Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Wolken.Heim" von Elfriede Jelinek, Deutsches Theater Berlin "Wolken.Heim" von Elfriede Jelinek, Deutsches Theater Berlin "Wolken.Heim" von...

"Wolken.Heim" von Elfriede Jelinek, Deutsches Theater Berlin

Premiere am Freitag, den 29. November 2019 um 19.30 Uhr in den Kammerspielen

"Wir sind hier. Uns gehören wir. Wir sind hier bei uns." Das meiststrapazierte Wort in Elfriede Jelineks Wolken.Heim. ist "wir": "Wir aber wir aber wir aber wir…". Der Text entstand im Jahr 1988, wenige Monate, bevor der Taumel der Wendejahre die Deutschen zum kollektiven Subjekt einer Wir-Erzählung werden ließ. In einem sich drehenden Wirbel aus Sprache entwirft das Stück eine Wir-Beschwörung als manische Suche nach Selbstverortung. Was ist das Deutsche, was die deutsche Nation, wer sind "wir"? Ein Ort zwischen Wolken und Heim, zwischen Luftschloss und Gruft.

 

Copyright: Arno Declair

Land des Idealismus, Land des Faschismus: dazwischen Deutschland, im Nirgendwo, auf der nicht endenden Suche nach einer Identität, die nur im Ausschluss des jeweils Fremden zu sich findet. "Wir sind hier. Dort sind die andern. Aber wir nicht, wir nicht!" Elfriede Jelineks hochartifizieller Prosatext ist ein Zitatengeflecht: Hölderlin, Hegel, Heidegger, Fichte, Kleist und die Briefe der RAF werden – teils sinnentstellt und sinnverkehrt – zu Kronzeugen des deutschen Nationalismus. Die Worte der Dichter und Denker und die Reden der Täter und Mörder fließen in eins, in diesem Spracharchiv der deutschen Seele.

Das Ensemble um den Regisseur Martin Laberenz, der am Deutschen Theater bereits Elfriede Jelineks WUT inszeniert hat, begibt sich 30 Jahre nach dem Mauerfall und nach der Entstehung dieses Textes auf die Suche nach den Phantasmen des deutschen "Wir".

Regie Martin Laberenz
Bühne Bettina Pommer
Kostüme Aino Laberenz
Musik Polina Lapkovskaja  
Licht Marco Scherle
Dramaturgie Bernd Isele

Mit Edgar Eckert, Lorena Handschin, Holger Stockhaus, Birgit Unterweger, Regine Zimmermann

Nächste Vorstellungen am Samstag, den 7., Freitag, den 13. und Sonntag, den 29. Dezember.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 9 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑