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Uraufführung: "Ebenda - Ein Gedächtnistheater" von Lukas Bärfuss und Christian Probst im Sadttheater Bern

Premiere am Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 19.30 Uhr

 

Am 16. Oktober jährt sich der Geburtstag von Albrecht von Haller zum 300. Mal. An diesem Tag kommt im Stadttheater Bern das Schauspiel „Ebenda – Ein Gedächtnistheater“ von Lukas Bärfuss und Christian Probst zur Uraufführung.

Der Berner Universalgelehrte Albrecht von Haller zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts der Aufklärung. Als aufmerksamer Zeitgenosse äusserte er sich zu beinahe allen Bereichen des Wissens und des Daseins. Sein Leben und Wirken als Mediziner, Physiologe, Pflanzenforscher, Bibliothekar, Dichter, Politiker und vieles mehr strahlt bis in unsere Zeit hinein. „Ebenda – Ein Gedächtnistheater“ ist ein Stück über Haller (er ist das Objekt der Betrachtung), von Haller (er wird zitiert) und mit Haller (er tritt selber auf).

 

Albrecht von Haller (geboren am 16. Oktober 1708 in Bern; gestorben am 12. Dezember 1777 ebenda) war Mediziner und praktischer Arzt. Wegen des breiten Spektrums seines Wissens und seiner Fähigkeiten gilt er als Universalgelehrter.

 

Haller wurde 1708 als fünftes Kind des Juristen Niklaus Emanuel Haller in Bern geboren. Er studierte Medizin in Tübingen und in Leiden. 1729–1736 war er als praktischer Arzt in Bern tätig und publizierte erste kleinere anatomische und botanische Schriften. 1736 wurde Haller zum Professor für Anatomie, Botanik und Chirurgie an die neugegründete Universität Göttingen berufen, wo er bis 1753 blieb.

 

In dieser Zeit intensiver wissenschaftlicher Aktivität entwickelte Haller seine zentralen Forschungsgebiete. 1742 veröffentlichte er eine umfassende Flora der Schweiz und galt bald als einer der führenden Botaniker. Als Anatom fokussierte er auf das Gefässsystem und setzte mit seinen Icones anatomicae (8 Teile, 1743–1756) den Standard in diesem Gebiet.

 

Sein Hauptinteresse galt allerdings der Physiologie, der Lehre von den Funktionen der Lebewesen. Ausgehend von der Überzeugung, dass sich fundamentale Aussagen über den lebenden Körper nur an diesem selbst gewinnen lassen, machte sich Haller in den späten 1740er Jahren als Erster daran, systematisch angeordnete Tierversuchsreihen in grösserem Umfang durchzuführen.

 

Seine Resultate stellten die damalige Medizin auf den Kopf. Sie wiesen nach, dass der Körper nicht – wie bisher angenommen – eine von der Seele geleitete, passive Maschine, sondern ein aktiver Organismus ist, der auf Reize reagiert.

 

In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde Haller 1749 vom Kaiser in den Adelsstand (von Haller) erhoben. Bedeutender noch war die Aufnahme in die wichtigsten europäischen gelehrten Gesellschaften und Akademien, so in diejenigen von Uppsala (1733), London (1739), Stockholm (1747), Berlin (1749), Bologna (1751) und Paris (1754).

 

Trotz der hohen internationalen Anerkennung als Wissenschaftler wurde Haller in Göttingen nicht recht glücklich. Der Verlust von zwei Ehefrauen und von drei früh verstorbenen Kindern sowie der Streit mit Universitätskollegen machten ihm zu schaffen. In der Hoffnung auf eine politische Karriere und um die gesellschaftliche Zukunft seiner Familie in Bern zu sichern, kehrte Haller 1753 in seine Heimat zurück.

 

Nach einigen Jahren in der bescheidenen, aber den Einstieg in höhere Posten ebnenden Position des Rathausammanns wurde Haller 1758 zum Salzdirektor in Roche im französischen Teil des Berner Territoriums gewählt.

 

Hallers Rückkehr in die Schweiz war kein Rückzug als Gelehrter. Er unterhielt weiterhin einen ausgedehnten Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus ganz Europa. Auch seine wissenschaftliche Tätigkeit führte er weiter. Die bereits in Göttingen begonnenen embryologischen Forschungen intensivierte er und veröffentlichte sein Hauptwerk über die Entwicklung des Hühnerembryos. Sein Opus Magnum, die Elementa physiologiae, wurde in acht Bänden veröffentlicht und blieb bis ins 19. Jahrhundert das Standardwerk des Fachs.

 

Seine Sicht über Anatomie und Physiologie stellte er in rund 200 Artikeln in der Yverdoner und in den Supplementbänden zur Pariser Encylopédie (1772–1777) vor. Eine zweite, stark erweiterte Ausgabe seiner Schweizer Flora publizierte er 1768. Das letzte Jahrzehnt seines Lebens widmete Haller unter anderem der Edition kritischer Bibliographien der Botanik, Anatomie, Physiologie, Chirurgie und praktischen Medizin. Zudem schrieb er drei Romane über die verschiedenen Staatsformen und religiöse Schriften gegen die Freidenker, insbesondere Voltaire. Die vielleicht grösste Genugtuung seines Lebens erlebte Haller im Juli 1777, knapp ein halbes Jahr vor seinem Tod, als Kaiser Joseph II. es auf seiner 'inkognito'-Reise durch Europa ablehnte, Voltaire in Ferney zu besuchen, aber den Berner Gelehrten in seiner Stube aufsuchte.

 

Die beiden Berner Christian Probst und Lukas Bärfuss stellen sich der zwiespältigen Person Hallers. Zwiespältig insofern, als dass dieser als wahrhaft fleissiger und produktiver Schweizer zwar vielen Künstlern und Forschern seiner Zeit Vorbild war, von dessen Werk jedoch wenig Relevantes übriggeblieben ist. Zu schnell haben seine Nachfolger seine Ergebnisse in den Schatten gestellt. Zwiespältig auch, weil Hallers privates Leben wenig Höhepunkte bot, aber stattdessen geprägt ist von Bienenfleiss, bigotter Frömmigkeit, kindlicher Todesangst und wahnsinnigem Ehrgeiz, allesamt keine wirklich sympathischen Eigenschaften. Und so lädt die Figur Albrecht von Hallers heute dazu ein, über das Verhältnis von Aufwand und Nutzen, Ruhm, Gier und Ehrgeiz nachzudenken, und auch darüber, wohin die von ihm mitbegründete Tradition einer empirischen medizinischen Forschung geführt hat, und was es mit dem bernisch-republikanischen Prinzip des „Keiner überrage den anderen“ auf sich hat.

 

Projekt von Christian Probst und Lukas Bärfuss

Zu Albrecht von Haller

Inszenierung Christian Probst

Bühne, Kostüme Christoph Wagenknecht

Musik Simon Hostettler

 

Mit Klaus Knuth als Haller

 

sowie

Marcus Signer, Doro Müggler, Andri Schenardi, Ernst C. Sigrist, Diego Valsecchi

 

Misa Stefanovic 1. Geige

Sibylla Leuenberger 2. Geige

Alejandro Mettler Bratsche

Bruno Fischer Violoncello

 

Statisten Pierre Braunschweig, Cyril Chariatte, Jérome

Chariatte, Martial Chariatte, Jürg Flühmann, Daniel

Gelzer, Daniel Hürlimann, Peter Junker, Ralph Kühne,

Florentin Lutz, Reto Stalder, Martin Zimmermann

 

Vorstellungsdaten

 

Samstag 1. November 2008 19.30 Uhr 10er-Abo / FV

Freitag 7. November 2008 19.30 Uhr Freitag-Abo / FV

Freitag 12. Dezember 2008 19.30 Uhr 8er-Abo / FV

Sonntag 4. Januar 2009 15.00 Uhr So-Na-Abo / FV

Freitag 9. Januar 2009 19.30 Uhr 9er-Abo / FV

 

Weitere Vorstellungen in unseren Monatsspielplänen oder unter www.stadttheaterbern.ch

 

 

 

 

 

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