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Uraufführung: "Hieronymus B." - Tanz durch Hölle und Paradies, von Nanine Linning

Premiere So 18.01.2015, 19.00 Uhr, Marguerre-Saal, Werkeinführung 18.15 Uhr. -----

Zeitgenössischer Tanz trifft auf Bildende Künste: Im Hinblick auf das 500-jährige Jubiläum des Todestages des berühmten Malers Hieronymus Bosch im Jahr 2016, widmet die niederländische Choreografin Nanine Linning ihm ihr neuestes Werk.

So feiert sie sein Oeuvre mit einem Gesamtkunstwerk aus zeitgenössischem Tanz, Videokunst, opulentem Kostüm- und Bühnenbild und musikalischen Kompositionen aus Geschichte und Gegenwart.

 

Die Bildwerke dieses Malers sind ein Faszinosum. Sie betören und erschrecken zugleich. Monströse Fabelwesen durchstreifen die Welt unter loderndem Himmel und vollenden das dunkle Schicksal der Menschen. Im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance bannte Bosch die Hoffnungen und Ängste seiner Mitmenschen in eine faszinierende Farbigkeit und legte Zeugnis von der Zerrissenheit des menschlichen Seins - eines Seins in Zeiten des Wandels zwischen den Trümmern des Vergangenen und der Dämmerung einer ungewissen Zukunft - ab. Die Bewunderung für Boschs Werke, ihre mystische Symbolkraft und packende Sinnlichkeit ist auch heute noch ungebrochen. Sie zeigen u. a. den ‚Garten der Lüste‘, ‚Die sieben Todsünden und ‚Die vier letzten Dinge‘. Doch jenseits religiöser Motivik ist der Mensch in seiner Verletzlichkeit und Körperlichkeit allseits präsent.

 

Die Choreografin Nanine Linning ist fasziniert von diesen Welten, die schier bersten vor Bewegung und Ereignissen; in denen sich der Betrachter verliert, in ihren Bann geschlagen und mittels Humor lauthals lachend wieder in die eigene Gegenwart hinaus geschleudert wird. Den 500. Todestag Hieronymus Boschs im Jahr 2016 im Blick, katapultiert Nanine Linning Boschs Kosmos auf der großen Bühne des Marguerre-Saals ins Hier und Jetzt. Unterstützung erfährt das Vorhaben durch Bühnenbild sowie die Kostüme des Künstlerduos Les Deux Garçons, die dem hiesigen Publikum bereits durch ihre Entwürfe und Skulpturen in „Requiem“ bekannt sind. Die Kunst des niederländischen Duos – dessen Werke neben Arbeiten von Jan Fabre, Jean Paul Gautier und Maison Givenchy ausgestellt werden und das wiederholt mit dem internationalen Modelabel Hermès zusammenarbeitet – vermag die ambivalenten Visionen des Malers faszinierend aktuell zu übersetzen. In Begleitung des Philharmonischen Orchesters und des Countertenors Artem Krutko entsteht so mit Nanine Linnings neuester Arbeit „Hieronymus B.“ ein tänzerisches Denkmal, ein lebendiges „Memento Mori“, ein sinnlicher „Totentanz“ und nicht zuletzt eine Antwort auf Linnings ‚weißes Requiem‘ an den Grenzen unserer Vorstellungskraft.

 

Für HIERONYMUS B. wählt Nanine Linning Musik der Renaissance, einige Barock-Kompositionen für Stimme und Orchester sowie zeitgenössische musikalische Werke aus. Mit der Schaffung eines Spannungsbogens zwischen den musikalischen Epochen und der Verknüpfung der verschiedenen Werke, hat sie den niederländischen Komponisten und Arrangeur Michiel Jansen beauftragt. Unter der musikalischen Leitung von Dietger Holm werden das Philharmonische Orchester Heidelberg und der Countertenor Artem Krutko den Abend „Hieronymus B.“ im Heidelberger Marguerre-Saal live musikalisch bereichern.

 

HIERONYMUS B. verspricht aber auch kein düsterer, sondern ein eher ein unterhaltsamer sowie breitgefächerter Abend zu werden, der das Publikum auf vielfältige Weise anspricht und einbezieht: Im ersten Teil werden die Besucher in zwei Gruppen geteilt. Im Zuschauerraum wird die eine dieser beiden in die Welt und die Zeit des Malers am Übergang vom Mittelalter zur Renaissance durch eine extravagante, in Eigenregie entstandene Video-‚Dokumentation‘ eingeführt, die gleichzeitig durch Live-Tanz begleitet wird. Parallel dazu erobert die zweite Gruppe die Bühne und wird Teil des lebhaften und geheimnisvollen Universums des Malers Hieronymus Bosch, das in Bühnenbild und Kostümen durch Tanz zum Leben erweckt wird. Zur Halbzeit des ersten Teiles tauschen dann die Gruppen die Orte, so dass jede in den Genuss beider Präsentationen kommen kann. Den zweiten Hauptteil verfolgt das Publikum nach einer Pause wie gewohnt vom Zuschauerraum aus und taucht somit in die faszinierende und hypnotische Choreografie verlorener Seelen und gefallener Engel in ihrem Ankämpfen gegen die Verführungen auf der Suche nach Erlösung ein.

 

Kostüme und Skulpturen von Les Deux Garçons

Les Deux Garçons - Michel Vanderheijden van Tinteren und Roel Moonen studierten an der Akademie für Bildende Kunst in Maastricht. Seit 2000 arbeiten sie unter dem Namen Atelier Les Deux Garçons zusammen. Die künstlerische Ausrichtung von Les Deux Garçons ist breit gestreut. Immer auf der Suche nach Perfektion in der Wahl des Materials und der Fertigstellung, entwerfen sie Collagen, Gemälde, Bronze-Statuen, Freistil-Assemblagen und Taxidermie-Skulpturen (ausgestopfte Tiere). Ihre Werke werden neben Arbeiten von Jan Fabre, Jean Paul Gautier und Maison Givenchy ausgestellt, u. a. auf der Designermesse „Salone del mobile“ in Mailand. Sie arbeiten wiederholt mit dem internationalen Modelabel Hermès zusammen. 2011 entwarfen sie bereits Bühnen- und Kostümbild für Nanine Linnings „Requiem“.

 

Musikalische Leitung Dietger Holm

Konzept, Choreografie und Regie Nanine Linning

Bühne, Kostüme und Masken Les Deux Garçons

Licht Loes Schakenbos

Video Roger Muskee | Erik Spruijt

Dramaturgie Phillip Koban

 

Tanz Paolo Amerio | Mallika Baumann | Yana Breugelmans | Karen Brinkman | Jesse Hanse | Francesca Imoda | Wessel Oostrum | Eden Orrick | David Pallant | Kyle Patrick | Thomas Walschot | Ting-An Ying

 

Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg

Philharmonisches Orchester Heideberg

 

Weitere Termine

Sa 24.01.2015, 19.30 Uhr

Fr 30.01.2015, 19.30 Uhr

Mo 9.02.2015, 19.30 Uhr

Do 12.02.2015, 19.30 Uhr

Do 26.02.2015, 19.30 Uhr

So 1.03.2015, 15.00 Uhr

Sa 21.03.2015, 19.30 Uhr

Sa 28.03.2015, 19.30 Uhr

Fr 17.04.2015, 19.30 Uhr

Fr 29.05.2015, 19.30 Uhr

Di 2.06.2015, 19.30 Uhr

Sa 6.06.2015, 19.30 Uhr

Fr 12.06.2015, 19.30 Uhr

 

Theaterkasse (06221/5820.000)

 

 

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