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Zum Tod von Jörg HubeZum Tod von Jörg HubeZum Tod von Jörg Hube

Zum Tod von Jörg Hube

Der Schauspieler, Kabarettist und Regisseur Jörg Hube ist am 18. Juni 2009 gestorben.

 

Dieter Dorn, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels:

„Mit Jörg Hube verlieren wir, verliert das Theater nicht eine, sondern zwei Persönlichkeiten.

Es gab den unabhängigen, durch nichts zu bändigenden Darsteller Hube, der auf jeder Bühne, ob groß wie das Residenz Theater oder winzig wie ein Kellerbrettl, seine ganz eigene Haltung vertrat und sein Gefühl und seine scharfe Intelligenz dafür einsetzte, seine politischen und kulturellen Beobachtungen kund zu tun. Der andere Jörg Hube war der, der sich in ein Ensemble integrierte und sich – als Schauspieler wie als Regisseur – bedingungslos in den Dienst an einem Text und einer gemeinsamen Arbeit stellte.

 

Diese beiden Seiten von Jörg Hube waren sehr verschieden, aber nicht völlig voneinander getrennt. Denn auch im Kabarett war er so genau, präzis und seiner Mittel sicher, wie es die Bühne verlangt; und in den Theaterinszenierungen bewahrte er sich viel von seiner Unabhängigkeit. Er war ein Volksschauspieler im schönsten Sinn des Wortes, denn er blieb immer im Kontakt mit seinem Publikum: Es war für seine Arbeit Inspiration und Zweck zugleich. Und auch in Aufführungen, die bis ins kleinste Detail hinein geprobt und festgelegt waren, hat er uns daran erinnert, dass Theater auch etwas ist, das aus dem Augenblick lebt, ihn aufnimmt und feiert. Man konnte und musste sich mit Jörg fürchterlich streiten, denn impulsiv wie auf der Bühne war er auch im wirklichen Leben, doch der Streit war immer auf höchstem Niveau, und es gab immer einen Weg zurück zueinander. Erst am 3. Mai stand er zu letzten Mal in meiner Inszenierung von Feydeaus „Floh im Ohr“ in der virtuosen Doppelrolle des Chandebise und des Poche auf der Bühne des Residenz Theaters, am 18. Mai noch einmal in seinem eigenen Programm „Sugardaddy“. Wir haben gesehen, wie krank er war, und geahnt, dass uns nicht mehr viel Zeit mit ihm bleiben würde. Dass es nur noch so wenig war, lässt uns erschüttert zurück.“

 

Jörg Hube arbeitete mit Dieter Dorn in sechs Inszenierungen zusammen:

DER NEUE PROZESS, Premiere 1983 Münchner Kammerspiele,

HEKABE, Premiere 1999 Münchner Kammerspiele

DER KAUFMANN VON VENEDIG 2001, HEKABE 2001, DIE WÄNDE 2003, MASS FÜR MASS 2004, FLOH IM OHR 2006

 

Rollen seit 2001 am Bayerischen Staatsschauspiel:

 

DER KAUFMANN VON VENEDIG von William Shakespeare

Regie Dieter Dorn

Der Prinz von Marokko

11. Oktober 2001 Residenz Theater

 

HEKABE von Euripides

Regie Dieter Dorn

Polymestor

24. Oktober 2001 Residenz Theater

 

PARASITEN von Marius von Mayenburg

Regie Florian Boesch

Multscher

14. Februar 2002 Theater im Haus der Kunst

 

DER BAUER ALS MILLIONÄR von Ferdinand Raimund

Regie Franz Xaver Kroetz

Fortunatus Wurzel

28. Juni 2002 Residenz Theater

 

HERZKASPERLS HER- UND HINRICHTUNG von Jörg Hube

Herzkasperl

8. Januar 2003 Cuvilliés Theater

ab 11. Februar 2006 Residenz Theater

 

KABALE UND LIEBE von Friedrich Schiller

Regie Florian Boesch

Miller

19. Februar 2003 Residenz Theater

 

DIE WÄNDE von Jean Genet

Regie Dieter Dorn

Sir Harold

28. Mai 2003 Residenz Theater

 

PROMINENTENBALL von Georg Ringsgwandl

Regie Georg Ringsgwandl

Manni Deus

19. März 2004 Residenz Theater

 

MASS FÜR MASS von William Shakespeare

Regie Dieter Dorn

Pompejus Sterz

27. Mai 2004 Residenz Theater

 

SUGARDADDY

Parasitäre Satire mit Beatrix Doderer und Jörg Hube

ab 14. Januar 2006 Marstall

 

FLOH IM OHR von Georges Feydeau

Regie Dieter Dorn

Victor-Emmanuel Chandebise

Poche

21. Oktober 2006 Residenz Theater

 

ROMEO UND JULIA von William Shakespeare

Regie Tina Lanik

Capulet

29. Mai 2008 Residenz Theater

 

Preise und Auszeichnungen:

 

1982 Deutscher Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett

1992 und 1993 Adolf-Grimme-Preis

1993 Theaterpreis der Landeshauptstadt München

1996 Deutscher Kabarettpreis Hauptpreis

1997 Prix Pantheon Kategorie Reif & Bekloppt

1999 Schwabinger Kunstpreis Ehrenpreis

2000 Oberbayerischer Kulturpreis

2009 Bayerischer Kabarettpreis Ehrenpreis

 

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