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DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNG: "Don Quijote" als Oper in Kiel

So | 30. April | 18 Uhr | Opernhaus

"Don Quijote", Oper von Cristóbal Halffter

Oper über den Mythos des Miguel de Cervantes in spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Das große Alterswerk des bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Spaniens bezieht sich auf die zentralen Szenen der literarischen Vorlage: Ritterschlag im Wirtshaus, Kampf gegen die Windmühlen, Büchervernichtung und Kampf gegen die Schafherde. In sechs Bildern wird die Geschichte vom Ritter von der traurigen Gestalt, seinem treuen Diener Sancho Panza und seiner vergötterten Dulcinea durchmessen. Doch darüber hinaus tritt Miguel de Cervantes auf: Der Autor des vor 400 Jahren erschienenen Romans „gebiert“ seinen Don Quijote und stirbt im Finale den Bühnentod. Beide Gestalten, der Dichter und sein Geschöpf, befinden sich am Schluss der Oper in einem Trüm-merhaufen von zerschlagenen Träumen, verbrannten Büchern und einer zer-schmetterten Umwelt. Im letzten Zwiegespräch fragt Don Quijote seinen Schöpfer verzweifelt nach dem Sinn seines Erscheinens in der Welt. Cervantes antwortet: „Du bist kein Mensch. Du bist ein Mythos, und die Mythen entstehen nicht nach den Gesetzen der Natur. Du wirst in dem Moment sterben, in dem wir aufhören, dich zu träumen.“ Hiermit spricht der Dichter – und Alter Ego des Komponisten – einen Schlüsselsatz zum Verständnis der Oper aus. Denn nach Halffters Idee steht die Figur des Don Quijote für den Widerstand der Phantasie gegen die Wirklichkeit: „Ich werde nicht müde zu sagen, dass das, was Don Quijote sah, richtige Riesen waren und dass es die Windmühlen sind, die nicht existieren!“

 

Der Operneinakter basiert auf Cervantes-Texten und literarischen Splittern anderer spanischer Dichter wie César Manrique. Für das Libretto zeichnet Andrés Amorós verantwortlich. Die szenische Grundidee stammt vom Komponisten. Halffter schreitet in seiner Oper noch einmal den Farbenreich-tum und die dramatische Wucht seiner Musiksprache ab. Durch Zitate von Musik aus der Cervantes-Zeit verbindet der Komponist die Vergangenheit mit der Gegenwart. So charakterisiert das alte Ritterlied „Diferencias sobre el Canto del cavallero“ des spanischen Komponisten Antonio de Cabezón die Figur des Cervantes. Das Trinklied „Hoy comamos y bevamos“ („Heute essen und trinken wir“) des Dichterkomponisten Juan del Encina singt der Chor als Repräsentant der entfesselten Menge.

 

In der Inszenierung von Alexander Schulin wird die Kreation des Kunstwerks zum Bühnenkonzept. Stefanie Pasterkamps Bühnenbild entpuppt sich als permanent wechselnde Variation eines riesigen Buches. Dessen Seiten sind zunächst unbeschrieben, werden aber im Laufe des Abends verwandelt und zu einem einmaligen, nicht reproduzierbaren Kunstwerk gemacht. Unter Leitung des ersten Kapellmeisters Johannes Willig geben das tragisch-komische Paar Don Quijote und Sancho Panza die beiden südkoreanischen Sympathieträger Hye-Soo Sonn und Johannes Ann. Die Partie des Cervantes, die heimliche Hauptfigur des Stückes, gestaltet Jörg Sabrowski.

 

Die Aufführung findet in spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln statt.

 

MUSIKALISCHE LEITUNG: Johannes Willig

REGIE: Alexander Schulin

AUSSTATTUNG: Stefanie Pasterkamp

 

MIT: Ks. Hans Georg Ahrens, Johannes An, Steffen Doberauer, Marita Dübbers, Marina Fideli, Susan Gouthro, Claudia Iten, Mirko Janiska, Hye-Soo Sonn,

Jörg Sabrowski, Heike Wittlieb

 

Der Komponist

Cristóbal Halffter, geboren 1930 in Madrid, entstammt einer Musikerdynastie mit ostpreußischen und andalusischen Vorfahren. Halffters Karriere als Komponist begann mit dem Stück „Fünf Mikroformen für Orchester“, das 1960 in Madrid zum Skandal geriet. Immer wieder wurde Halffter auf die prominentesten Lehrstühle Europas berufen und arbeitet mittlerweile auch als Dirigent mit allen großen Orchestern Spaniens und dem europäischen Ausland zusammen. Bis heute werden seine Kompositionen in aller Welt gespielt. Während der Franco-Diktatur Spaniens wurde Halffter zum Inbegriff des freidenkenden spanischen Komponisten und Intellektuellen. Er ist unter anderem Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris und trägt die Ehrendoktortitel der Universitäten von León und Madrid. Im DON QUIJOTE, welcher im Jahr 2000 in Madrid uraufgeführt wurde (Regie: Herbert Wernicke), schreitet der Komponist noch einmal den großen Farbenreichtum seiner Klangsprache ab und bündelt sie in dramatischer Wucht. Nicht ohne Grund wird das Werk als das „opus summum“ (Stephan Mösch) des Komponisten bezeichnet.

 

Gäste in der Produktion DON QUIJOTE

Alexander Schulin (Regie) ist an internationalen Bühnen tätig. So hat er u. a. an den Staatstheatern Nürnberg und Karlsruhe, am Opernhaus Graz, am Theater Luzern, an der Volksoper Wien, am Münchener Prinzregententheater, an den Staatsopern Hamburg und Berlin sowie an der Opéra de Montpellier erfolgreich gearbeitet. In den Jahren 2002 und 2004 wurden seine Donizetti-Inszenierungen „Maria Stuarda“ und „L’elisir d’amore“ in der Zeitschrift „Opernwelt“ für die „Inszenierung des Jahres“ vorgeschlagen.

Stefanie Pasterkamp (Ausstattung) arbeitete nach ihrer Assistentenzeit mit dem Regisseur und Bühnenbildner Herbert Wernicke als Bühnenbildnerin und Regisseurin. Für etliche Produktionen mit dem Regisseur Dieter Kaegi versah sie die Ausstattung. So entstanden u. a. in Biel Gounods „Faust“ und Verdis

„Macbeth“, Rossinis „Barbier von Sevilla“ und Verdis „Falstaff“ in Dublin, Donizettis „Anna Bolena“ in Metz sowie Ambroise Thomas’ „Hamlet“ in Prag.

 

 

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