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Uraufführung: TYRANNIS, Stückentwicklung von Ersan Mondtag, STAATSTHEATER KASSEL

Premiere Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20.15 Uhr, tif (Theater im Fridericianum). -----

Ersan Mondtags Projekt besteht aus zwei Ebenen, einer virtuellen und einer realen. Die Bühne ist ein Haus, abgeschieden im Wald, fernab aller Städte, mit Wohnzimmer, Küche, Abstellkammer, Badezimmer – voller ästhetischer Anspielungen auf David Lynchs Filme.

 

Hier lebt eine rothaarige Familie in einer Art ewigem Weihnachtsabend im Zustand permanenter Selbstüberwachung. Jedes Zimmer ist mit Kameras bestückt, deren Bilder das einzige Programm im Fernsehen sind, vor dem sich Vater, Mutter, Tante, Sohn und Tochter (und ein merkwürdiges Baby) versammeln.

 

Zugleich „existiert“ ein erster Stock: Ein langer Flur, der zu den Schlafzimmern führt. Diese Privaträume werden als Film in einem eigenen Set gedreht, welches die Schauspieler gestrichen und tapeziert und mit Lampen, Mobiliar und Bildern individuell eingerichtet haben.

 

Wenn Mitglieder der Familie die untere Etage verlassen und „nach oben“ gehen, sieht man im Fernseher oder auf Monitoren im Zuschauerraum vor allem die nächtlichen Aktivitäten und Rituale. Zu diesem Konzept der völligen nach innen gehenden, sich selbst paranoid verfolgenden Überwachung gehört, dass die Schauspieler mit geschlossenen Augen spielen werden, auf die aber Augen gemalt sind. So haben sie zwar offiziell Augen, aber keinen „Blick“ mehr. In diese Welt der Rituale der Orwell‘schen „Big Family“ bricht eines Nachts eine Fremde ein. Die Familie, aber vor allem das Haus selbst, ist „organisch“ gestört: Wie soll die Fremde integriert werden, wie reagieren die Angehörigen auf den Fremdkörper? Wie verlagert sich die Angst vor dem Fremden im Äußeren in das Innere dieser soziopathischen Familie? Wie paranormal wird die vermeintliche Normalität, bis zum Horror?

 

Ersan Mondtag wurde 1987 in Berlin geboren und arbeitet zwischen den Bereichen Theater und Musik, Performance und Installation. Er hospitierte erst bei Thomas Langhoff, Frank Castorf und Claus Peymann, assistierte dann zuletzt bei Vegard Vin. Das Studium brach er nach zwei Jahren ab und gründete in München 2012 das »KAPITÆL ZWEI KOLEKTIF«, konzipierte im Kollektiv Dauerperformances, experimentelle Partyformen sowie interdisziplinäre Theaterarbeiten, zuletzt »Party #4 - NSU« im Mixed Munich Arts (MMA). Für die Schaustelle der Pinakothek der Moderne realisierte er mit Olga Bach »KONKORDIA«, eine neuntägige Dauerperformance. In der Spielzeit 2013/14 war Ersan Mondtag Mitglied im REGIEstudio des Schauspiels Frankfurt und inszenierte dort »2. Sinfonie« (2014 beim »radikal jung« Festival), »Das Schloss« und »Orpheus#« (2015 beim »radikal jung« Festival in München).

 

Ersan Mondtag lebt in Berlin und wird In der Spielzeit 2015/16 am Thalia Theater Hamburg, am Staatstheater Kassel, am Schauspiel Frankfurt und im Studio R des Maxim Gorki Theaters Berlin inszenieren.

 

Inszenierung: Ersan Mondtag,

Bühne und Kostüme: Ersan Mondtag.

Mitarbeit Bühne und Kostüme: Paula Wellmann,

Musik: Max Andrzejewski,

Dramaturgie: Thomaspeter Goergen

 

Mit: Enrique Keil, Kate Strong, Eva-Maria Keller, Jonas Grundner- Culemann, Philipp Reinhardt, F: Sabrina Ceesay

 

Nächste Vorstellungen: 17. und 30. Dezember

 

 

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