Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Eine neue FLEDERMAUS für München im Staatstheater am GärtnerplatzEine neue FLEDERMAUS für München im Staatstheater am GärtnerplatzEine neue FLEDERMAUS für...

Eine neue FLEDERMAUS für München im Staatstheater am Gärtnerplatz

Die unverzichtbare Johann Strauß-Operette hat am 2. Dezember 2010 um 19.30 Uhr Premiere

 

Doktor Falke lockt seinen Freund Eisenstein, der an sich im Gefängnis einpassieren sollte, als Marquis Renard auf ein champagnertrunkenes Fest des Prinzen Orlofsky.

Jeder spielt dort mit Jedem in durchsichtigem Inkognito. Das Stubenmädchen Adele als aufstrebende Künstlerin, der Gefängnisdirektor Frank als französischer Chevalier und Eisensteins Frau Rosalinde als maskierte ungarische Gräfin. Ihr Ex-Liebhaber, der Sänger Alfred, sitzt derweilen anstelle von Eisenstein im Gefängnis. Erst in der Katerstimmung des nächsten Morgens bröckeln im Gefängnis die angemaßten Scheinwelten. Was war nur Sinnenrausch und Schwindel, was war Lug und Betrug? Den Überblick behält allenfalls der Gefängniswärter Frosch als eigensinniger Freund des Sliwowitz’ mit dem vielleicht klarsten Blick auf die wahren Verhältnisse.

 

Eine Fülle wunderbarer Melodien und ein pointenreiches, ironisch-hintergründiges Textbuch, dessen Themen allzeit und überall nachvollziehbar sind sowie eine große Zahl charakterstarker Figuren voller Leben. Welche Operette könnte besser ins Repertoire des Gärtnerplatztheaters passen?

 

Am 9. Mai 1873 brach in der Walzerstadt Wien die Börse zusammen. Dazu kam im Sommer eine Choleraepidemie und die Weltausstellung schloss im Oktober mit einem wirtschaftlichen Misserfolg. Aber eben, weil es sich auf den Trümmern des Verfalls immer schon am besten tanzen und feiern ließ, kam Johann Strauß’ Uraufführung der Fledermaus im April 1874 in Wien gerade zum rechten Zeitpunkt.

 

Die Inszenierung greift diese aktuellen Bezüge ebenso auf, wie sie den hintergründigen Witz der Operette herauskitzelt und natürlich deren musikalischen Reichtum voll ausschöpft.

 

Prächtige Charakterstudien ermöglichen die unsterblichen Strauß’schen Figuren den Operettenspezialistinnen und Spezialisten aus dem Gärtnerplatz-Ensemble: Daniel Fiolka und Tilmann Unger alternieren in der Partie des Gabriel von Eisenstein an der Seite von Heike Susanne Daum und Christine Buffle als Gast in der Rolle der Rosalinde. Kammerzofe Adele mit ihrem Hang zu Höherem kommt in Gestalt von Sibylla Duffe (soeben mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet) auf die Bühne, alternierend mit Ensemble-Neuzugang Ella Tyran. Mit Mario Podrecnik und Robert Sellier (Alfred), Franziska Rabl (Prinz Orlowsky), Dirk Lohr (Gefängnisdirektor Frank) u.v.a. sind auch die übrigen Partien hochrangig besetzt. Die besondere Rolle des Gerichtsdieners Frosch liegt in dieser Fledermaus bei Schauspieler Thomas Peters, der die Figur über ihre traditionelle Funktion samt frechen tagespolitischen Anspielungen hinaus mit einem unerwarteten „gewissen Etwas“ bereichert.

 

Für viel Bewegung und Tanz sorgen nicht zuletzt die Solisten des TanzTheaterMünchen in der Choreografie von Fiona Copley. Die musikalische Leitung am Pult übernimmt Kapellmeister Andreas Kowalewitz.

 

Die Fledermaus steht am Gärtnerplatz in großer Tradition. Bereits ein Jahr nach der Uraufführung zum ersten Mal hier aufgeführt, erlebte die Operette bis heute nicht weniger als acht Inszenierungen. Stellvertretend für die große Reihe von Sängern und Darstellern, die diese Operette bereits gestalteten seien hier nur Johannes Heesters und Karl Valentin genannt, der 1937 als Frosch auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters stand.

 

Operette von Johann Strauß, Text von Carl Haffner und Richard Genée

Nach der Komödie LE RÉVEILLON von Ludovic Halévy und Henri Meilhac

 

Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz,

Inszenierung: Ulrich Peters

Bühne: Herbert Buckmiller;

Kostüme: Götz Lanzelot Fischer,

Choreographie: Fiona Copley

 

Besetzung

 

Gabriel von Eisenstein Daniel Fiolka / Tilmann Unger

Rosalinde, seine Ehefrau Christine Buffle / Heike Susanne Daum

Frank, Gefängnisdirektor Dirk Lohr

Prinz Orlofsky Franziska Rabl

Alfred, Gesangslehrer Mario Podrecnik / Robert Sellier

Dr. Falke, Notar Juan Fernando Gutiérrez / Torsten Frisch

Dr. Blind, Advokat Cornel Frey / Hans Kittelmann

Adele, Kammermädchen Sibylla Duffe / Ella Tyran

Ida, ihre Schwester Ulrike Dostal / Milica Jovanovic

Frosch, Gerichtsdiener Thomas Peters

 

6., 8., 31. Dez. 10; 6., 8., 13., 19., 30.** Jan 11;

4., 26. März; 2. April; 10. Mai 2011

**= Nachm., 15.00 Uhr

 

Tickets 4,- bis 61,-€ unter 089.21 85 19 60 oder www.gaertnerplatztheater.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑