Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
«Uraufführung: Der Besuch der alten Dame» von Rimini Protokoll «Uraufführung: Der Besuch der alten Dame» von Rimini Protokoll «Uraufführung: Der...

«Uraufführung: Der Besuch der alten Dame» von Rimini Protokoll

am Donnerstag, 21. Juni 2007, 20 Uhr, Schauspielhaus Zürich, Pfauen, im Rahmen der Zürcher Festspiele.

 

Das Regie-Trio Rimini Protokoll rekonstruiert die Uraufführung von Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» mit Zeitzeugen. Dabei geht es um Gedächtnis, Erinnerung und darum, was vom Theater bleibt.

Das schweizerisch-deutsche Regiekollektiv Rimini Protokoll ist mittlerweile in Zürich bestens bekannt: Nach dem Herztransplantations-Partnervermittlungs Projekt «Blaiberg und sweetheart19» (2006) setzten sie mit ihrer aktuellen Version von «Wallenstein» einen grandiosen Abschluss der Zürcher Festspiele 2006. In dieser Saison gewann Rimini Protokoll mit der Zürcher Koproduktion «Karl Marx: Das Kapital, Erster Band» den Mülheimer Dramatikerpreis `07.

 

Bei «Uraufführung: Der Besuch der alten Dame» beschäftigen sich Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel mit einem Teil der Geschichte des Schauspielhauses Zürich: der Uraufführung von Friedrich Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» am 29. Januar 1956. Mit neun Zeitzeugen – ehemalige Mitarbeiter und Zuschauer des Pfauens – durchforschen sie das kollektive Gedächtnis und rekonstruieren von den Rändern her die Umrisse der Inszenierung von Oskar Wälterlin mit der unvergesslichen Therese Giehse als Claire Zachanassian. Der ehemalige Regieassistent Richard Merz entzifferte die Steno-Notizen in seinem Regiebuch, Bibi Gessner, die damalige Direktionssekretärin erinnert sich, wie sie jeden Tag die von Dürrenmatt korrigierten Manuskriptseiten tippte, der Bühnenarbeiter Hans Städeli organisiert nochmals die offenen Szenenumbauten, und drei Mitglieder des nun erwachsenen Kinderchors singen das Willkommenslied für die Zachanassian. Wichtiger Mitspieler dieses Projektes ist gleichzeitig auch sein Adressat: Das Publikum, die Zuschauer, die oft seit Jahrzehnten bei jeder Premiere und jeder Uraufführung auf demselben Platz im Pfauen sitzen, neben denselben «Nachbarn», und eine Gemeinschaft begründen, vor dem sich jedes neue Stück bewähren muss. Der Unternehmer Johannes Bauer war ebenso im Zuschauerraum wie die Fernsehmoderatorin Eva Mezger-Haefeli und der damalige Gymnasiast Kurt Weiss.

 

In der bekannten Rimini-Vorgehensweise laden diese neun «Experten» zu einer Erinnerungs-Seance ein und lassen eine der grossartigsten Inszenierungen in der Geschichte des Pfauens wiederaufleben: Die alte Dame «Theater» kommt zu Besuch. Und während Claire Zachanassian ihre Gerechtigkeit fordert, «die sie sich leisten kann», stellt sich zum einen die Frage nach der kollektiven Schuld, nach der Käuflichkeit, aber auch nach dem kollektiven Gedächtnis mit neuer Schärfe. Zum anderen wird mit dieser Rekonstruktion auch die Frage an die Relevanz eines solchen Ereignisses und an das Theater überhaupt gestellt. Welchen Platz nahm der Theaterbesuch im Leben der Zuschauer ein? Warum ging man hin? Welche Folgen hatte das Erlebnis für jeden Einzelnen, für das Theater, für die Stadt? Und was bleibt davon nach 51 Jahren an Erinnerungen weiter?

 

Konzept/Regie Rimini Protokoll (Stefan Kaegi, Helgard Haug, Daniel Wetzel) – Bühne Simeon Meier – Kostüme Rimini Protokoll/Maja Kuhn – Musik Markus Reschtnefki – Licht Frank Bittermann –

 

Dramaturgie Imanuel Schipper

Mit: Johannes Baur, Ursula Gähwiler, Hans Graf, Bibi Gessner, Richard Merz, Eva Mezger, Markus Reschtnefki, Hans Städeli, Christine Vetter, Kurt Weiss u.a.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑