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Deutsches Schauspielhaus Hamburg: "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas fils

Premiere: 11.01.2008, 20.00 Uhr

 

Glamouröse Feste, reiche Liebhaber, eine elegante Wohnung in Paris – die Welt der Kurtisane Marguerite Gautier lässt keine Wünsche offen.

Von allen begehrt, lebt sie in vornehmen Kreisen, um Männern Freude zu bereiten. Für Schwäche und Krankheit ist in dieser Welt kein Platz. Marguerite ignoriert ihre Tuberkuloseerkrankung und lebt, als ob sie ihre fortschreitende Krankheit mit dem exzessiven Lebensstil besiegen wollte. Sie ist wie die Kamelie, die sie stets auf ihren Kleidern trägt: am Abend wunderschön, am nächsten Morgen bereits verblüht. Und doch sehnt sie sich nach der großen Liebe, die keine Bedingungen stellt. Als Armand Duval in ihr Leben tritt, glaubt Marguerite, sie gefunden zu haben. Sie schwört ihrem Luxusleben ab, verkauft ihren gesamten Besitz und zieht mit Armand aufs Land. Das perfekte Glück hält nicht lange an – selbst die große, aufrichtige Liebe kann Marguerite nicht vom Stigma ihres Berufs erlösen: Armands Vater, der durch die Verbindung das Ansehen der Familie beschädigt sieht, fordert sie auf, sich von seinem Sohn zurückzuziehen. Schweren Herzens gibt Marguerite nach, um die Heirat von Armands Schwester nicht zu gefährden. Sie gibt vor, die Geliebte eines anderen Mannes zu sein und stürzt sich mit verzweifelter Energie erneut ins Pariser Nachtleben – ohne Rücksicht auf ihren sich zusehends verschlechternden Gesundheitszustand. Armand, der von der Einflussnahme seines Vaters nichts ahnt, reist ihr hinterher, doch Marguerite weist ihn zurück. Tief gekränkt, beleidigt Armand sie in aller Öffentlichkeit, indem er sie für ihre zu Ende gegangene Liebesbeziehung bezahlt. Erst als Marguerite im Sterben liegt, erfährt er die wahren Gründe ihres Handelns.

 

Alexandre Dumas der Jüngere verarbeitete mit der »Kameliendame« auch seine eigene gescheiterte Liebe. Marguerite Gautier entstand nach dem Vorbild der Edelkurtisane Marie Duplessis, der Geliebten des Schriftstellers. Zwei Jahre nachdem er sie verließ, starb sie 23-jährig an Tuberkulose. Zunächst erschien 1848 der Roman, den Dumas anschließend selbst dramatisierte. 1853 brachte Verdi den Stoff in seiner Oper »La Traviata« auf die Bühne, und aus der Kameliendame wurde eine der großen romantischen Heldinnen des Opernrepertoires. Dumas beschreibt das Pariser Kurtisanenleben mit genauen Charakterstudien. Obgleich ihm mit der »Kameliendame « ein unterhaltsames Melodrama voller großer Emotionen gelingt, attackiert er damit auch die Doppelmoral einer Gesellschaft, die die Kurtisane gleichzeitig verteufelt und vergöttert. Er wirft einen scharfen Blick auf die Welt der Schönen und Reichen, auf eine Oberflächenkultur, in der Liebe und Freundschaft untrennbar mit Finanzen verbunden sind und Toleranz nur dann geübt wird, wenn sie dem eigenen Vergnügen dient. Nur 50 Jahre nach der Französischen Revolution schreibt Dumas ein Stück, das zeigt: Es gibt keine Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die Gesellschaft ist gnadenlos und voller Ungerechtigkeit, auch die Liebe kann das nicht ändern. Armand und Marguerite schaffen es nicht, die gesellschaftlichen Konventionen zu brechen. Die Liebe scheitert.

 

Ivo van Hove, 1958 in Belgien geboren, war 1990 bis 2000 Leiter der renommierten Theatergruppe »Het Zuidelijk Toneel « in Eindhoven. Von 1997 bis 2004 leitete er das Holland Festival und ist seit 2001 Intendant der »Toneelgroep Amsterdam «, der größten Theatergruppe der Niederlande. Seine Inszenierungen wurden zu vielen internationalen Festivals eingeladen. Für seine New Yorker Inszenierung von Ibsens »Hedda Gabler« erhielt er 2005 den Obie Award. 2006 inszenierte Ivo van Hove »Der Ring des Nibelungen« an der Vlaamse Opera in Antwerpen. Im Juni 2007 hat er mit seiner Inszenierung von Shakespeares römischen Tragödien in Amsterdam Premiere. Am Schauspielhaus inszenierte er bislang »Die Bakchen« von Euripides, »Faces« nach John Cassavetes und »Der Geizige« von Molière

 

Regie: Ivo van Hove

Bühne: Jan Versweyveld

Kostüme: Wojciech Dziedzic

Licht: Roland Edrich

Dramaturgie: Stephanie Lubbe, Bart Van den Eynde

Es spielen: Marco Albrecht, Marion Breckwoldt, Katja Danowski, Tim Grobe, Felix Kramer, Marie Leuenberger, Chris Nietvelt*, Martin Pawlowsky, Michael Prelle, Samuel Weiss, Sören Wunderlich

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