Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Die Gerechten" von Albert Camus im Düsseldorfer Schauspielhaus"Die Gerechten" von Albert Camus im Düsseldorfer Schauspielhaus"Die Gerechten" von...

"Die Gerechten" von Albert Camus im Düsseldorfer Schauspielhaus

Premiere Samstag, 18. Oktober 214, 19.30 Uhr, Großes Haus. -----

Es sind »zartfühlende Mörder«, wie Camus selbst jene fünf Attentäter beschreibt, die ein besseres Russland herbeibomben wollen.

Angelehnt an den Anschlag einer sozialrevolutionären Gruppe auf den russischen Großfürsten Sergej von 1905, entwirft Camus 1949 den Diskurs innerhalb einer Terrorzelle, die sich in ihrem Kampf zur »Befreiung des russischen Volkes« über das Maß an anzuwendender Gewalt uneins ist. Der Streit entflammt, als der erste Attentats versuch misslingt; Iwan Kaljajew, der »Poet«, entschließt sich im letzten Moment, die Bombe nicht zu werfen, weil in der Kutsche des Großfürsten auch Kinder sitzen.

 

Das Leben von Unschuldigen als Preis für den Kampf gegen die Gewaltherrschaft des Zarenregimes ist ihm zu hoch. Dem jüngst aus dem Zuchthaus geflohenen Stepan, dem Hardliner der Gruppe, ist dagegen jedes Mittel recht im revolutionären Prozess. Doch die anderen Mitglieder schließen sich Kaljajews Haltung an. Zwei Tage später wiederholt er den Anschlag, und der Großfürst kommt ums Leben. Iwan Kaljajew ist im Gefängnis selbst angesichts seiner Hinrichtung nicht bereit, seine Mitkämpfer zu verraten.

 

Geprägt durch die Erfahrungen in der französischen Résistance sah Albert Camus im politischen Attentat ein legitimes Mittel zur Bekämpfung von Tyrannei, gerechtfertigt, sofern die Täter bereit waren, mit ihrem Leben zu bezahlen. Er skizziert gewissermaßen einen Ehrenkodex für Revolutionäre. Heute dagegen scheinen den vielen Selbstmordattentätern mit Sprengstoffgürteln die Opfer vollkommen gleichgültig zu sein. Acht Schauspieler erinnern auf der Bühne mit diesem Stück an einen fast vergessenen Disput.

 

REGIE: MICHAEL GRUNER

BÜHNE: MICHAEL SIEBEROCK-SERAFIMOWITSCH

KOSTÜME: GABRIELE STERZ

DRAMATURGIE: BARBARA NOTH

 

MIT MICHAEL ABENDROTH, WOLF ANIOL, REINHART FIRCHOW, MARIANNE HOIKA, WINFRIED KÜPPERS, DIRK OSSIG, LOUISA STROUX, ANDREAS WEISSERT

 

 

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑