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Uraufführung in Weimar: „Amoklauf mein Kinderspiel“ von Thomas Freyer

Premiere am Sonntag, 28. Mai 2006, 19 Uhr, im foyer III des deutschen nationaltheaters.

Das beim Berliner Theatertreffen 2006 mit dem Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichnete Stück „Amoklauf mein Kinderspiel“ des jungen Autors Thomas Freyer erlebt am Deutschen Nationaltheater Weimar in einer Koproduktion mit dem THEATER AN DER PARKAUE am Sonntag, 28. Mai 2006, 19 Uhr, im foyer III seine Uraufführung

„Amoklauf mein Kinderspiel“ erzählt von jungen Menschen, die ein Land suchen, das Heimat sein soll. Es erzählt von Kindern, die nach einer Identität suchen, welche ihre Eltern verloren haben. Es erzählt von Schülern, die auf Gängen nach einem Gegenüber suchen, auf das sie schießen können.

Das Stück wählt die Perspektive von drei Jugendlichen, die an ihrer Umgebung – zwischen Plattenbau und Kaufland – fast ersticken. Die Welt um sie herum ist gekennzeichnet von Orientierungslosigkeit: Eltern und Lehrer, die mit sich selbst und den unüberschaubaren Problemen und Möglichkeiten der neuen Freiheit überfordert sind. Demgegenüber steht die gewalttätige Phantasie eines Amoklaufs - ein Aufschrei, Ausbruch aus der Sprachlosigkeit.

 

Der Text entstand etappenweise im Rahmen einer Stückentwicklung. Im Sommer 2004 startete das junge Team, der Autor Thomas Freyer, der Regisseur Tilmann Köhler und die SchauspielerInnen Elisabeth Heckel, Cornelia Rosenkranz und Thomas Braungardt mit den ersten geschriebenen Textfragmenten und einem vorläufigen dramaturgischen Gerüst der Fabel in die szenischen Proben. Weitere Szenen wurden parallel zum Arbeitsprozess geschrieben und jeweils nach einer Woche der Werkstatt-Stand einem Publikum präsentiert, um zu hören, was sich erzählt und wie die Geschichte weitergetrieben werden kann. Im Verlauf der Arbeit entstanden vier Versionen, die u.a. im Deutschen Theater Berlin, im HAU Berlin und im Théâtre „Le Maillon“ Strassbourg zu sehen waren. Am DNT Weimar kommt das Stück nun in einer Koproduktion mit dem THEATER AN DER PARKAUE zur Uraufführung. Die Ausstattung dafür entwarf Gilvan Coêlho de Oliveira.

 

Neben fünf weiteren Dramen wurde „Amoklauf mein Kinderspiel“ beim Stückemarkt des diesjährigen Berliner Theatertreffens in einer szenischen Lesung präsentiert und von der Jury mit dem Förderpreis für neue Dramatik ausgezeichnet. Der mit € 5.000,– dotierte Förderpreis wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gestiftet. „Dieses Theaterstück, das gleichzeitig ein Ritual ist, gibt der Sprachlosigkeit eine Sprache, fördert die Selbsterkenntnis und macht Angst. Das finden wir großartig.“ begründet die Jury ihre Entscheidung.

 

Weitere Termine: 29.6., 20 Uhr; 6.7.06, 20 Uhr

 

Thomas Freyer, geboren 1981 in Gera, nahm nach dem Abitur und dem Zivildienst am Paul-Maar-Seminar für Kinder- und Jugendtheaterdramatik 2001 in Wolfenbüttel teil. Anschließend absolviert er ein Dramaturgiepraktikum am Hans Otto Theater, Potsdam. Von 2002 – 2006 studierte Freyer „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste in Berlin. Sein Stück „nach Berlin!“ wurde 2004 in einer Werkstattinszenierung der TheaterFABRIK Altenburg-Gera beim Treffen Junges Theater in Erfurt gezeigt und 2005 zum „Theatertreffen der Jugend“ in Berlin eingeladen. 2005 produzierte der Rundfunk Berlin Brandenburg aus seinem Text „Amoklauf mein Kinderspiel“ ein Hörspiel. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen bekam Thomas Freyer von der Jury für sein beim Stückemarkt präsentiertes Stück „Amoklauf mein Kinderspiel“ den Förderpreis für neue Dramatik verliehen.

 

Tilmann Köhler, geboren in Weimar und aufgewachsen in Gera, studierte Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin. Seine Inszenierung "Choephoren" von Aischylos wurde mit einem Ensemblepreis beim Treffen deutschsprachiger Schauspielschulen und mit dem Bensheimer Theaterpreis ausgezeichnet. Zudem wurde sie als "herausragender Beitrag zur aktuellen Entwicklung des Schauspiels in der Spielzeit 2003/2004" in der Zeitschrift Deutsche Bühne nominiert. Seit Beginn der Spielzeit 2005/06 ist Tilmann Köhler als Hausregisseur am DNT Weimar engagiert. Bereits im Juni 2005 erlebte seine Diplominszenierung "Penthesilea" von Heinrich von Kleist in Koproduktion mit dem bat Studiotheater ihre erfolgreiche Weimarer Premiere im e-werk. Es folgte die szenische Lesung „Das Wirklichgewollte" im Dezember 2005, drei Kurzgeschichten des Autors Volker Braun spielerisch gelesen von Ina Piontek und Bernd Lange. Mit Jewgeni Schwarz' Märchenkomödie "Der Drache" gab Tilmann Köhler im März 2006 sein grandioses Regiedebüt auf der großen Bühne des Deutschen Nationaltheaters Weimar. Nach „Amoklauf mein Kinderspiel“ hat als nächste Produktion in seiner Regie im Juli 2006 Ferdinand Bruckners "Krankheit der Jugend" Premiere.

 

www.nationaltheater-weimar.de

 

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