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URAUFFÜHRUNG DEUTSCHE FASSUNG: DER VERTEUFELTE TEUFEL - Eine bildhafte Erzählung mit Musik von Patrick Corillon, Dominique Roodthooft & Thomas Smetryns im Theater ChurURAUFFÜHRUNG DEUTSCHE FASSUNG: DER VERTEUFELTE TEUFEL - Eine bildhafte...URAUFFÜHRUNG DEUTSCHE...

URAUFFÜHRUNG DEUTSCHE FASSUNG: DER VERTEUFELTE TEUFEL - Eine bildhafte Erzählung mit Musik von Patrick Corillon, Dominique Roodthooft & Thomas Smetryns im Theater Chur

Mi 20. / Do 21. Feb. 2013 20 Uhr im Rahmen der «Figurentheatertage» für Erwachsene. ---

Die Erzählerin Karlijn Sileghem und der Objektspieler Patrick Corillon erzählen die Geschichte des «Théatre de la Cocquille», einem Marionettentheater, das im 1. Weltkrieg aus der Asche eines früheren Theaters entstand, das schon seit Generationen in Sérinam, einem kleinen lothringischen Dorf am Ufer der Maas, ansässig war.

Im eisigen Kriegswinter 1915 beschliesst der Marionettenspieler, seine Marionetten für sein frierendes Publikum zu verheizen und spielt mit Brotteig-Figuren weiter. 1916 gibt er seinem verhungernden Publikum diese Figuren zu essen. Und er spielt weiter. Es genügt die virtuose Bewegung der Marionettenstäbe, die Vorstellungskraft aller zu wecken. 1917, als öffentliche Zusammenkünfte verboten werden, verstummt der Marionettenspieler und schreibt die Dialoge seiner Figuren auf Laken.

 

Nach Ende des Grossen Krieges will keiner mehr auf das stumme Marionettentheater verzichten. Der Sohn des Marionettenspielers aber verweigert die Tradition und möchte als Schriftsteller zu den Menschen sprechen. Er überredet seinen alten Vater, das Theater einem Museum zu übergeben. Der Vater erhängt sich aus Kummer im Wald, wo ihn der Sohn später findet. Der Teufel sucht ihn auf und überzeugt ihn, unter seinem Schutz in die Welt zu ziehen und das Buch des Lebens zu schreiben.

Dafür fordert er die Schnur des Gehängten…

 

Der Bildende Künstler Patrick Corillon stellt die Worte in «Der verteufelte Teufel» typografisch dar: im Gegensatz zur gesprochenen Sprache sind die Worte hier keine nützlichen, unsichtbaren Vehikel, die eine Bedeutung tragen, es sind nicht die Worte, derer wir uns in unserer alltäglichen Kommunikation achtlos bedienen, sondern materielle, mysteriöse Entitäten, die mehr Bedeutung zeigen, als ein flüchtiges gesprochenes Wort zum Ausdruck bringen kann. Die Musik von LOD-Komponist Thomas Smetryns schafft Atmosphäre, errichtet ein musikalisches Bühnenbild und geht einen Dialog mit der Erzählerin, als auch mit der Puppenkiste ein. Sie kreiert Stille für Patrick Corillons poetischen Raum, in dem Bedeutungen und Bilder wuchern können. Die ausgewogenen musikalischen Interventionen erfüllen ein und dieselbe Funktion: sie machen die Stille des Erzählers greifbar, wodurch das schweigende Sprechen der Puppenkiste desto prägnanter erscheint.

 

Patrick Corillon hat diese bildhafte Erzählung mit Musik in Zusammenarbeit mit dem

Musiktheater LOD aus dem flämischen Gent und dem Theater Le Corridor aus dem

wallonischen Lüttich geschaffen. Die in Koproduktion mit dem Theater Chur entstandene

deutsche Fassung wird in Chur uraufgeführt.

 

Spiel: Patrick Corillon, Karlijn Sileghem

Piano: Heleen Van Haegenborgh

Konzept & Text: Patrick Corillon

Musik: Thomas Smetryns

Niederländische Übersetzung: Paul Pourveur

Deutsche Übersetzung: Stefan Barmann

Coach: Dominique Roodthooft

Sprachcoach deutschsprachige Aufführung: Sabine Reifer

Beleuchtung: Joël Bosmans

Ton: Pierre Neu

Technische Koordination: Nic Rosseeuw

Technik: Pino Etz, Brecht Beuselinck

Produktionsleitung: Kristel Deweerdt

Produktion: Musiktheater LOD Gent, Le Corridor Lüttich

Koproduktion:

Théâtre de la Place (Liège), Théâtre le Granit (Belfort)

Mit Unterstützung der Communauté française - Service Théâtre, der Région Wallonne und WBI

Koproduktion deutsche Fassung: Theater Chur

 

«Der verteufelte Teufel» ist eine Bearbeitung der französischen Inszenierung von «Le diable abandonné», die 2007 von Le Corridor (Lüttich), Théâtre de la Place (Lüttich) und Théâtre le Granit (Belfort, FR) produziert wurde. Eine flämische Version «De duivel beduveld» wurde 2010 in Gent uraufgeführt.

 

Patrick Corillon

Wohnt und arbeitet in Paris und Lüttich. Er wird von der Galerie In Situ (Paris) vertreten.

Seine Arbeiten waren bereits in Museen wie der Tate Gallery, dem Royal College

of Art in London, dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Paleis voor

Schone Kunsten in Brüssel und Charleroi, den Stiftungen De Appel und Witte de With

in den Niederlanden, der Stiftung Gulbenkian in Lissabon zu sehen. Seit 2007 arbeitet

Corillon an seinem Projekt «Le diable abandonné» (Der verteufelte Teufel) und es

entstanden drei Bücher, die bei der Éditions MeMo (Nantes) erschienen sind, sowie

drei Vorstellungen: eine lettristische Phantasie in drei Szenen. Danach beschäftigte

sich Corillon stets mehr mit Bühnenprojekten, bei denen Musik eine grosse Rolle

spielt. Zwischen 2010 und 2012 arbeitete er an der Soloperformance «La rivière bien

nomméé», der musikalischen und plastischen Arbeit «Oskar Serti va au Concert» für

das Klangforum des Wiener Konzerthauses und einem Musiktheaterstück nach Maeterlincks

«Die Blinden» mit dem jungen Komponisten Daan Janssens bei LOD Gent.

 

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