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Die ersten Schauspielpremieren im Staatstheater Saarbrücken

7.,8., und 14. September 2012. -----

Das Schauspiel des Saarländischen Staatstheaters eröffnet die neue Spielzeit mit Ödön von Horváth, Roland Schimmelpfennig und Joseph Conrad - mit Stücken, deren Themen zugleich Leitlinien für die kommende Spielzeit im Schauspiel bilden. Auf der einen Seite stehen Stücke, die eine präfaschistische Gesellschaft abbilden und sezieren wie die "Geschichten aus dem Wiener Wald", auf der anderen Seite globalisierungskritische Texte wie "Der goldene Drache". Conrads berühmte Erzählung "Herz der Finsternis" verhandelt Gier, Rassismus und Grenzüberschreitungen der menschlichen Psyche.

 

"Geschichten aus dem Wiener Wald" feiert am Freitag, dem 7. September 2012 um 19.30 Uhr im Staatstheater in der Inszenierung von Martin Nimz Premiere. Er trägt in seiner ersten Arbeit für das SST der großen Musikalität des Textes in besonderer Weise Rechnung: Das Saarländische Staatsorchester unter der Leitung von Thomas Peuschel wird die im Stück verankerten Lieder und Walzer live auf der Bühne zu Gehör bringen. Die Bühne entwirft Achim Naumann d'Alnoncourt, für die Kostüme zeichnet Jutta Kreischer verantwortlich.

 

Es spielen Gabriela Krestan, Dorothea Lata, Saskia Petzold, Nina Schopka -

Marcel Bausch, Benjamin Bieber, Marko Dyrlich, Pit-Jan Lößer, Horst Rehberg, Jonas Schlagowsky und Heiner Take.

 

Horváth beschreibt eine kleinbürgerliche Welt im Schatten des heraufdämmernden Faschismus. Untermalt von Wiener Walzerseligkeit entspinnt sich ein bitteres und morbides Spiel unter Menschen, die zwischen Spießigkeit, Verlorenheit und rechter Gesinnung um Anerkennung und Liebe kämpfen.

 

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Am Samstag, dem 8. September um 19.30 Uhr hebt sich in der Alten Feuerwache der Vorhang für DER GOLDENE DRACHE von Roland Schimmelpfennig. Es inszeniert Michael Talke, der mit "Lola" und "Kleiner Mann - was nun?" schon zwei sehr spielerische Schauspielabende am SST erarbeitet hat. Das Bühnenbild stammt von Barbara Steiner, die Kostüme gestaltet Inge Medert.

 

Es spielen Silke Buchholz, Gertrud Kohl - Roman Konieczny, Hans-Georg Körbel und Georg Mitterstieler.

 

In einem unheilvollen Zahn "verdichtet" Roland Schimmelpfennig die ganze Globalisierung, die Geschichte der Verlierer, der rechtlosen Hilfsarbeiter. Er erzählt seine (todtraurige) Geschichte zwischen Thai-Suppe Nr. 6, scharf, und gebratenen Reisbandnudeln Nr. 82 auf unglaublich komische und absurde Weise. Das Stück, 2010 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet, ist eine Steilvorlage für ein spielfreudiges Ensemble. Nur fünf Schauspieler verkörpern in schnellen Wechseln mit Woks jonglierende Asiaten, versnobte Stewardessen, unglücklich Liebende, düstere Ehegatten und teuflisch schmierige Lebensmittelhändler.

 

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Die sparte4 startet in die neue Saison mit HERZ DER FINSTERNIS nach Joseph Conrad am Freitag, dem 14. September um 20 Uhr. Die Leitung dieses Theaterabends mit viel Musik liegt in den Händen von Regisseur Christoph Diem und dem musikalischen Leiter Oliver Ziegler - gemeinsam haben sie sehr erfolgreich schon mehrere "episch-psychdelische Liederabende" in der sparte4 realisiert. Die Ausstattung übernimmt Isabelle Kittnar, es spielen Christiane Motter, Andreas Anke und Johannes Quester.

 

Im Auftrag einer belgischen Handelsgesellschaft reist Kapitän Marlow in den Kongo, auf der Suche nach Kurtz. Dieser hat sich einen legendären Ruf im Handel mit Elfenbein erworben. Marlows Reise in die tiefste afrikanische Wildnis, ins Herz der Finsternis, gleicht einer Reise in die eigenen seelischen Abgründe. Seine Begegnung mit Kurtz erweist sich schließlich als paradoxes Ereignis: Einerseits widern ihn dessen Obsessionen an, andererseits kann er sich der Faszination dieses Menschen, der die Kategorien von Gut und Böse, von Moral und Unmoral ausgelöscht hat, nicht entziehen.

 

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