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Uraufführung von Beat Furrers »la bianca notte / die helle nacht« - Hamburgische Staatsoper

Premiere 10. Mai 2015, 18.00 Uhr, Großes Haus. -----

Für seine Oper »la bianca notte/die helle nacht« hat der unter anderem mit dem Großen Österreichischem Staatspreis ausgezeichnete Schweizer Komponist Beat Furrer ein Künstlerthema gewählt: Leben und Werk des italienischen Dichters Dino Campana (1885 bis 1932).

Campana war ein Dichter, ein Künstler und Visionär, der die letzten 14 Jahre seines Lebens im Irrenhaus zubrachte. In Deutschland nahezu unbekannt, erlangte er in Italien durch das 1971 gefundene Originalmanuskript seines einzigen Buches posthum Berühmtheit. Das »Canti Orfici« (Orphische Gesänge) betitelte Werk, auf eigene Kosten des Dichters 1914 in seiner toskanischen Heimatstadt Marradi erschienen, versammelt Lyrik und Erzähltexte Campanas in freier Assoziation. »Alles ist Poesie, jede Wendung schwer von Gehalt und jede Zeile voll von sich wechselseitig durchkreuzenden Bildern«, sagt Operndirektor und Produktionsdramaturg Francis Hüsers. »So scheint selbst im Detail beinahe unmöglich, einen narrativen Faden, eine ›Handlung‹ auszumachen. Gleichwohl bestätigt sich doch immer wieder der Eindruck, die ›Canti Orfici‹ seien von Dino Campana zur ›Verteidigung und Rechtfertigung seines Lebens‹ geschrieben, wie er selbst es in einem Brief angegeben hat – also zum Beweis eines existentiell gelebten Künstlertums.«

 

Beat Furrer nimmt für »la bianca notte/die helle nacht« die Dichtung Campanas in ihrer ganz besonderen Qualität zum Ausgangspunkt seines Werks, genauer: Dinos Konzeption einer Aufhebung der Zeit und seine Gestaltung von Zeit – sein Spielen mit Geschwindigkeit, mit Rhythmen, Energie und Kraft. »Dino Campana war wahrscheinlich der einzige italienische Schriftsteller seiner Zeit, der die neuen futuristischen Ideen mit einer großen poetischen Kraft und einer starken Verbindung zur Vergangenheit der italienischen und französischen Literatur zum Leben zu erwecken im Stande war«, sagt Beat Furrer, der auch das Libretto zusammenstellte. »Seine Dichtung hat die Moden ihrer Zeit überlebt.«

 

Mit »la bianca notte / die helle nacht« schließt sich ein Kreis von Werken, die zuletzt schon aufgrund des Stoffes durchaus als »Künstleroper« verstanden werden können und von denen Simone Young während ihrer Hamburger Amtszeit einige auch als Dirigentin persönlich realisiert hat. Angefangen von Paul Hindemiths »Mathis der Maler« zu ihrem Amtsantritt im Jahr 2005 über Benjamin Brittens »Death in Venice« (2009) und Hans Pfitzners »Palestrina« (2011) bis hin zu York Höllers »Der Meister und Margarita« (2013). »Furrer verbindet eine fragile Textur mit aufregender Klangsinnlichkeit, was ihn für die Bühne prädestiniert. Furrers Musik wird hellhörig auf die Resonanzen des Textes reagieren und sie in großer klanglicher Subtilität ausdeuten«, sagt Simone Young.

 

Als Regisseur kehrt Ramin Gray für die Uraufführung nach Hamburg zurück. Der Brite überzeugte an der Staatsoper mit einer klaren, tief berührenden Inszenierung von Benjamin Brittens »Death in Venice« und einer schlüssigen Deutung von Brett Deans »Bliss«. Für die Bühne von »la bianca notte / die helle nacht« zeichnet Jeremy Herbert verantwortlich, die Kostüme kreiert Janina Brinkmann. Simone Young übernimmt die musikalische Leitung der Uraufführung. Die Partie des Dino singt der isländische Bariton Tómas Tómasson, der in Hamburg 2009 als Rigoletto zu erleben war. Tanja Ariane Baumgartner gibt ihr Hamburg-Debüt als Indovina. Die Mezzosopranistin gehört zum Ensemble der Oper Frankfurt, wo sie unter anderem Cornelia (»Giulio Cesare in Egitto«), Prinzessin Eboli (»Don Carlo«), Fricka (»Das Rheingold« und »Die Walküre«), Gora in der deutschen Erstaufführung von Aribert Reimanns »Medea« sowie die Titelpartie in Othmar Schoecks »Penthesilea« sang. Derek Welton übernimmt die Partie des Regolo, der Bariton feierte an der Staatsoper einen großen Erfolg als Voland in York Höllers »Der Meister und Margarita« im Herbst 2013. Die in Südafrika geborene Sopranistin Golda Schultz singt die Rolle der Sibilla und gibt damit ebenfalls ihr Debüt an der Dammtorstraße, Tigran Martirossian singt Il Russo. Die Einstudierung des Chores übernimmt Eberhard Friedrich, für die Produktionsdramaturgie zeichnen Francis Hüsers und Kerstin Schüssler-Bach verantwortlich.

 

Diese Uraufführung ist die letzte Neuproduktion, die Simone Young in ihrer zehnjährigen Amtszeit als Hamburgische Generalmusikdirektorin und Opernintendantin herausbringt. Das Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper an Beat Furrer wird am 10. Mai 2015 unter ihrer musikalischen Leitung uraufgeführt.

 

Inszenierung: Ramin Gray

Bühnenbild: Jeremy Herbert

Dramaturgie: Francis Hüsers, Kerstin Schüssler-Bach

Kostüme: Janina Brinkmann

Licht: Charles Balfour

Choreographie: Sasha Milavic Davies

 

Sibilla

Golda Schultz

Indovina

Tanja Ariane Baumgartner

Dino

Tómas Tómasson

Regolo

Derek Welton

Il Russo

Tigran Martirossian

Orchester

Philharmoniker Hamburg

Chor

Chor der Hamburgischen Staatsoper

 

Vorstellungen: 13., 16., 19., 24., 27. und 31. Mai 2015

 

Die Premiere wird live von NDR Kultur übertragen.

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