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"Eine Woche im Oktober – 25 Jahre friedliche Revolution" vom 3. bis 9. Oktober 2014 im Staatsschauspiel Dresden

Eine Themenwoche mit Theater, Diskussionen, Lesungen, Konzerten, Performances und einem eigenen Radiokanal | 3. bis 9. Oktober 2014 | im Staatsschauspiel Dresden

 

Theater blickt in die Geschichte, um die Gegenwart zu reflektieren. Mit der Themenwoche „Eine Woche im Oktober“ möchten sich das Staatsschauspiel Dresden jenen wichtigen Ereignissen in den ersten Tagen des Oktobers 1989 widmen, die den Dresdner Beitrag zur friedlichen Revolution markieren. Es schreibt bewusst „Beitrag“, denn wie Studien zeigen, sieht immer noch ein Großteil der Ostdeutschen die Demonstrationen und die eigene politische Einmischung nicht als ausschlaggebend für die friedliche Revolution, sondern vielmehr die sich gleichzeitig vollziehenden weltpolitischen Ereignisse.

 

Es soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Selbstwahrnehmung stimmt und welche Rolle die Ereignisse von vor 25 Jahren im weltpolitischen Kontext einnehmen. Wie lässt sich der Mauerfall in Bezug auf die revolutionären Ereignisse bis heute einordnen? Welche weltpolitischen Botschaften gingen von der Wende aus? Wie sahen die Vorzeichen für einen friedlichen Umsturz aus? Und mit Blick in die Welt: Ist friedliche Revolution heute noch möglich?

 

Themenwoche vom 3. bis 9. Oktober 2014 im Staatsschauspiel Dresden

mit Theater, Diskussionen, Lesungen, Konzerte, Filme, Performances – und einem eigenen Radiokanal

 

mit dabei sind: Ingo Schulze, Monika Maron, Gob Squad, Keimzeit Akustik Quintett, Dirk Zöllner, The Monster Movie Club, Feeling D, She She Pop, Rabih Mroué, Marcel Rosenbach, Hasko Weber, Jens Reich, Wolfgang Engel, Anja Caspary u. v. m.

 

„Wir sind das Volk!“ war der Schlachtruf der friedlichen Revolution von 1989, die 2014 ihr 25. Jubiläum feiert. Mit dem zeitlichen Abstand eines Vierteljahrhunderts widmet sich das Staatsschauspiel eine Woche lang den Ereignissen im Oktober '89 und den damit verbundenen Fragen an die Gegenwart. Welche symbolischen Bilder verbinden wir mit der Wende? Wie ist sie im Kontext der Revolutionen und Aufstände seit 1989 zu sehen? Welche Erwartungen waren an den Umbruch geknüpft, und was für eine Gesellschaft hat sich in den letzten 25 Jahren daraus entwickelt? Wie lässt sich Revolution heute als ein gesellschaftliches Phänomen begreifen?

 

Die Themenwoche des Staatsschauspiels wird ermöglicht durch Initiative und Förderung des Freistaates Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden.

 

Programm

 

Zwischenspiel

nach dem Roman von Monika Maron

Uraufführung am 3. Oktober im Kleinen Haus 3

 

Den Beginn unserer Themenwoche markiert die Uraufführung von Monika Marons Roman „Zwischenspiel“, eine Annäherung der ostdeutschen Protagonistin an ihre eigene brüchige Lebensgeschichte.

 

Am Morgen von Olgas Beerdigung ist alles anders. Erst zieht eine einzelne Wolke am Himmel rückwärts, dann sieht Ruth alles verschwommen, und schließlich sitzt Olga, Ruths verstorbene Schwiegermutter, leibhaftig im Sessel. Auf dem Weg zum Friedhof verfährt sich Ruth so gründlich, dass sie die Beerdigung verpasst und in einem Park landet. Dort trifft sie außer Olga auch andere Gestalten, mit denen sie sich langsam in die Vergangenheit zurück tastet. Durch ihre Sehstörung sieht sie Dinge plötzlich anders und stellt an diesem verwunschenen Ort schmerzhafte Fragen zum ersten Mal wirklich. Es sind Fragen nach Schuld und Verantwortung, in privatem, künstlerischem und in politischem Zusammenhang.

Mit Klugheit, Sanftmut und feinem Humor schickt Monika Maron ihre Protagonistin Ruth, die von Hannelore Koch gespielt wird, auf eine Reise in ihre Vergangenheit und in ihr eigenes Unbewusstes. Sie fragt nach den Konsequenzen von Entscheidungen und der bisweilen gewagten oder geschönten Konstruktion einer eigenen Biografie.

 

Mit: Hannelore Koch, Matthias Luckey, Anna-Katharina Muck, Max Rothbart

 

Regie: Malte Schiller

Bühne: Markus Pötter

Kostüm: Julia Pommer

Musik: Kriton Klingler-Ioannides

Dramaturgie: Felicitas Zürcher

 

Radio Echo 96,8 – unser Sender!

Wir sind auch nur ein Volk

Ein Live-Hörspiel nach den gleichnamigen

Drehbüchern von Jurek Becker

Täglich vom 3. bis 9. Oktober um 19:00 Uhr live im

Kleinen Haus und auf der UKW-Frequenz 96,8 (Stadtraum Dresden)

 

Wie sehr Revolution Nährboden für Freiräume ist, für anarchische Momente, in denen kreativer Aktionismus blüht und Bürger aus sehr verschiedenen Kontexten spontane Interessengemeinschaften bilden, symbolisiert unser eigener Radiokanal Radio Echo 96,8. Wir senden während dieser Oktoberwoche über die UKW-Frequenz 96,8 aus dem Kleinen Haus Gesprächsrunden sowie unser tägliches Live-Hörspiel Wir sind auch nur ein Volk nach Jurek Becker. In dieser unterhaltsam überdrehten Karikatur deutsch-deutscher Begegnungen geht es um den schlitzohrigen Ossi Benno Grimm, der sich mit seiner Familie Anfang der 90er Jahre als Studienobjekt für einen West-Schriftsteller zur Verfügung stellt. Schnell beginnt er, Wirklichkeit und Fiktion zu vermischen, wenn es heißt, dem Wessi Ostdeutschland näherzubringen ...

 

Täglich um 19:00 Uhr kommen Mitglieder des Ensembles im Kleinen Haus Mitte zusammen, um vor Publikum und live für unseren Sender diese wahnwitzige Geschichte zu erzählen.

Regie: Leonhard Koppelmann

 

Revolution Now!

Gastspiel von Gob Squad

am 4. Oktober im Kleinen Haus 1

 

Stell dir vor, es ist Revolution, und alle machen mit: Die Verkäufer in Einkaufszentren verweigern die Arbeit, und die Kunden bleiben allein in der Welt des Konsums zurück, die Bankangestellten öffnen die Tresore und verteilen Geldbündel an Passanten, der öffentliche Nahverkehr bricht zusammen, weil Bus- und Tramfahrer sich der wütenden Masse anschließen, die mit Megaphonen und Bannern auf das Stadtzentrum zuläuft. Das deutsch-britische Theaterkollektiv Gob Squad geht in „Revolution Now!“ der Frage nach, ob es in unserer saturierten Gesellschaft überhaupt noch so etwas wie Widerstandskraft und revolutionäre Sehnsüchte gibt. Dazu stellen die Performer gemeinsam mit Passanten und Publikum revolutionäre Aktionen und historische Augenblicke nach – alle können Teil der inszenierten Revolution werden.

In englischer und deutscher Sprache

 

 

The Pixelated Revolution

von Rabih Mroué

am 8. Oktober im Kleinen Haus 3

Den Blick in die Gegenwart richtet der Beiruter Regisseur Rabih Mroué. Er thematisiert in seiner Lecture Performance The Pixelated Revolution die Verbindung von Revolution und Gewalt. Anhand von syrischem Filmmaterial, das von Bürgern stammt, die die Revolution und oft auch ihren eigenen Tod gefilmt haben, zeigt der Regisseur auf, wie sich Gewalt in revolutionäre Vorgänge einschreibt und damit u. a. die Freiheitsidee der Revolution zerstört.

In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln

 

 

Double Shooting

von Rabih Mroué

Ergänzend zu seiner eindrücklichen Lecture Perfomance ist Rabih Mroués Installation Double Shooting während der Themenwoche im Stadtraum zu sehen. Sie ist das Reenactment eines jener Videoclips, die während der Revolution in Syrien entstanden.

Ort siehe: www.staatsschauspiel-dresden.de

 

Filme, Konzerte und Diskussionen

Außerdem wird es während der Themenwoche Filme zur Wende, Konzerte (Die Zöllner und Keimzeit Akustik Quintett) sowie Gespräche mit Zeitzeugen und internationalen Akteuren geben.

 

Ein MDR Figaro-Café in Kooperation mit dem Staatsschauspiel Dresden und der ZEIT findet als Auftakt schon am 28. 9. statt. Unter dem Titel 1989: Jedem seine Geschichte. Von Revolutionen, Dichtungen und Wahrheit geht Moderator Thomas Bille mit seinen Gästen der Frage nach: Wie entsteht Geschichte? Seit 25 Jahren gleichen die ehemaligen DDR-Bürger ihre Lebensgeschichte mit der offiziellen Version der Historiker ab, sehen Filme und lesen Romane über das Leben in einem untergegangen Land, sie verfolgen, welche Themen immer wieder Schlagzeilen machen. Je nachdem, wie gut die erzählten zu den ­eigenen Geschichten passen, finden sie sich wieder oder sind befremdet. Der Schriftsteller Ingo Schulze, die Drehbuchautorin Heide Schwochow und die Journalistin Evelyn Finger haben alle eine „DDR-Geschichte“ und machen das auch zum Gegenstand ihrer Bücher, Filme und Artikel.

Am 4. 10. widmen wir uns einer der kraftvollsten Spielarten subversiver Widerstandskraft der 80er Jahre: dem Punk. Zu hören sind die Berliner und Dresdner Punkbands The Monster Movie Club und Feeling D. Außerdem zeigen wir die Uraufführung des Dokumentarfilms ACHTUNG! Wir kommen mit bislang unveröffentlichtem Filmmaterial über die Geburtsstunden von Rammstein.

Am 7. 10. präsentiert das Filmfest Dresden fünf selten gezeigte Kurzfilme, die zwischen 1988 und 1990 in Dresden gedreht wurden: von persönlichen Amateurfilmaufnahmen über einen wiederentdeckten Dokumen­tarfilm über die Geschehnisse im Oktober 1989 bis hin zur Hip-Hop-Animation.

 

Extras im Kleinen Haus

 

Am 8. 10. absolvieren die Studentinnen und Studenten des aktuellen Schauspielstudios ihre Abschlussprüfung. Das Diplomvorspiel ist öffentlich.

Zum musikalischen Abend Guten Abend, Herr Kaktus mit Liedern von Schubert bis Waits lädt das Schauspielstudio am 19. 10. ein.

Ebenfalls am 19. 10. ist Inna Zhelannayas zu Gast in der Reihe Musik zwischen den Welten. Sie verbindet das alte russische Volkslied mit elektronischen Sounds.

Am 26. 10. gibt es ein Wiedersehen mit der kubanische Formation Soneros de Verdad.

 

Neues von der Bürgerbühne

 

Zum Infotreffen für das Rechercheprojekt Soldaten am 1. 10. sind Dresdner ­Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, ehemalige Bedienstete der NVA und der Sowjetarmee, Angehörige von Soldatenfamilien, Hobbyexperten, Wissenschaftler, Computerspieler und alle anderen, die etwas zu diesem Thema beizutragen haben, herzlich eingeladen.

In Mischpoke lassen jüdische Bürger verschiedener Generationen ihr Leben zwischen 1945 und heute Revue passieren. Für diese Inszenierung suchen wir jüdische Bürger aus aller Welt, die heute in Dresden leben und auf der Bühne aus ihrem Leben erzählen möchten. Das Infotreffen ist am 20. 10.

Am 25. und 26. 10. erzählt der Club der anders begabten Bürger in „... und morgen wird ein neuer Tag“ eigene und fremde sowie wahre und erfundene Geschichten zum Thema Abschied und Neubeginn.

 

Zu Gast im Schauspielhaus

 

Mathias Richling holt in Deutschland to go – das Programm 2014 am 5. 10. wieder das gesamte Polit-Personal von Regierung und Opposition auf die Bühne, stellt es zur Rede, dreht jedes Wort um, bis die Floskeln purzeln und die Hülsen sichtbar werden. Fiktion und Realität verschmelzen, und dieses brisante Gemisch entzündet ein Pointenfeuerwerk, bei dem der Bürger sich lauthals ins Fäustchen lachen darf.

Wiegt ein Leben ein anderes auf? Was macht einen Täter zum Täter? Der Schriftsteller und Jurist Ferdinand von Schirach beschäftigt sich in seinen glänzenden Essays mit den großen Themen unserer Zeit ebenso wie mit ganz persönlichen Gedanken über die Literatur oder das Rauchen. Bestechend, klar und einsichtsvoll. Ferdinand von Schirach liest am 23. 10. aus seinem neu erschienen Essayband Die Würde ist antastbar.

 

Ringvorlesung im Kleinen Haus

Die demokratische Frage neu gestellt

Eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Lehrstuhl Internationale Politik der TU Dresden und dem Staatsschauspiel Dresden am 22. und 29. Oktober und weiter bis zum 4. Februar 2015 im Kleinen Haus

 

Durch die Zäsur der friedlichen Revolution vor 25 Jahren und die anschließenden Transformationsprozesse in Ostdeutschland und -europa wurden Erwartungen und Wünsche an die Demokratie gestellt, die oft nicht im Einklang mit den heutigen Erfahrungen stehen. Die Bandbreite an demokratischen Bestandsaufnahmen attestiert u. a. den Verfall des Bürgers zum bloßen Konsumenten (Jörn Lamla), die steigende Komplexität von politischen Aufgaben und die damit einhergehenden Probleme für die Teilhabe der BürgerInnen (Ingolfur Blühdorn) oder die Unvereinbarkeit von Kapitalismus und Demokratie auf lange Sicht (Wolfgang Streeck). Es gibt Ansätze, die beispielsweise auf Zivilcourage und aktiver Bürgerlichkeit (Sandra Seubert), mehr Beteiligungsmöglichkeiten oder dem Internet als demokratische Plattform basieren. Ziel ist es meist, die BürgerInnen wieder zum Ausgangs- und Mittelpunkt der Demokratie zu machen, damit der Ruf „Wir sind das Volk!“ nicht zu einer leeren Floskel wird. Neben den genannten Referenten erwarten wir Agnés Heller, Aurel Croissant, Christoph Bieber, Danny Michelsen, Klaus Dörre, Ingrid Baringhorst und Günter Frankenberg.

 

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