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6. Autorentheatertage Hamburg 2006

vom 23. Mai bis 8. Juni im Thalia Theater und im Thalia in der Gaußstraße.

Die Hamburger Autorentheatertage haben im sechsten Jahr ihres Bestehens im gesamten deutschsprachigen Raum ihren Ruf als eines der führenden Festivals der zeitgenössischen Dramatik gefestigt.

Die Eröffnung

am 23. Mai um 19.30 Uhr im Thalia Theater, Mittelrangfoyer, Eintritt frei

Eröffnung der Autorentheatertage durch die Kultursenatorin Prof. Dr. Karin von Welck und Ulrich Khuon, Intendant. Hubert Spiegel, Leiter des Literaturressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und diesjähriger Juror, stellt die ausgewählten Autoren vor.

im Anschluss um 20 Uhr

ÖFFENTLICHE PROBE: ULRIKE MARIA STUART

von Elfriede Jelinek. Regie Nicolas Stemann

Uraufführung am 28. Oktober 2006, Thalia Theater.

 

Elfriede Jelinek schickt Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in den Ring ihres neuen Stückes. Das, was ist, erscheint beiden falsch, also lassen sie alles zurück. Sie erkämpfen sich Bindungslosigkeit, um sich erneut zu binden. Die eine wird der Kopf, die andere der Arm ihres Kampfes sein. Verhandelt wird die Zeit danach. Jelinek assoziiert Stammheim, das Stuttgarter Gefängnis,

in dem die RAF-Mitglieder schließlich isoliert voneinander einsitzen und auf ihren Prozess warten. Im Zentrum aber steht das Drama der rivalisierenden Königinnen - die auch die Schillersche Maria und Elisabeth sein könnten. Es geht um Macht und weibliche Authentizität. Es geht um Wahn und Einsichten. Und auch ein Mann fehlt nicht, den beide begehren. ‚Ulrike Maria Stuart‘

wäre kein Jelinek-Stück, lägen den Figuren nicht sich widerstrebende Identitäten und Idiome auf den Zungen. Sie sollen uns fremd erscheinen, um uns näher zu kommen. Jenseits der Mythen reaktiviert Jelinek das Beunruhigende der Geschichte. Sie würde das Repolitisierung nennen. Eine Verstörung ist es allemal.

 

PREMIERE IM RAHMEN DER AUTORENTHEATERTAGE

Thalia in der Gauss.strasse:

ABALON, ONE NITE IN BANGKOK von Fritz Kater

Premiere am 27. Mai um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Zwei Deutsche in Bangkok. Der eine, Abalon, ist Comiczeichner, malt Außerirdische, liest Bücher über alte Mythologien und plant seinen Selbstmord. „Schon wieder“, sagt sein Bruder, der zur Tür hereinkommt, ein ehemaliger UN-Soldat zu Besuch, der einst beim Völkermord in Ruanda versagte. Jetzt hat er in Bangkok einen Auftrag. Dann sitzt Abalon auf dem Brückengeländer, bereit zu springen. Neben ihm hält ein Auto, darin zwei thailändische Schwestern, beide verdienen ihr Geld im Nachtclub. Mia, die jüngere, steigt aus und sieht, da er eben springen will, Abalon in die Augen. Von hinten kommt ein weiteres Auto. Ein Crash. Krankenhaus. Mia werden beide Beine amputiert werden. Doch vorher noch einmal tanzen, mit dem Bruder aus Deutschland. Lin, die ältere, nimmt Abalon mit in ihr Apartment. Am nächsten Morgen fliegen die beiden Schwestern nach Deutschland. Abalon geht nach Hause. Dort findet er seinen Bruder. Erschossen am Frühstückstisch. - Entwurzelung und Aufbruch, Verzweiflung und Freiheit, Resignation und Energie, Europa und Asien, Schweiß, Sex, Sehnsüchte, Tod und Alkohol - in ‚Abalon, One nite in Bangkok’ erzählt Fritz Kater (‚Fight City. Vineta’, ‚zeit zu lieben zeit zu sterben’, ‚WE ARE CAMERA/jasonmaterial’) grob schraffiert und mit schnellem Strich eine Geschichte über Heimatlosigkeit jenseits der Kulturen, eine Geschichte von einem Überleben, das Mitleid weder möchte noch braucht. Und wie nebenbei auch eine zart-poetische Liebesgeschichte, die nur im Augenblick existiert. Darin aber ganz und gar.

Regie Armin Petras Bühne und Kostüme Bernd Schneider, Patricia Talacko

Dramaturgie Claus Caesar Video Konny Keller

Es spielen Peter Kurth (Abalons Bruder), Thomas Schmauser (Abalon), Natali Seelig (Lin), Katrin Wichmann (Mia)

Voraufführung am 26. Mai um 20 Uhr

Weitere Vorstellung am 28. Mai um 20 Uhr

 

 

DIE GASTSPIELE IM THALIA Theater:

 

Gastspiel Staatstheater Stuttgart

DOGVILLE von Lars von Trier

Dramatisiert von Christian Lollike. Deutsch von Maja Zade

am 25. Mai um 20 Uhr im Thalia Theater

 

Es war einmal ein kleines Städtchen namens Dogville, der ‚letzte Vorposten der Zivilisation vor den Bergen'. Eine 18-Seelen-Idylle, hingeduckt an den Rand des Gebirges. Dort erschien eines Tages die junge schöne Grace. Sie war auf der Flucht. Und Dogville, das eigentlich den Namen ‚Godville' verdient hätte, gewährte ihr, der Flüchtigen, Zuflucht...

 

So fangen Märchen an, und so beginnt auch die Passionsgeschichte der anmutigen Grace, die nach Dogville kommt, um ein anderes Leben jenseits der Arroganz von Macht und Reichtum zu leben. Sie trifft auf Tom, der sich vorgenommen hat, irgendwann einmal einen Roman zu schreiben und der nebenbei ein aufklärerisch-pädagogisches Projekt verfolgt: die Dogviller Bürger zum ‚richtigen Leben' zu erziehen. Was zum Beispiel heißt: ihnen die Schönheit des Gebens und Nehmens zu offenbaren. Da erscheint die Schutz suchende Grace gerade zur rechten Zeit. Und alles fügt sich von selbst. Grace verschenkt sich voller Hingabe, verströmt ihren Liebreiz, ihre Güte, ihre Großzügigkeit. Die guten Menschen von Dogville bescheren ihr dafür eine Heimat, Familienglück, die Utopie einer intakten Gemeinschaft, in der jeder für den anderen da ist. Doch plötzlich tauchen Vermisstenanzeigen, dann Steckbriefe und zuletzt die Staatspolizei in Dogville auf. Alle Welt außerhalb von Dogville fahndet nach Grace. Die verlockende Himmelsgabe wird zum Stein des Anstoßes, jede Dialektik von Geben und Nehmen ist augenblicklich vergessen. Ohne Wenn und Aber muss Grace den Dogvillern dienen.

 

‚Dogville’ erzählt vom beinahe biblischen Versuch einer jungen Frau, sich bis zur Preisgabe ihrer selbst aufzuopfern. Es ist die Geschichte des Lernprozesses eben dieser Frau, an dessen Ende eine verblüffende Konsequenz steht. Die Theaterversion ‚dogville’ basiert auf dem Drehbuch von Lars von Triers viel diskutiertem gleichnamigem Film, der 2003 mit der Goldenen Palme auf den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wurde.

 

Regie Volker Lösch Bühne und Kostüme Carola Reuther Dramaturgie Beate Seidel Musikalische Einrichtung Dirk Siegel

Es spielen Dorothea Arnold, Zvonimir Anković, Eberhard Boeck, Angelika Böttiger, Elisabeth Findeis, Benjamin Grüter, Gabriele Hintermaier, Sebastian Kowski, Peter Loth, Marietta Meguid, Sebastian Nakajew, Jascha Stiller, Lisa Wildmann, Thomas C. Zell

 

 

Gastspiel Burgtheater Wien

BABEL von Elfriede Jelinek

am 1. und 2. Juni um 20 Uhr im Thalia Theater

„Schauen Sie sich dieses Foto an! Sie finden es unmoralisch wie Sex vor der Ehe, dass dieses Foto gemacht worden ist und uns jetzt an die Netzhaut geworfen wird, als wäre sie ein leerer Fetzen, der alles aufnimmt und alles gleichzeitig durchlässt? Neinnein, Sie vergessen, dass es eine ganz andre Natur ist, die zu dieser Kamera gesprochen hat als die, die direkt zum Auge persönlich spricht.“

 

‚Babel’ ist nach ‚Bambiland’ das zweite Stück von Elfriede Jelinek über den Irakkrieg bzw. darüber, wie dieser sich in den Medien spiegelt und welche Auswirkung diese Spiegelungen auf uns alle haben. Während ‚Bambiland’ zeitgleich mit dem Irakkrieg sozusagen von einem "embedded writer" geschrieben und von Christoph Schlingensief am Burgtheater uraufgeführt wurde, zieht ‚Babel’ die geistige Bilanz der Nachkriegszeit. In drei Texten geht Jelinek den Nachwehen und Nachwirkungen des Krieges auf unser aller Bewusstsein nach. Ihr jüngster Theatertext ist keiner, der sich im verkürzenden, tagespolitischen Sinne mit dem Irakkrieg beschäftigt, sondern die Ereignisse in Falludscha und Abu Ghraib zum Ausgangspunkt für eine kulturelle und anthropologische Reise in die Abgründe der Menschheit und die Verflechtung von Gewalt, Sexualität und Religion in unserer Zivilisation macht. Der erste Teil von "Babel" beschäftigt sich mit dem Niedergang unserer an Vaterbildern orientierten Kultur, die sich mit der Wiederkehr archaischer Kannibalismen auseinandersetzen muss. Im zweiten Teil geht es um die Familie und das besondere Mutter-Sohn-Verhältnis, das offenbar mit Schuld an den Barbareien der Gegenwart ist, der dritte und längste Teil schließlich fragt sich, wie weit wir alle durch die medialen Bilder von Kriegen und Katastrophen so abgestumpft und immunisiert sind, dass das klassische Repertoire humanen Reagierens, das ohne Kategorien wie Furcht und Mitleid nicht denkbar ist, sich selbst abgeschafft hat.

 

Regie Nicolas Stemann Bühne Katrin Nottrodt Kostüme Esther Bialas Licht Werner Chalubinski Musik Thomas Kürstner/Sebastian Vogel Trickfilm Hanna Hollmann Dramaturgie Joachim Lux

 

Es spielen Sachiko Hara, Barbara Petritsch, Myriam Schröder, Philipp Hauß, Markus Hering, Philipp Hochmair, Rudolf Melichar, Hermann Scheidleder

Musiker Thomas Kürstner/Sebastian Vogel Puppenspiel Angelika Höckner/Hanna Hollmann

 

Eintritt 42 / 32 / 27 / 16 Euro, ermäßigt 7,50 Euro

Kartentelefon 040.32 81 44 44 | www.thalia-theater.de

 

Gastspiel Münchner Kammerspiele

DUNKEL LOCKENDE WELT von Händl Klaus

am 4. Juni um 20 Uhr im Thalia Theater

Das neue Stück des österreichischen Autors Händl Klaus untersucht die Oberfläche und die darunter verborgenen Abgründe. Mit der manischen Reinigung der Oberfläche bzw. ihrer Wohnung ist die junge Ärztin Corinna Schneider bei ihrem Auszug beschäftigt. Ihr Vermieter Joachim Hufschmied trifft sie beim Putzen an und verwickelt sie in ein Gespräch über ihr Reiseziel Peru, die Konversation mäandert aber über Leben und Tod, die Trauerrituale der Einheimischen - Hufschmieds Mutter verstarb erst kürzlich - und fremder Völker in Finnland und Madagaskar bis zum Verschwinden von Corinnas Schweizer Freund Marcel. Unter der Oberfläche des Dialogs schillern Untiefen, die Beschäftigung mit Tod und Sterben scheint auf beiden Seiten exzessiv. Hufschmieds forschende Neugier findet schließlich ein Überbleibsel, das Corinnas Putzsucht entgangen ist: eine menschliche, kleine Zehe. Corinna sucht verzweifelt Zuflucht bei ihrer Mutter Mechthild, doch dort trifft sie weder auf Zuwendung noch Verständnis. Der sezierende Blick der besessenen Biologin analysiert zwar die vitalen Prozesse der Photosynthese, das Leben und die Probleme ihrer Tochter liegen aber außerhalb ihres Blickfeldes. Und doch überrascht Hufschmied Mechthild im dritten Akt in Corinnas alter Wohnung, als sie nach einer peruanischen Totenmaske sucht. Sie erzählt Hufschmied, der das ererbte Haus mittlerweile völlig hat einreißen lassen - Durchbrüche und Treppen sollen Licht ins alte Gemäuer bringen - von einem tödlichen Unfall Corinnas.

Was letztlich in diesem Gestrüpp aus Phantasien und erfundenen Geschichten der Wahrheit entspricht, ist nicht ausfindig zu machen. Die gleißende Helle, die lichtvolle Harmlosigkeit scheinbar offen zutage liegender Lebensläufe überblendet verborgene schwarze Flecken, verdeckt eine dunkel lockende Welt.

Der österreichische Autor, Filmschauspieler und Drehbuchautor Händl Klaus, 1969 als Klaus Händl in Tirol geboren, wurde für sein Stück ‚Wilde oder der Mann mit den traurigen Augen' 2004 in Theater heute zum „Nachwuchsautor des Jahres“ gewählt.

 

Regie Sebastian Nübling Bühne und Kostüme Muriel Gerstner Musik Lars Wittershagen Licht Max Keller Dramaturgie Marion Hirte

Es spielen Gundi Ellert, Jochen Noch, Wiebke Puls

 

 

Gastspiel Münchner Kammerspiele

DIE ZEHN GEBOTE

nach den Geschichten und Filmen „Dekalog 1-10“ von Krzysztof Kieslowski und Krzysztof Piesiewicz. Fassung von Koen Tachelet. Aus dem Polnischen von Beate Procowska

am 6. und 7. Juni um 19 Uhr im Thalia Theater

Ein Gebot zu erlassen, beinhaltet auch immer die Möglichkeit, es zu überschreiten. Die Freiheit des Menschen ist auch immer die Wahl zwischen „Gut und Böse“.

 

Der polnische Filmregisseur Krzysztof Kieslowski geht in seinem Film ‚Dekalog’ von einer Welt ohne Gebote aus - Polen in der Mitte der 80er Jahre - und beschreibt eine Welt ohne Gebote, aber auch ohne Liebe. Zehn Gebote in zehn Erzählungen über ganz normale Menschen. Auf der Suche nach Liebe übertreten sie meistens unbewusst eines der Zehn Gebote. Über zwanzig Jahre nach dem Entstehen des Dekalog stellen sich uns noch einmal andere Fragen, die auch mit uns heute zu tun haben. Die Welt hat sich radikal verändert. Das postmoderne Spiel mit moralischen Begriffen hat sich in einen erbitterten Streit um die Wahrheit gewandelt, die Wahrheit von politischen, religiösen und kulturellen Werten. Mit moralischen und religiösen Argumenten werden Kriege begonnen, Selbstmordattentate geplant, Angst produziert. Wir leben in dem Paradox, dass Religion wieder die Weltpolitik bestimmt, aber wir in unserem privaten Leben moralischen Kategorien und religiösen Fragen zutiefst misstrauen. Die Zehn Gebote "spielen" bedeutet vielleicht dieses Paradox zu zeigen.

 

Krzysztof Kieslowski, 1941-1996, galt als einer der bedeutendsten Filmregisseure Polens und wurde international mit Preisen ausgezeichnet. Besonders bekannt ist seine Trilogie ‚Drei Farben: blau, rot, weiß’.

Krzysztof Piesiewicz, geboren 1945, lebt als Rechtsanwalt und Drehbuchautor in Warschau.

 

Regie Johan Simons Bühne Bert Neumann Kostüme Nina von Mechow Dramaturgie Koen Tachelet, Barbara Mundel Licht Max Keller

Es spielen Stephan Bissmeier, Marion Breckwoldt, Peter Brombacher, Robert Dölle, Gundi Ellert, Paul Herwig, Julia Jentsch, André Jung, Nina Kunzendorf, Wolfgang Pregler, Katharina Schubert, Sebastian Weber

 

 

DIE GASTSPIELE IM THALIA IN DER GAUSS.STRASSE

 

Theater Basel

DIE SCHÖPFER DER EINKAUFSWELTEN

Quasi-maoistisches Lehrstück nach dem Dokumentarfilm von Harun Farocki

am 24. und 25. Mai um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

„Ich kaufe, also bin ich“ heißt die Maxime der Wohlstandsgesellschaft, deren Mythos und Realität Tom Kühnel und Jürgen Kuttner mit scharfsinniger Satire entlarven: Impulskäufe, Investorenentscheidungen, Nutella- oder Klobürste - alles ist nur eine Frage des richtigen Marketings, und das kommt ja bekanntlich aus dem kommunistischen China!

 

Ausgehend vom Rohmaterial des Dokumentarfilmers Harun Farocki führt das Ensemble um Jürgen Kuttner und die Puppenkünstlerin Suse Wächter vom „PR-Profi Mao“ bis zum eigenen alltäglichem Konsumrausch durch die „Einkaufswelten“ und liefert dabei bestes Marketing in Sachen Konsumkritik. Nach „Jasagen und Neinsagen“ am Thalia Theater der neueste Streich von Kühnel und Kuttner!

 

Fassung Tom Kühnel und Jürgen Kuttner Realisation Tom Kühnel Bühne Katrin Hofmann Kostüme Marysol Del Castillo Puppen Suse Wächter Video Jeanne Rüfenacht Dramaturgie Andrea Schwieter

 

Es spielen Urs Bihler, Jürgen Kuttner, Katja Reinke, Thomas Reisinger, Suse Wächter, Xinghua Zhu

 

 

Theater Espaço Os Satyros, São Paulo, Brasilien

A Vida na Praça Roosevelt (Das Leben auf der Praça Roosevelt)

von Dea Loher

am 29. und 30. Mai um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Mit dem Auftrag, ein Stück über die Mega-Metropole São Paulo zu schreiben, reiste die deutsche Dramatikerin nach Brasilien, lebte dort und schrieb. Herauskam das Stück ‚Das Leben auf der Praça Roosevelt’, inszeniert von Andreas Kriegenburg, eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen und für eine Gastspielreise gleichsam re-importiert nach Brasilien. Jetzt kommt die brasilianische Theatergruppe ‚Espaço Os Satyros’ mit ihrer Version zum Gegenbesuch, einer Inszenierung zwischen Alltag und Alptraum.

 

Regisseur Rodolfo Vázquez spürt den tief verzweifelten Heiterkeiten in Dea Lohers Text nach. So weltzugewandt und heiter wie in diesem Stück artikulierte die Autorin noch nie ihre Sehnsucht nach Moral und Liebe in einer lieblosen, unmoralischen Zeit.

 

 

Nationaltheater Mannheim/Nationaltheater Weimar

Wallenstein - EINE DOKUMENTARISCHE INSZENIERUNG

von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)

am 3., 4. und 5. Juni, jeweils um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Haug/Wetzel haben Schillers „dramatisches Gedicht“ durchkämt. Sie verteilten Reclam-Hefte auf „des Lebens Bühne“ der beiden Städte an Leute, die den Stoff höchstens noch aus der Schule kannten und baten sie, nachzuschauen: Was hat das mit Dir zu tun? Wie sieht eine heutige Entsprechung der „Frau im Hintergrund“ wie der Gräfin Terzky aus? Und für welche Ideale sind junge Männer heute bereit, in den Tod zu gehen? Rimini Protokoll vertauschen den „höhern Schauplatz“ mit des „Bürgerlebens engem Kreis“: Wo ereignet sich Gefolgschaft in Mannheim und Weimar heute, und wo Befehlsverweigerung?

 

Zwischen Mannheimer Ruinen und Vietkong stellen „Experten für Wirklichkeit“ die ewigen Fragen nach den Spielregeln der Macht - und dem politisch korrekten Lieblingsessen. Gleichermaßen klug und erschreckend, gereicht die dokumentarische Inszenierung mit Laiendarstellern und maximal 50 Zeilen Originaltext, Schiller zu allen Ehren. Eine paradigmatische Form der Theaterrecherche mit Geschichten, die das Leben schreibt: Rimini Protokoll zeigt „theatre and politics at it’s best“ (taz). - Eingeladen zum Berliner Theatertreffen!

 

Rimini Protokoll

Helgard Haug und Daniel Wetzel arbeiten in wechselnden Konstellationen seit 2002 unter dem Namen Rimini Protokoll als „Protagonisten und Begründer eines neuen Reality Trends auf den Bühnen“ (Theater der Zeit). Ihre Arbeiten finden in der Grauzone zwischen Realität und Fiktion statt und haben international Aufmerksamkeit erregt. U.a. Volksbühne Berlin ‚Apparat Berlin’ (2001), Theater Bonn ‚Markt der Märkte’ (2003/2004), Athen ‚Hot Spots’ (2004), Deutsches Schauspielhaus Hamburg ‚Deadline’ (2004; Einladung zum Berliner Theatertreffen).

 

Regie Helgard Haug, Daniel Wetzel Ausstattung Judith Kehrle Dramaturgie Imanuel Schipper

Wallenstein-Experten: Dave Blalock (Vietnam-Veteran, Antikriegsaktivist), Wolfgang Brendel (ehemaliger Oberkellner im Hotel „Elephant“), Friedemann

 

Gaßner (Elektromeister und Schiller-Fan), Ralf Kirsten (Stellv. Leiter einer Polizeidirektion in Thüringen), Robert Helfert (Stadtamtsrat a.D. und ehemaliger Luftwaffenhelfer), Rita Mischereit (führt eine Partnerschaftsagentur), Dr. Sven-Joachim Otto (Richter, Stadtrat in Mannheim), Esther Potter (geprüfte Astrologin, DAV), Hagen Reich (ehemaliger Bundeswehr-Offiziersanwärter), Darnell Stephen Summers (Vietnam-Veteran, Musiker) Auf Video: Carsten Südmersen (Fraktionsvorsitzender CDU Mannheim), Prof. Martin Weber (Lehrstuhl für ABWL und Finanzwirtschaft, Universität Mannheim)

 

 

schauspielhannover

Der Chinese im Kinderbett

von Schorsch Kamerun

am 7. und 8. Juni um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Schorsch Kamerun als Mitbegründer des ‚Golden Pudel Klub’ ist Kult, und seine Theaterarbeiten sind so etwas wie die Wiedergeburt des sozialen Engagements durch den Trash. In seinem neuesten Stück treibt er die Selbstverwertung und das Eventmanagement von Städten und Menschen, die um Aufmerksamkeit und ums Überleben kämpfen, auf die absturzgefährdete Spitze. Ein junges Mädchen kommt in eine Großstadt und verkauft sich nach allen Regeln der globalisierten Welt. Ein Abend voller Wut, Witz und Widersinn.

 

Schorsch Kamerun ist Regisseur, Musiker und Autor aus Hamburg. Seit 20 Jahren veröffentlicht er mit der legendären Hamburger Punk-Band ‚Die Goldenen Zitronen’ Platten, ist als Solokünstler unterwegs und Mitbegründer des popkulturell stilbildenden ‚Golden Pudel Klub’ in Hamburg. Seit Ende der neunziger Jahre arbeitet Kamerun als Theaterregisseur und zeigte bisher Arbeiten am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Schauspielhaus Zürich, an der Volksbühne Berlin, bei der Ruhr-Triennale, den Ruhrfestspielen und den Wiener Festwochen. Seine Inszenierungen sind pointierte, oft scharfe Zuspitzungen. Teils revueartig, teils opernhaft und teils dem Melodram verwandt, hat er für seine Abende eine eigene Form gefunden. Die Mischung, die daraus entsteht, ist bunt, ist klug und durchaus böse. Kamerun arbeitet mit Witz und Wut an aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen, in seiner Zürcher Arbeit ‚Macht fressen Würde’ ging es zum Beispiel um den zunehmenden Rechtspopulismus in der Schweiz.

 

Regie Schorsch Kamerun Bühne Constanze Kümmel Kostüme Marysol del Castillo Musik Jonas Landerschier Choreographie Angelina Schumacher Video Eva Könnemann Dramaturgie Beate Heine

 

Es spielen Mila Dargies, Susanne Jansen, Daniel Lommatzsch, Matthias Neukirch, Jacques Palminger, Jens Rachut u.a.

 

AUSSERDEM

 

Elfriede Jelinek - Ein Porträt

Lesung aus dem Buch von Verena Mayer und Roland Koberg

am 31. Mai um 20.30 Uhr im Thalia Theater

Mit Maren Eggert, Peter Jordan und den Autoren

 

 

OPEN MIKE

Die ausgewählten Autoren stellen sich vor

am 28. Mai um 18 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

 

 

Z

von Nino Haratischwili

am 1. und 2. Juni jeweils um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Kaum begegnet - wieder fortgedrängt,

Ich senk meine Stirn in die Hände

Und schau in die Nacht und denk:

Keiner, mag er in unsern Briefen graben,

Könnte es verstehen bis zuletzt,

Wie sehr wir treulos sind, will sagen:

Wie sehr wir treu sind - nur uns selbst.

(Marina Zwetajewa, Oktober 1913)

Regie Nino Haratischwili Bühne Silke Rudolph Kostüme Gunna Meyer

Es spielen Nadine Nollau und Jacob Weigert

 

 

IM RAHMEN DER AUTORENTHEATERTAGE ZEIGT DAS THALIA THEATER

UNSCHULD von Dea Loher

am 27. Mai um 19.30 Uhr im Thalia Theater

Regie Andreas Kriegenburg Bühne Julia Krenz Kostüme Andrea Schraad Musik Philipp Haagen Dramaturgie Michael Börgerding

Es spielen Leila Abdullah, Christoph Bantzer, Clemens Dönicke, Pia Hansen, Hans Löw, Helmut Mooshammer, Doreen Nixdorf, Verena Reichhardt, Claudia Renner, Markus Reymann, Stephan Schad, Angelika Thomas, Victoria Trauttmansdorff

 

PROTECTION von Anja Hilling

IN EINER MONDHELLEN WINTERNACHT von Lothar Kittstein

Der Erfolg der Autorentheatertage 2005

zum letzten Mal am 30. Mai um 20 Uhr im Thalia Theater

Protection

Regie Andreas Kriegenburg Ausstattung Bettina Schürmann Dramaturgie Christine Ratka

Es spielen Anna Blomeier, Andreas Döhler, Paula Dombrowski, Jörg Koslowsky, Asad Schwarz-Msesilamba, Thomas Schmauser

 

In einer mondhellen Winternacht

Regie David Bösch Ausstattung Julia Borchert Dramaturgie Michael Börgerding

Es spielen Daniel Hoevels, Katrin Wichmann

 

DAS LEBEN AUF DER PRAÇA ROOSEVELT von Dea Loher

zum letzten Mal am 31. Mai um 20 Uhr im Thalia in der Gaußstraße

Regie Andreas Kriegenburg Bühne Thomas Schuster Kostüme Thomas Schuster/Andreas Kriegenburg Musik Laurent Simonetti

Es spielen Judith Hofmann, Hans Löw, Peter Moltzen, Markwart Müller-Elmau, Verena Reichhardt, Natali Seelig

 

Die Lange Nacht der Autoren

am 8. Juni ab 19.30 Uhr im Thalia Theater

Werkstattinszenierungen der ausgewählten Autoren

 

Die Autorentheatertage 2006 werden von der ZEIT-STIFTUNG Ebelin und Gerd Bucerius, der HypoVereinsbank, der Hamburgischen Kulturstiftung und Holger Cassens ermöglicht und von der Berenberg Bank Stiftung mit einem Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses ausgezeichnet.

 

 

Kartentelefon 040.32 81 44 44 | www.thalia-theater.de

 

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