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Das Wiener GUSTAV MAHLER-PROJEKT »Von der Liebe Tod« - Wiener Staatsoper

Premiere am 29. September 2022, 19.00 Uhr

Obwohl Gustav Mahler zehn Jahre lang Direktor der Wiener Hofoper war – sein Amtsantritt jährt sich heuer zum 125. Mal – obwohl er pro Spielzeit meist über 100 Opernabende am Haus selbst dirigierte und sein Leben eindeutig dem Genre gewidmet hat, hinterließ er selbst keine Oper.

 

Copyright: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn (Portrait Gustav Mahler)

Die Wiener Staatsoper wird nun, als erste Premiere der neuen Spielzeit, zwei seiner Werke, sein Opus 1, Das klagende Lied, gemeinsam mit den Kindertotenliedern zu einem szenischen Abend, zu einer »Oper« zusammenfassen.

Es scheint paradox. Doch leider ist es so: Der bis in die innerste Faser seines Daseins vom Theater durchpulste Gustav Mahler, der einen entscheidenden Teil seines Lebens höchst produktiv mit und in Opernhäusern verbracht hatte, schrieb keine Oper. Nicht, dass es nicht Anläufe gegeben hätte: sehr früh schon und mehrfach wandte er sich dem Musiktheater zu, experimentierte etwa recht lange (wenn auch ohne Erfolg) mit einer Rübezahl-Oper oder dem Argonauten-Thema, um dann letztlich alle diesbezüglichen Pläne zu verwerfen.

Immerhin war er als Bearbeiter tätig, so kittete er Die drei Pintos, Carl Maria von Webers Opernfragment, mit sehr viel Eigenem zu einem geschlossenen, fertigen Werk, das mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Ebenso scheute er sich nicht, in seinen vielfältigen Wirkungskreisen an diversen Opernhäusern als Bearbeiter in Werke anderer Komponisten einzugreifen. Nicht vergessen darf man natürlich seine großen Theaterreformen, die zu einem gänzlich neuen Erleben und Verstehen, zu einer umfassend neuen ästhetischen Wahrnehmung führten.

Mit anderen Worten: Mahler verstand sich aufs Theater wie wenig andere zu seiner Zeit, und das als Organisator, Denker, Regisseur – und als einer der allergrößten Dirigenten der Musikgeschichte. Wo er Funken schlug, dort brannte es bald lichterloh, so berichten euphorische Zeitgenossen vom Theatergenie. Kaum ein anderer konnte aus Künstlerinnen und Künstlern so viel herausholen wie er, solche Sternstunden platzieren. Und doch: Keine eigene Oper. Wie hätte sie geklungen, welche Wirkung hätte sie gehabt? Wir können nur mutmaßen und träumen.

Dieser Traum wird bei der ersten Premiere der Spielzeit konkret, die sich einem neuen Mahler-Opernprojekt widmet. Also doch? Ist mit großer Verspätung, auf einem Dachboden oder in einem Archiv, ein Sensationsfund gelungen und das ersehnte Werk aufgetaucht? Das nicht. Doch kreieren Dirigent Lorenzo Viotti und Regisseur Calixto Bieito aus der Verbindung zweier bestehender Mahler-Kompositionen (die frühe Märchenkantate Das klagende Lied und die Kindertotenlieder) ein neues Werk, das erstmals – und szenisch! – gemeinsam auf die Bühne kommt. Ein Wagnis, zweifellos, wie auch der Dirigent der Neuproduktion anmerkt, doch gleichzeitig ein faszinierendes Experiment, das dem Opern-Publikum das Eintauchen in eine mögliche Musiktheater-Welt Mahlers erlaubt. Und dass am Premierenabend gleich zwei große Künstler – Lorenzo Viotti und Florian Boesch – ihr Staatsopern-Hausdebüt geben, macht die Sache noch spannender.

VON DER LIEBE TOD
Das klagende Lied. Kindertotenlieder.

Musikalische Leitung Lorenzo Viotti
Inszenierung Calixto Bieito
Bühne Rebecca Ringst
Kostüme Ingo Krügler
Licht Michael Bauer

Mit Vera-Lotte Böcker / Tanja Ariane Baumgartner / Daniel Jenz / Florian Boesch

29. September / 2. / 5. / 7. / 10. / 13. Oktober 2022

 

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