Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Die Italienerin in Algier" von Gioachino Rossini im Deutschen Nationaltheater Weimar"Die Italienerin in Algier" von Gioachino Rossini im Deutschen..."Die Italienerin in...

"Die Italienerin in Algier" von Gioachino Rossini im Deutschen Nationaltheater Weimar

Premiere am 15. Oktober 2016, 19.30 Uhr im Großen Haus. -----

Rossinis "Italienerin in Algier" gehört zu den in Deutschland relativ selten gespielten Opern des Belcanto-Meisters. Zu Unrecht - angesichts der energiegeladenen, virtuosen Musik und mitreißenden Verrücktheiten der turbulenten Komödie um die schöne Isabella, die auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro in die Hände von Mustafa, dem Bey fällt.

Seiner eigenen Frau Elvira überdrüssig, ist dieser sofort fasziniert von der selbstbewussten, temperamentvollen Italienerin und setzt alles daran, sie für sich zu gewinnen. Um gemeinsam mit dem ebenfalls gefangen genommenen Lindoro zu entkommen, macht sich Isabella den liebestollen Mustafa mit allen Mitteln der weiblichen Verführungskunst gefügig. Nach zahlreichen komischen Situationen und Wendungen gelingt den Liebenden die Flucht in ihre Heimat. Mustafa erkennt, was er an seiner Elvira hatte und ist von amourösen Abenteuern vorerst geheilt.

 

Für die Inszenierung von Rossinis komischer Oper am DNT Weimar zeichnet Tobias Kratzer verantwortlich, der mit Inszenierungen u.a. in Nürnberg, Karlsruhe, Tallin, Brüssel und Nizza zur jüngeren Generation international erfolgreicher deutscher Regisseure zählt. Im Sommer 2019 wird er bei den Bayreuther Festspielen einen neuen "Tannhäuser" auf die Bühne bringen. Gemeinsam mit seinem Ausstatter Rainer Sellmaier zeigt er in seiner szenischen Umsetzung die Schräge Seite der Liebe - ein Gefühl, das bekanntlich einiges Potential zur Komik hat… Männer wie Mustafa, die sich für unwiderstehlich, klug und potent halten, gibt es überall und zu allen Zeiten. Isabella, die emanzipierte Powerfrau, die ihre Weiblichkeit als Waffe einsetzt, hat durchaus das Zeug zur Identifikationsfigur – und Lindoro, der schmachtende Liebhaber, zeigt, wie schön und gleichzeitig schmerzvoll es sein kann, wenn man seine große Liebe verteidigen muss. Anhand der burlesken Geschichte erzählt Tobias Kratzer eine Fabel über die unergründliche Kraft von Trieb und Liebe. Dabei folgt er ganz den funkensprühenden Einfällen Rossinis und der Situationskomik der Handlung, um am Ende anzudeuten, dass das Glück dann doch eher im eigenen Schlafzimmer zu finden ist als auf dem Schlachtfeld der freien Liebe.

 

Die musikalische Leitung der Produktion liegt in den Händen des jungen Dirigenten Dominik Beykirch, der seit der Spielzeit 2015/16 als 2. Kapellmeister am DNT Weimar engagiert ist und am Beginn einer vielversprechenden Laufbahn steht.

 

Die Musik Rossinis, der sich selbst als den letzten Vertreter einer vergangen Epoche bezeichnete und dem Belcanto der Kastraten nachtrauerte, stellt jede Solistin und jeden Solisten vor sehr spezielle Herausforderungen. Die von ihm komponierten Partien verlangen gleichermaßen geistreiche, erzählende Gestaltung wie auch äußerst virtuose Fähigkeiten für die halsbrecherischen Koloraturen. Mit Tamara Gura, die ihr Rollendebüt als Isabella gibt, und Miloš Bulajić als Lindoro gastieren für diese Produktion zwei ausgewiesene, international erfolgreiche Rossini-Interpreten am DNT Weimar. Aus dem Ensemble des Hauses sind besetzt: Sayaka Shigeshima (Isabella), Uwe Schenker-Primus (Mustafà), Caterina Maier (Elvira), Alik Abdukayumov (Taddeo), Kathrin Filip bzw. Anny Harvey (Zulma), Daeyoung Kim (Haly) und die Herren des Opernchores. Es spielt die Staatskapelle Weimar.

 

Weitere Vorstellungen: 23., 29.10., 19., 24.11., 3., 15.12.2016, 5.1.2017, weitere in Planung

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑