unterschiedlichen Pässen und vier unterschiedliche Professionen, die nun alle in der Küche arbeiten. Wie in einem Prisma brechen sich in ihrer gemeinsamen Erzählung europäische und deutsche Ordnungsmechanismen aus Visa- und Aufenthalts-, Arbeitserlaubnis- und Sozialleistungsbestimmungen. Bloody, medium oder durch zeigt eine brisante Rezeptur von Arbeitsbedingungen, Grenzziehungen und europäischer Krise, über die sich die Berliner Gesellschaft konstituiert.

 

(auf Deutsch und Englisch mit Übertiteln)

 

Regie:

Anestis Azas

Recherche und Text:

Anestis Azas, Alina Spachidis und Ensemble

Dramaturgie:

Alina Spachidis

Bühne und Kostüm:

Michaela Muchina

Soundtrack:

Michail Fotopoulos

Video:

Mehmet Can Koçak

 

Mit:

Nizar Basal,

David Boylan,

Michail Fotopoulos,

Kaoru Iriyama,

Nicole Sartirani

 

09.- 12.November 2016, 20 Uhr

13.November 2016, 19 Uhr

 

Das Projekt ist eine Koproduktion von Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH und dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main gefördert durch die Einzelprojektförderung des Landes Berlin.

 

 

 

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