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"Woyzeck" von Georg Büchner im Staatstheater Schwerin

Premiere am Donnerstag, den 8. Februar 2007 um 19.30 Uhr im E-Werk.

Als Georg Büchner, hessischer Revolutionär, Schriftsteller und Naturwissenschaftler, am 19. Februar 1837 mit 23 Jahren im Zürcher Exil an einer simplen Infektion stirbt, hinterlässt er neben zwei Dramen, "Dantons Tod" sowie "Leonce und Lena", ferner die Erzählung "Lenz", die 14 Jahre später auch sämtlich veröffentlicht werden.

Sein "Woyzeck" ist nicht dabei. Wohl, weil das Manuskript stark verblasst ist und weitgehend unleserlich, aber auch, weil es ein ungeordnetes Fragment geblieben ist, erschien das Werk erst 1879 in einer stark bearbeiteten Fassung und wurde erst 1913 uraufgeführt. Und dennoch ist es gerade der "Woyzeck", an dem Büchner bis zuletzt schrieb, der noch stärker als "Dantons Tod" oder "Leonce und Lena", die Literatur und das Theater verändert haben.

 

In den 27 erhaltenen Szenen, deren genaue Reihenfolge wohl nie endgültig geklärt werden wird, wirft Büchner grell aufblitzende Schlaglichter auf die Welt und das Leben des Gefreiten Franz Woyzeck, der vom Hauptmann schikaniert und gedemütigt wird, vom Doktor belehrt und missbraucht wird und von Marie, seiner Geliebten und Mutter seines Kindes, mit einem Offizier betrogen wird, bis er sich, verletzt und verwirrt, zum Äußersten getrieben sieht.

 

Dass unter diesen Umständen Jeder auf gröbere oder feinere Weise "hurt, lügt, stiehlt" oder gar "mordet", wie das bereits im 'Danton' anklingt, das ist spätestens im "Woyzeck" allen Personen gemeinsam. Und so erscheint es bis in unsere Tage - und heute mehr den je - ganz zufällig, wen das Los trifft, diesmal den Woyzeck zu geben. Die Würde des Menschen mag vielleicht noch immer nicht so unantastbar sein, wie uns das die Präambel im Grundgesetz verspricht; ist sie aber einmal verletzt, dann lebt es sich mit ihr auch nicht mehr ungefährlich. Doch die Faszination an diesem sozialen Roulettespiel, die Angst davor und die Sucht danach, steckt den Figuren Büchners, wie uns selbst, tief in den Knochen. Deshalb huren, lügen, stehlen und morden wir eben alle so gut wir können. Doch was ist das nur, was uns in diese Amokläufe treibt? - "Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen", schrieb Büchner noch drei Jahre vor seinem Tod an seine Braut, aber der Gedanke ließ ihn auch nie wieder los: er legte ihn erst in den "Danton" und entfaltete ihn dann im "Woyzeck".

 

Inszenierung: Henriette Hörnigk
Bühne und Kostüme: Alexander Polzin
Musik: Smoking Joe
Es spielen: Bettina Schneider (Marie), Lucie Teisingerova (Margreth/Käthe) - Klaus Bieligk
(Alter Mann/Narr 2/Jude), David Emig (Woyzeck), Jochen Fahr (Doktor), Stéphane Maeder
(Tambourmajor), David Kramer (Andres), Jonas Kraze (Das Kind), Hagen Ritschel
(Ausrufer/Unteroffizier/Narr 1), Jörg Zirnstein (Hauptmann)

Weitere Vorstellung: 25.2. um 18.00 Uhr und 26.2.2007 um 10.00 Uhr im E-Werk Kartentelefon: 0385 / 5300 – 123; kasse@theater-schwerin.de

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