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Uraufführung: element x Tanzerkundung von Xin Peng Wang im Theater Dortmund

Premiere: 24. April 2010 im Harenberg City Center

 

Ein schmaler Raum. Ein Wecker, eine Lampe, vielleicht noch das Paar Hausschuhe neben einem schlicht geformten Beistelltischchen namens Vestby oder Malm. Individualität aus dem Katalog. Anonym, gesichtslos und doch der unserem Privatesten nächstliegende Raum.

 

Er beschreibt meist nur einen Meter, der von der Schlafzimmerwand bis zu unserer Bettkante reicht. Ein Prototyp jener Nicht-Orte, die wir täglich durchschreiten. Der erste des Tages und der letzte. Ein privater Nachbau uns Reisender, die wir durch Hotels, Check-Ins, Warteräume oder Lobbys geprägt sind. In ihnen befinden wir uns in einer autonomen Zeit-Zone, die losgelöst von früheren wie darauf folgenden Ereignissen existiert. Unser Vorwärtskommen ähnelt einer Schleife, in der wir Dingen und Ereignissen begegnen, die wir bereits gesehen haben, zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort – Stillstand in Bewegung. Leben scheint hier ausgeschlossen. Wir scheinen hier ausgeschlossen. Fremdkörper, unfähig in Beziehung mit diesem Raum zu treten, Spuren zu hinterlassen, ihn uns eigen zu machen. Örtliche wie zeitliche Verwirrung setzt ein. Unserer orientierenden Parameter beraubt, gleiten wir in einen seltsamen Zustand der Haltlosigkeit ab.

 

Mit dem Projekt element x, in dessen Zentrum die Kompositionen von Hans Werner Henze und die Auseinandersetzung mit dem Lebensraum Ruhr stehen, besetzt der Dortmunder Ballettdirektor Xin Peng Wang einen dieser Übergangsräume. Abseits der sicheren Spielfläche für Kunst, jenseits eines Bühnenraumes inszeniert er im Harenberg City Center Strategien eines Ausbruchs, einer Störung dieser zyklischen Bewegung. Er und seine Tänzer laden uns mit kleinen Geschichten zu dieser Tanzerkundung ein. An einen Ort, an dem wir dies nicht erwarten. Zu einem Erlebnis, das uns träumen lässt.

 

Zwei Jahre nach seiner vielbeachteten Raum-Körper-Installation <<Raum X>> kehrt Xin Peng Wang mit seinem neuen Projekt ins Harenberg City Center zurück. Dort begeben er und seine Ballettcompagnie sich im gesamten Gebäude auf die Suche nach neuartigen Ausdrucksmöglichkeiten, bei denen die Körper der Tänzerinnen und Tänzer mit den verschiedenen Räumen des Gebäudes in einen intensiven Dialog treten. Die Musik dieses Abends reicht von mystischen und sakralen Klängen bis hin zu musikalischen Experimenten. Als akustische Konstante durchziehen Kompositionen von Hans Werner Henze das Projekt.

 

Weitere Vorstellungen: 2. und 13. Mai 2010 im Harenberg City Center

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