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Der 26. „Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker“ geht an Ivana Sokola für ihr Stück kill baby

Offizielle Preisverleihung zur Eröffnung der diesjährigen Kleist-Festtage am 30. September 2021

Das Kleist Forum Frankfurt (Oder) und die Stadt Frankfurt (Oder) haben die Preisträgerin des „Kleist-Förderpreises für junge Dramatikerinnen und Dramatiker“ 2021 bekannt gegeben. In diesem Jahr geht die renommierte Auszeichnung an Ivana Sokola, Jahrgang 1995, für ihr Stück kill baby. Der Kleist-Förderpreis ist mit einem Preisgeld von 7.500 Euro dotiert und mit einer Uraufführungsgarantie verbunden, die in diesem Jahr vom Nationaltheater Mannheim übernommen wird.

 

Copyright: Ivo Wittmann

Seit 1996 vergeben die Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), das Kleist Forum und die Dramaturgische Gesellschaft jährlich den „Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker“. Anwärterinnen und Anwärter, die bei Einsendeschluss nicht älter als 35 Jahre alt sind, können sich mit noch nicht uraufgeführten Theatertexten bewerben.

Der mit 7.500 Euro dotierte Preis gilt als Wegbereiter vieler, mittlerweile international renommierter Autorinnen und Autoren. Neben dem Preisgeld erfahren die Preisträgerinnen und Preisträger vor allem durch die Uraufführungsgarantie des ausgezeichneten Stücks eine größtmögliche Förderung.

Die offizielle Preisverleihung mit der Laudatio von Joshua Sobol findet zur Eröffnung der diesjährigen Kleist-Festtage am 30. September 2021 statt. Das prämierte Stück kill baby wird an diesem Abend erstmals in Frankfurt (Oder) gezeigt. Die Uraufführung produziert das Nationaltheater Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Kleist Forum. Die Regie übernimmt Sapir Heller. In Mannheim wird die Uraufführung Ende September zu sehen sein.

Zur Bekanntgabe der diesjährigen Gewinnerin dieses wichtigsten Nachwuchspreises für deutschsprachige Bühnenautorinnen und -autoren sprachen neben Florian Vogel (Künstlerischer Leiter am Kleist Forum und Vorsitzender der Jury des Kleist-Förderpreises) Milena Manns (Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung und Europa der Stadt Frankfurt (Oder)) und Kerstin Grübmeyer (Chefdramaturgin am Nationaltheater Mannheim).

Die Jury setzte sich folgendermaßen zusammen:

    Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums und Leiter der Jury
    Joshua Sobol, Autor und Laudator
    Kerstin Grübmeyer, Chefdramaturgin am Nationaltheater Mannheim (Uraufführungstheater)
    Milena Manns, Dezernentin für Kultur, Bildung, Sport, Bürgerbeteiligung und Europa der Stadt Frankfurt (Oder)
    Anette Handke, stellv. Direktorin Kleist-Museum Frankfurt (Oder)
    Petra Thöring, Dramaturgin am Hessischen Landestheater Marburg
    Kathrin Bieligk, Freie Dramaturgin und Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft
    Harald Wolff, Dramaturg an den Münchner Kammerspielen und Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft
    Jack Kurfess, Berater und erster Geschäftsführer der Elbphilharmonie Hamburg

In der Jury-Begründung heißt es: Ivana Sokola lässt in ihrem Stück kill baby aus einem Mikrokosmos ein gesellschaftliches Panorama entstehen. Im Zentrum steht eine Familie, drei Frauen unterschiedlicher Herkunft und kultureller Identität, drei Generationen auf engstem Raum: Großmutter, Mutter und jugendliche Tochter. Gestrandet in einem Hochhaus, das selbst, ebenso abstrakt wie konkret, in diesem Stück zu Wort kommt. So poetisch und verdichtet wie Ivana Sokola mit dem Personal und der Sprache umgeht, so opulent, eindringlich und sinnlich sind die Bilder, die in ihrem Stück entstehen. Hier wird nichts geschönt – kill baby verhandelt eine Realität, in der es um weit mehr geht als um das Thema, ob die 17-jährige Kitti, die jüngste der drei Frauen, ihr Kind abtreiben soll oder nicht. Alle drei Frauen suchen nach ihrer familiären und weiblichen Identität, sprechen über ihre Verletzungen und sehnen sich nach „Liebe ohne Leiden“, danach, sich angenommen zu fühlen. Jede für sich und alle gemeinsam.  Dabei stellen sie hohe Erwartungen aneinander, reiben sich und spiegeln einander während die Sprache fließt, so wie eine langsame Fahrt im Aufzug des Hochhauses, vom 12. Stock ins Erdgeschoss. Ivana Sokola gelingt es, ihre Figuren nicht zu werten oder zu verurteilen, sondern ihnen Raum zu geben, in dem sie ihre Komplexität entfalten. Damit spricht der Text eine Vielfalt relevanter Fragen nicht nur um das Thema Weiblichkeit an. Das Stück bietet starke Rollen für drei Frauen und ein „Hochhaus“, die kill baby auf der Bühne zum Leben erwecken werden. Ein Geschenk für das Theater und ein literarischer Wurf.

Vita Preisträgerin: Ivana Sokola, geboren 1995 in Hamburg, hat Deutsche Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Seit 2018 studiert sie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin.

Sie war eingeladen zum Festival 4 + 1 – Treffen Junger Autor*innen des Schauspiels Leipzig. Ihr Stück kill baby wurde als Werkstattinszenierung unter der Regie von Heike M. Goetze an der Volksbühne Berlin gezeigt und mit dem Sonderpreis des Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreises ausgezeichnet.

Zusammen mit Jona Spreter bildet sie das Autor*innenduo Sokola//Spreter. Gemeinsam veröffentlichten sie in den Literaturzeitschriften BELLA triste und JENNY. Mit ihrem Stück Tierversuch haben sie den Publikumspreis des Hans-Gratzer-Stipendiums am Schauspielhaus Wien gewonnen.

Fakten zum diesjährigen Preis: Zum 26. „Kleist-Förderpreis für junge Dramatikerinnen und Dramatiker“ wurden 113 deutschsprachige Stücke von 114 Autor*innen aus 14 Ländern weltweit eingereicht. Damit waren die Bewerbungen so international wie noch nie zuvor. Das Verhältnis von Frauen und Männern war ausgeglichen und das Durchschnittsalter betrug 27,3 Jahre. Trotz der Pandemie blieb die Anzahl der Einsendungen stabil.

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