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"Amerika (Der Verschollene)" von Franz Kafka im Theater Bern

Premiere Sa, 17. Dezember 2016, 19:30 Uhr, Vidmar 1. -----

Kaum von seinem Vater nach New York verschifft, gerät der junge Prager Karl Rossmann von einer rätselhaften Situation in die nächste: Sein Onkel expediert ihn aufs Land, wo dessen Freund Pollunder ihn mit Tochter Klara bekannt macht, ihn aber mit Hilfe eines Herrn Green gleich wieder vor die Tür setzt; dort fällt Rossmann Delamarche und Robinson in die Hände, die seine Gefährten sein wollen, ihn aber nur verraten und betrügen.

 

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschickten Familien des gehobenen europäischen Bürgertums, deren männliche Sprösslinge sich nicht nach den Gepflogenheiten richteten, diese gerne nach Amerika – aus Scham oder in der Hoffnung, dass die dortige Realität sie zur Raison bringen möge. So geschieht es auch Karl Rossmann, der von seinem Vater zu dessen Bruder nach New York expediert wird.

 

Doch bereits auf dem Schiff kommt es zu merkwürdigen Begegnungen, und Rossmann gerät in ständig wechselnden Situationen an rätselhafte Leute: Vom Onkel zu dessen Freund Pollunder gesandt, fällt er erst in die Hände von Herrn Green, dann von Delamarche und Robinson, die seine Gefährten sein wollen, ihn aber nur verraten und betrügen; als er sich in ein Hotel rettet, wird er vom Liftboy zum

Privatsklaven einer verrückten Opernsängerin, bis er auf einmal im «grossen Theater von Oklahoma» landet.

 

Amerika (Der Verschollene) ist der unvollendete und erste der drei Romane Kafkas. Er war stark vom damals immer populärer werdenden Kino beeinflusst und nutzte dessen Bewegungs- und Wahrnehmungsbilder besonders für sein Romanfragment Der Verschollene. Die Räume Rossmanns fliessen buchstäblich ineinander über, in filmischer Schnitttechnik wechseln Erzählbilder einander ab.

 

Erstmals am Konzert Theater Bern nimmt sich Regisseur Ueli Jäggi dieser grotesken Odyssee eines zwischen sozialen Skurrilitäten und maschineller Beschleunigung langsam verschollen gehenden Menschen an.

 

Ueli Jäggi

Geboren in Olten. Nach einem Studium der Germanistik, Romanistik und Geschichte besuchte er die Schauspiel-Akademie in Zürich. Seine ersten Engagements hatte er am Theater der Jugend in München und am Nürnberger Schauspielhaus. Es folgten das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg und die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In den 90er Jahren spielte er am Theater Basel, wo er Christoph Marthaler kennenlernte, mit dem ihn seitdem eine regelmässige Zusammenarbeit verbindet, zuletzt für die Produktionen +-0, die 2011 in der grönländischen Hauptstadt Nuuk entstand, sowie Das Weisse vom Ei und Isoldes Abendbrot am Theater Basel, Glaube Liebe Hoffnung an der Volksbühne

Berlin und Schauspielhaus Hamburg. Von 2000 bis 2004 gehörte er fest zum Ensemble des von Christoph Marthaler geleiteten Schauspielhaus Zürich, wo er u. a. in Frank Castorfs Inszenierung von

Döblins Berlin Alexanderplatz zu sehen war.

 

2001 wurde er zum Schauspieler des Jahres gewählt und erhielt 2004 und 2006 den Deutschen Hörbuchpreis für seine Lesungen von Melvilles Bartleby der Schreiber und Gogols Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen. Seit 2008 spricht er den Kriminaloberrat Xaver Finkbeiner im SWR-RadioTatort der ARD. Ueli Jäggi ist in verschiedenen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen, z.B. in Grounding: The Last Day of Swissair (2006, Regie: Michael Steiner), Marmorera (2006, Regie: Markus Fischer), Sennentuntschi (2009, Regie: Michael Steiner) und im neuen Tatort Schmutziger Donnerstag (2012, Regie: Dani Levy) und DER KREIS von Stefan Haupt, AKTE GRÜNINGER von Alain Gsponer und dem neuen Werk von Fredi Murer LIEBE UND ZUFALL. Seit 2000 steht er als Dr. Aurino in Commissario Brunetti vor der Kamera.

 

Seit 2004 ist er freischaffend tätig als Schauspieler und Regisseur. Am Luzerner Theater inszenierte er die schweizerdeutsche Fassung von Das Ende vom Anfang von Sean O’Casey, Friedrich Dürrenmatts Das Versprechen, Der Gehülfe nach dem Roman von Robert Walser und In Amrains Welt. Auf der

Suche nach der wiedergefundenen Zeit nach Texten von Gerhard Meier und Tschechows Onkel Wanja.

 

Regie Ueli Jäggi

BühneWerner Hutterli

Kostüme Gerti Rindler-Schantl

Musik Martin Schütz

Video Lisa Böffgen

Dramaturgie Sophie-Thérèse Krempl

 

Karl Rossmann Philippe Graber

Heizer / Herr Green / Oberkellner / Student Nico Delpy

Onkel / Oberportier Jürg Wisbach

Kapitän / Herr Pollunder / Robinson Jonathan Loosli

Schubal / Mack / Delamarche Gabriel Schneider

Kassierer / Klara / Therese / Chauffeur Mariananda Schempp

Alter Diener / Oberköchin / Eine Frau / Brunelda Milva Stark

Kellner / Giacomo / Polizist Statisterie

 

Weitere Vorstellungen 22.*, 28., 31. Dez

2016 | 08., 15. Jan | 01. Feb | 09. Mrz | 01., 30. Apr | 12. Mai 2017 | * Einführung

30 Min vor der Vorstellung

 

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