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"Die Macht des Schicksals" von Giuseppe Verdi im Staatstheater Wiesbaden

Premiere Samstag, 25. Januar 2014 I 19.30 Uhr I Großes Haus. -----

Ein tödlicher Unglücksfall – und seine weitreichenden Folgen. In Giuseppe Verdis großer Oper Die Macht des Schicksals (La forza del destino) muss hart gegen die Prüfungen eines gnadenlosen Schicksals gekämpft werden.

Jeden anderen Komponisten hätte dieser Stoff an den Rand des Wahnsinns getrieben. Verdi dagegen schafft seine reichste, vielgestaltigste und vielleicht großartigste Oper, mit intimen Solo-Arien, groß angelegten Duetten und zahlreichen charakteristischen Chorbildern.

 

Wenn Verdi zur Feder griff, dann musste es schon ein großer romantischer Stoff sein, der die wilde Fülle des gesamten Lebens in sich trug und gleichzeitig weit darüber hinauswuchs. Weniger als das Unmögliche in eine große vieraktige italienische Oper zu bringen – das wäre für Giuseppe Verdi keine Herausforderung gewesen. Und so griff er nach einem ganz und gar unmöglichen Stoff: Einem Drama des spanischen Autors Angel de Saavedra: Don Álvaro o la fuerza del sino (Don Alvaro oder Die Macht des Schicksals.) Hier geht um einen schicksalshaften kurzen Moment, der das Leben von vier Menschen für immer zerstört. Ein Schuss löst sich unabsichtlich aus einer Pistole. Die Waffe gehört Don Alvaro, und der Schuss, den niemand abgegeben hat, tötet den Marchese di Calatrava als er seine Tochter Leonora di Vargas mit ihrem Geliebten ertappt. Don Alvaro, ein „Fremder” aus Südamerika, will mit Leonora fliehen, doch als der Vater sich beiden in den Weg stellt, wirft er zum Zeichen des Friedens die Waffe fort. Sekunden später ist alles zu Ende und das Drama eröffnet: Der Vater liegt sterbend am Boden und verflucht seine Tochter. Leonoras Bruder Don Carlo di Vargas schwört, das Verbrechen zu rächen. Das Trauma des Vatermords verfolgt nun alle drei Protagonisten bis zum bitteren Ende.

 

Die gezielte Verletzung der klassischen Einheit von Ort, Zeit und Handlung wird hier zum Programm, denn die Protagonisten verlieren regelrecht den Boden unter den Füßen. Flucht und Odyssee führen in wechselnden Identitäten und mit Zeitsprüngen an viele verstreute Orte in Spanien und Italien. Die Handlungsstränge verlieren sich und verschlingen sich auf wundersame Weise wieder ineinander. Leonora sucht Sühne in einem Kloster, wo sie als namenlose Einsiedlerin lebt. Doch auch nach vielen Jahren der Einsamkeit liebt sie Don Alvaro noch wie am ersten Tag und kann die Tat nicht vergessen. Don Alvaro sucht den Tod im Schlachtfeld in Italien, wird aber gerettet von einem treuen Freund, der sich als sein schlimmster Feind herausstellt: Don Carlo di Vargas. Auch im Kloster findet Don Alvaro keinen Frieden, da ihm Don Carlo auf den Fersen bleibt. Wenn sich im Finale alle drei gegenüberstehen und sich ihr Schicksal schließlich vollzieht, dann ist das bester „Showdown”, wie wir ihn sonst nur aus dem Kino kennen. Auch um die Charaktere herum scheint sich die Ordnung aufzulösen. Um dies vorzuführen, hat Verdi eigens eine Szene aus Schillers Wallensteins Lager in seine Oper integriert, und zitiert dort wörtlich aus der „Kapuzinerpredigt”. Einziger Ruhepol in den dramatischen Wirrnissen dieser Oper sind ein Franziskanerkloster und die religiöse Autorität des Padre Guardiano. Aber auch dies erweist sich als Trugschluss, denn das Schicksal will es anders: verlorene Seelen können auf der Erde nirgends mehr Frieden finden. „Pace, Pace, mio Dio” (Frieden, oh Herr), Leonoras in einem Fluch gipfelndes Gebet kurz vor Ende der Oper, wurde in knapper und konzentrierter Form zum berühmtesten und eindrucksvollsten was Verdi je geschrieben hat.

 

Das Regieteam Immo Karaman (Inszenierung) und Fabian Posca (Choreografie) erarbeitet nach zwei Verdi-Inszenierungen von Luisa Miller (2010) und Aida (2012) bereits den dritten großen „Verdi” in Wiesbaden. Beide haben in den vergangenen Jahren durch Inszenierungen an der Oper Leipzig, am Staatstheater Saarbrücken und Staatstheater am Gärtnerplatz in München auf sich aufmerksam gemacht. Ein Britten-Zyklus an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf wird nach Peter Grimes, Billy Budd und Turn of the Screw im Juni 2014 mit Death in Venice fortgeführt. Wieder mit dabei ist auch das Ausstattungsteam von Aida, Okarina Peter und Timo Dentler, die mit Immo Karaman gemeinsam bereits am Staatstheater am Gärtnerplatz in München, am Staatstheater Nürnberg und bei den Händel-Festspielen Göttingen Opernabende geschaffen haben.

 

Libretto von Francesco Maria Piave und Antonio Ghislanzoni

In italienischer Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung Wolfgang Ott

Inszenierung Immo Karaman

Choreografie Fabian Posca

Bühne und KostümeTimo Dentler, Okarina Peter

Dramaturgie Stephan Steinmetz

Choreinstudierung Anton Tremmel

 

Mit Bernd Hofmann, Dennis Wilgenhof (Der Marchese von Calatrava), Tatiana Plotnikova (Leonore di Vargas) Kiril Manolov (Don Carlos di Vargas), Marc Heller (Don Alvaro), Bernd Hofmann, Hye-Soo Sonn (Pater Guardian), Joachim Goltz (Frau Melitone), Ute Döring, Merit Ostermann (Preziosilla), Markus Francke, Jonas Gudmundsson (Mastro Trabuco), Orchester, Chor, E-Chor und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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