Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Antonín Dvořák: "Rusalka" - Staatsoper HannoverAntonín Dvořák: "Rusalka" - Staatsoper HannoverAntonín Dvořák:...

Antonín Dvořák: "Rusalka" - Staatsoper Hannover

Premiere Samstag, den 26.09.2015, 19.30 Uhr. -----

Es ist die Geschichte einer unglück­lichen, ja einer unmöglichen, und dennoch bedingungslosen Liebe zwi­schen zwei Wesen, die sehr verschie­denen und unvereinbaren Welten ange­hören: Sie ist ein Wasserwesen, er ein Prinz. Um mit dem Geliebten zusammen sein zu können, verlässt Rusalka ihr feuchtes Element und erhält menschliche Gestalt.

Doch diese Verwandlung hat einen hohen und folgenschweren Preis: Rusalka wird in der menschlichen Welt keine Sprache haben. Die Schweigsam­keit und Fremdartigkeit Rusalkas irritiert den Prinzen, der sich von ihr unverstan­den fühlt und dem Werben einer ande­ren Frau erliegt. Zu spät erkennt der Prinz die Liebe der nun heimatlos ge­wordenen Rusalka und empfängt ihren todbringenden Kuss.

 

Das märchenhafte Motiv der Wasserfrau, die ihrem Element entsteigt, um mensch­liche Liebe zu gewinnen, ist in vielen Kulturen in mannigfacher Form verbreitet und hat immer wieder Dichter und Musi­ker inspiriert. Auch Antonín Dvořák und sein Textdichter Jaroslav Kvapil haben sich in der 1901 in Prag uraufgeführten Oper »Rusalka« auf mehrere Quellen ge­stützt, wie auf Hans Christian Andersens »Die kleine Seejungfrau«, Friedrich de la Motte-Fouqués »Undine« und Gerhart Hauptmanns »Versunkene Glocke«. Die Bezeichnung »Lyrisches Märchen«, die die Autoren ihrem Werk gegeben haben, hat den Interpretationsrahmen der Oper lange Zeit bestimmt. Auch das übrige Personal mit Wassermann, Hexe und Elfen und Schauplätze wie der mondbeschienene Wald und das Schloss entsprechen der Gattung des Märchens.

 

Doch in der differenzierten Charakteri­sierung der Titelfigur geht die Oper weit über Märchenhaftes hinaus und markiert den Übergang von der Märchenoper zum symbolistischen Musikdrama. Rusalka ist nicht nur ein Fabelwesen, denn sie er­scheint als die liebende Frau, die die Unmöglichkeit ihrer Liebe schmerzlich reflektiert und in der Ausweglosigkeit ihres Konflikts tragische Größe gewinnt. Die Märchenallegorie öffnet sich somit der Darstellung eines individuellen Schicksals, und die Sprachlosigkeit Rusalkas in der Welt des Prinzen ist die Metapher für die unüberbrückbare Kluft zwischen Gesellschaft und Natur, zwi­schen dem Wort und dem namenlosen Gefühl, zwischen Zeitlichkeit und Ewig­keit.

 

Rusalka war Dvořáks nachhaltigster Erfolg als Opernkomponist, mit dem er 35 Jahre nach der Uraufführung von Smetanas »Verkaufter Braut«maßgeblich zur Etablierung einer tschechischen Nationaloper beitrug. Zwar steht das Werk in vielen Momenten noch unter dem Einfluss Richard Wagners. Gleich­wohl besitzt Dvořáks Musik einen unver­kennbar tschechischen Tonfall, dessen Leidenschaftlichkeit und Farbenpracht bereits auf die Klangsprach Leoš Janáčeks vorausweist.

 

Lyrisches Märchen in drei Akten (1901)

Libretto von Jaroslav Kvapil

In tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

Musikalische Leitung

Anja Bihlmaier

Inszenierung

Dietrich W. Hilsdorf

Bühne

Dieter Richter

Kostüme

Renate Schmitzer

Licht

Elana Siberski

Choreinstudierung

Dan Ratiu

Dramaturgie

Klaus Angermann

Besetzung

 

Prinz

Andrea Shin

Fremde Fürstin

Brigitte Hahn

Rusalka

Sara Eterno

Wassermann

Tobias Schabel

Hexe

Khatuna Mikaberidze

Heger

Stefan Adam

Küchenmädchen

Mareike Morr

Erste Elfe

Athanasia Zöhrer

Zweite Elfe

Hanna Larissa Naujoks

Dritte Elfe

Julie-Marie Sundal

Ein Jäger

Matthias Winckhler

 

Chor der Staatsoper Hannover

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

 

Termine:

26.09. (Premiere), 01.10., 11.10. (Beginn 16 Uhr), 18.10. (Beginn 16 Uhr); 27.10., 20.11.15, 09.01., 11.02., 14.02. (Beginn 18.30 Uhr), 17.02.; Beginn jeweils 19.30 Uhr, wenn nicht anders angegeben.

 

Karten

telefonisch unter (0511) 9999 1111, im Internet unter www.oper-hannover.de, an den Tageskassen in Opern- und Schauspielhaus sowie 1 Stunde vor Vorstellungs-beginn an der Abendkasse.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑