Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Bertolt Brechts Lehrstück „Der gute Mensch von Sezuan“ im Theater BremenBertolt Brechts Lehrstück „Der gute Mensch von Sezuan“ im Theater BremenBertolt Brechts...

Bertolt Brechts Lehrstück „Der gute Mensch von Sezuan“ im Theater Bremen

Premiere am 8. Oktober 2016 um 19 Uhr im Theater am Goetheplatz. -----

Drei Götter erscheinen dem Wasserverkäufer Wang: Sie fordern ihn auf, ihnen einen guten Menschen zu zeigen, der ihnen Unterkunft gewährt. Nur die Prostituierte Shen Te erklärt sich dazu bereit, die Fremden für eine Nacht aufzunehmen.

Das ist heikel, denn der Beschluss der Götter lautete, dass die Welt nur weiter bestehen darf, wenn sich genug gute Menschen finden lassen. Für Shen Te, von den Göttern auserwählt und reich entlohnt, beginnt ein Hürdenlauf: Der Armut entkommen, gilt es, der gute Mensch zu bleiben, der sie ist, in einer kapitalistischen Welt, in der die Gemeinschaft um sie herum ihre Hilfsbereitschaft gnadenlos ausnutzt. Wofür lohnt es sich zu kämpfen in einer Welt, in der ‚Gutmensch‘ ein Schimpfwort ist? Was ist verwerflich und naiv an der Idee, „gut zu sein und doch zu leben“?

 

Wie kann man gut sein in dieser Zeit? Wer ist gut und wer nicht? Was bedeutet es denn überhaupt, dieses kleine Wörtchen gut? Alize Zandwijk, seit Beginn dieser Spielzeit leitende Schauspiel-Regisseurin am Theater Bremen, geht in ihrer mittlerweile fünften Bremer Arbeit diesen Fragen nach.

Als Shen Te, die als „guter Mensch“ den Göttern eine Unterkunft anbietet und die sich in ihrer Not in den skrupellosen Kapitalisten Shui Ta verwandelt, sind mit Fania Sorel und der aktuellen Kurt-Hübner-Preisträgerin Nadine Geyersbach gleich zwei Schauspielerinnen zu erleben. Wie in Zandwijks bisherigen Bremen Arbeiten ist auch „Der gute Mensch von Sezuan“ ein großes Ensemblestück, in dem neben den Genannten auch Martin Baum, Peter Fasching, Guido Gallmann, Gabriele Möller-Lukasz, Verena Reichhardt, Susanne Schrader, der zweite aktuelle Kurt-Hübner-Preisträger Alexander Swoboda, Simon Zigah sowie Musiker Beppe Costa mitwirken.

 

Brecht schrieb seine Parabel, die als Musterbeispiel für sein episches Lehrtheater gilt, in verschiedenen Phasen zwischen 1930 und 1942. Uraufgeführt wurde es 1943 in Zürich.

 

Die belgische Schauspielerin Fania Sorel, die bereits in „Eine Familie“ eine der Hauptrollen spielte und die mit Alize Zandwijk vom Ro Theater nach Bremen gewechselt ist, sagt über ihre Regisseurin: „Bei den meisten Regisseuren ist das Theater einfach nur da, man sieht etwas. Bei Alize fühlt man etwas – sie gibt dem Publikum die Empathie, um mitzufühlen. Das macht es so besonders, mit ihr zu arbeiten, und das liebe ich an ihr.“ Und über die aktuelle Arbeit: „Ich hoffe, dass jeder Mensch beim Verlassen des Theaters darüber nachdenkt, wie er selbst die Fragen beantwortet, die das Stück stellt. Und wie er sich selbst dazu verhält.

 

Alize Zandwijk wurde 1961 in den Niederlanden geboren. Mit 18 Jahren begann sie ihr Regiestudium an der Theaterakademie in Kampen, wirkte zunächst in kleinen Theatergruppen in der Off-Szene mit und errang in den späten 1980ern überregionale Aufmerksamkeit mit einer Reihe von Jugendtheater-Inszenierungen. 1998 bildete sie mit Guy Cassiers die künstlerische Leitung des Rotterdamer Ro Theater, für deren gemeinsame Arbeit sie 2002 den Albert-van-Dalsum-Award erhielten. Zandwijks Inszenierungen am Ro Theater gastierten unter anderem bei den Wiener Festwochen, dem Edinburgh Festival, den Theaterformen in Hannover, dem Holland Festival TF-1 sowie den Autorentheatertagen Hamburg. Im Mai 2006 wurde sie Künstlerische Direktorin des Ro Theater. Seit 2003 inszeniert sie regelmäßig in Deutschland, unter anderem am Thalia Theater und am Deutschen Theater Berlin. Am Theater Bremen gab sie in der Spielzeit 2012/13 ihr Debüt mit Dea Lohers „Das Leben auf der Praça Roosevelt“, es folgten Anton Tschechows „Der Kirschgarten“ und Arne Sierens „Mädchen und Jungen“. Seit dieser Spielzeit bekleidet sie zudem den Posten der Leitenden Regisseurin.

 

Regie: Alize Zandwijk

Bühne: Thomas Rupert

Kostüme: Sabine Snijders

Musik: Beppe Costa

Dramaturgie: Marianne Seidler

 

Mit:

Martin Baum, Beppe Costa, Peter Fasching, Guido Gallmann, Nadine Geyersbach, Gabriele Möller-Lukasz, Verena Reichhardt, Susanne Schrader, Fania Sorel, Alexander Swoboda, Simon Zigah

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑