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Deutsche Erstaufführung: Aulis Sallines "Barabbas-Dialoge" an der Oper Frankfurt

Premiere 29. Juni 2011, um 19.30 Uhr, Bockenheimer Depot (Depot 2). -----

 

Archaische Unmittelbarkeit ist ein Wesensmerkmal der Musik von Aulis Sallinen (* 1935), dem Komponisten der Oper Kullervo, die 2010/11 als letzte Premiere im Großen Haus auf dem Spielplan der Oper Frankfurt steht.

 

Auch in seinen Barabbas-Dialogen, einem Auftragswerk für das Naantali Musikfestival, gelingt dem finnischen Komponisten jene Mischung aus Klangfarbenreichtum und rhythmischer Eingängigkeit, die für sein Schaffen so charakteristisch ist.

 

Gegliedert ist das aus den Jahren 2002/03 stammende Kammeroratorium in sieben einzelne „Dialoge“. Auf Grundlage biblischer Texte entfaltet Sallinen ein magisches Spiel von Fragen und Antworten, bei denen es um den Austausch von Ideen, unterschiedlichen Gefühlsregungen und Weltanschauungen geht. Thematisch kreist das Werk um die Begriffe Schuld und Verdammnis. Die Figur des Barabbas wird in ein schillerndes Licht getaucht: Mörder, Bandit, Freiheitskämpfer? Wer war dieser Mann, diese Randfigur der Passionsgeschichte, die doch so eng mit dem Leidensgeschehen Christi verknüpft ist? Erst die Freilassung von Barabbas durch Pontius Pilatus hat den Kreuzestod und damit – in letzter Konsequenz – das gesamte Heilswerk Jesu überhaupt möglich gemacht. Eine weitere Schattengestalt der Bibel taucht in diesem Stück auf: der Apostel Judas. Auch hier umkreisen Musik und gesungener Text die Frage nach der Identität der Person: War Judas lediglich habgieriger Verräter oder tragischer „Held“, der den prophezeiten Verrat Christi als ein quälendes, in den Selbstmord treibendes Seelenmartyrium auf sich nahm?

 

Aulis Sallinen stellt in seinem Werk die Frage nach der Existenz Gottes. Getragen von nur sieben Instrumenten – darunter auch ein Akkordeon – breitet der Komponist einen faszinierenden Klangkosmos aus, durch den sich der Gesang der Vokalisten wie ein zeitloses Gespräch über die Grundbedingungen menschlichen Daseins zieht. Klang, Wort und tönende Sinnhaftigkeit bilden dabei eine berückende Einheit.

 

Mit dieser Produktion präsentiert die Oper Frankfurt im Depot 2, der in der Saison 2009/10 eingerichteten Studiobühne im Bockenheimer Depot, ein junges Team aus den eigenen Reihen: Die Musikalische Leitung übernimmt Solokorrepetitor Sebastian Zierer, die Inszenierung stammt von Regieassistentin Ute M. Engelhardt. In der Titelpartie gastiert Boris Grappe, seit 2007/08 Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim, erstmals in Frankfurt, während aus dem Ensemble Florian Plock den Judas verkörpert. Komplettiert wird die Besetzung von Mitgliedern des Opernstudios, darunter Sharon Carty (Die Frau), Sun Hyung Cho (Das Mädchen) und Simon Bode (Der Jüngling). Aus dem Kinderchor der Oper Frankfurt übernimmt Luca Paredes-Montes die Sprecherrolle des Einen der Zwölf.

 

Oratorium für fünf Solisten, Erzähler und sieben Instrumente op. 84 von Aulis Sallinen (* 1935)

Auftragswerk für das Naantali Musikfestival

In deutscher Sprache

 

Musikalische Leitung: Sebastian Zierer

Inszenierung: Ute M. Engelhardt

Bühnenbild und Kostüme: Julia Müer

Dramaturgie: Norbert Abels

Licht: Alexander Kirpacz

 

Barabbas: Boris Grappe

Die Frau: Sharon Carty

Judas: Florian Plock

Das Mädchen: Sun Hyung Cho

Der Jüngling: Simon Bode

Einer der Zwölf: Luca Paredes-Montes

Mitglieder des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters

 

Weitere Vorstellungen: 1., 3. Juli 2011

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

Preise: € 15 bis 20 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Karten sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, im Telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 oder online unter www.oper-frankfurt.de erhältlich

 

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