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"Es schneit im April" - Eine Passion und ein Osterfest vom 7. März – 25. April 2015 im Maxim Gorki Theater"Es schneit im April" - Eine Passion und ein Osterfest vom 7. März – 25...."Es schneit im April" -...

"Es schneit im April" - Eine Passion und ein Osterfest vom 7. März – 25. April 2015 im Maxim Gorki Theater

Zum 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern. --- 2015 ist das Gedenkjahr des Völkermords an den Armeniern vor 100 Jahren. Vor wenigen Wochen hat die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken bekanntgegeben, dass sie keine eigene Gedenkveranstaltung zu diesem Jahrestag plant. Auch wenn sie in dem Schreiben bedauert, dass 1915 das Deutsche Reich bei der Vernichtung der Armenier „eine unrühmliche Rolle“ eingenommen habe: als Kriegsverbündeter des Osmanischen Reiches, als Mitwisser und indem die damalige Reichsregierung Veröffentlichungen darüber unterband. Die Anfrage nimmt auch Bezug auf die Bundestagsresolution von 2005, in der es hieß: „zahlreiche unabhängige Historiker, Parlamente und internationale Organisationen bezeichnen die Vertreibung und Vernichtung der Armenier als Völkermord“. Dennoch beharrt die Bundesregierung in ihrer neuesten Erklärung darauf, dass die Aufarbeitung im 100. Gedenkjahr in erster Linie Sache der betroffenen Länder Türkei und Armenien sei.

 

Dass dieser Völkermord Teil der deutschen Geschichte ist, das deutsche Kaiserreich als Mitwisser und teilweise Unterstützer in die planmäßige Vernichtung der armenischen Christen involviert war, ist immer noch wenigen bekannt. Diese Verstrickung ergründet das Gorki in seiner Themenreihe „Es schneit im April – Ein Passion und ein Osterfest“ (7. März – 25. April 2015). Und es erzählt darüber hinaus über 40 Tage und ein Osterfest lang in Theaterstücken, Performances, Filmpräsentationen, Konzerten, Lecture Performances und Vorträgen von Erinnern und Überleben als Widerstand, von Leid und Leidenschaft. Dafür wurden zahlreiche KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt ans Gorki eingeladen, um ihre persönlichen Perspektiven auf die armenische Geschichte und das Überleben zu präsentieren.

 

Das Gorki zeigt auf der großen Bühne Hans-Werner Kroesingers Projekt Musa Dagh –Tage des Widerstands nach Franz Werfels Roman und das dokufiktionale Musiktheater Komitas von Marc Sinan. Außerdem hat der Filmemacher Fred Kelemen eine Filmreihe zum Thema kuratiert, die weltweit das umfangreichste Programm im Gedenkjahr präsentiert. Der international bekannte Kinoregisseur Atom Egoyan zeigt erstmals in Berlin seine Installation Auroras und präsentiert den preisgekrönten Film Ararat. Die armenisch-kanadische Schauspielerin Arsinée Khanjian ist mit einer szenischen Einrichtung zu Gast, aus den USA reist der Avantgarde-Jazz-Folk-Multiinstrumentalist und Grammy-Gewinner Arto Tunçboyacıyan mit seiner Band an. Zu den weiteren Gästen zählen unter anderem der Historiker Wolfgang Gust, der Publizist Jürgen Gottschlich, der Choreograph und Tänzer Mihran Tomasyan aus Istanbul sowie die Filmemacherin Lusin Dink, Nichte des 2007 ermordeten Hrant Dink.

 

Programm

 

Eröffnung am 7. März:

16.30 Uhr Vorplatz: Videoinstallation Auroras von Atom Egoyan

 

16.30 Uhr Foyers: Ausstellung, kuratiert von Silvina Der-Meguerditchian

Studiofoyer: Videoinstallation von Ezgi Kılınçaslan

 

17.00 Uhr Studio Я: Eröffnung der Filmreihe ANRUFUNG – Ein filmisches Memorial, kuratiert von Fred Kelemen

Ravished Armenia: Der erste Film über den Völkermord (R: Oscar Apfel, USA 1919)

Grandma’s Tattoos: Dokumentarfilm (R: Suzanne Khardalian, SE 2011)

 

19.00 Uhr Bühne: Keynote des syrisch-armenischen Journalisten Harout Ekmanian

 

Premiere: Musa Dagh - Tage des Widerstands

Ein Projekt von Hans-Werner Kroesinger nach dem Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh von Franz Werfel

 

Mit: Judica Albrecht, Marina Frenk, Ruth Reinecke, Falilou Seck, Armin Wieser, Till Wonka

Regie: Hans-Werner Kroesinger, Bühne+Kostüm: Valerie von Stillfried, Musik: Daniel Dorsch

 

22.00 Uhr Palais: Lecture Performance: Komitas und Marc Sinan

Marc Sinan erzählt in Musik und Bildern vom Leben des armenischen Komponisten Komitas

 

22.00 Uhr Studio Я: Konzert von und mit dem Violinisten Chatschatur Kanajan

 

****

 

2. April – 6. April 2015

 

2.4. ab 19 Uhr

Einführung von Thomas Krüger (Präsident bpb, Bonn) / Keynote von Arsinée Khanjian (Schauspielerin, Toronto) / Keynote von Osman Kavala (Vorsitzender Anadolu Kültür,

Istanbul) u.a.

 

3.4. ab 16 Uhr

Filmscreening und Gespräch mit Atom Egoyan (Filmregisseur, Toronto) / Gespräch mit Nuran David Calis (Regisseur, München) / Gespräch mit Ischchan Tschiftdschjan (Theologe, Hamburg) u.a.

 

4.4. ab 16 Uhr

Vorträge zur deutschen Verantwortung von Wolfgang Gust (Publizist, Köln), Jürgen Gottschlich (Publizist, Istanbul) und Christin Pschichholz (Historikerin, Potsdam) / Konzert von Arto Tunçboyacıyan mit dem Ensemble 1TO3+ (Percussion, New York) / Filmscreening und Gespräch mit Lusin Dink (Filmregisseurin, Istanbul) / Tanzperformance von Mihran Tomasyan (Choreograph, Istanbul) u.a.

 

5.4. ab 16 Uhr

Konzert von Alina Manoukian (Sängerin, Hamburg) / Vortrag von Osman Okkan (Filmemacher, Köln) / Filmpreview 1915 und Gespräch mit Garin Hovannisian (Filmregisseur, Los Angeles) u.a.

 

6.4. ab 16 Uhr

Film und Vortrag von Eric Nazarian (Regisseur, Los Angeles) / Performance von Silvina Der-Meguerditchian / Konzert des Oud-Musikers Udi Yervant und Gespräch mit Şeyhmus Diken (Diyarbakır) u.a.

 

Premiere: Komitas (17. April, 19.30 Uhr)

Dokufiktionales Musiktheater von Marc Sinan

Mit: Sesede Terziyan MusikerInnen: Sascha Friedl, Ayumi Paul, Maria Schneider, Benjamin Schwarz, Marc Sinan

Regie und musikalische Leitung: Marc Sinan, Bühne: Filip Zorzor, Kostüme: Isabel Vollrath, Video: Adrian Figueroa

 

Gedenken von 23.4.-25.4.

u.a. mit Kim Seligsohn (Sängerin, Berlin) / Konzert des Oud-Spielers und Komponisten Ara Dinkjian und dessen Vater, dem Sänger Onnik Dinkjian (New York/Istanbul)

Gastspiele im Studio Я:

 

HISTORY TILT Konzept und Regie: Hans-Werner Kroesinger: 12.3.-15.3.

Aghet 99+1 = 100 Ein Dokumentar-Theaterprojekt über Völkermord von Karnik Gregorian und Bülent Kullukcu: 9.4 und 10.4.

 

FAMILYTREES Tanzperformance von Çıplak Ayaklar Kumpanyası Istanbul und Theater Freiburg:11.4. und 12.4.

Es schneit im April – Eine Passion und ein Osterfest wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin

 

Das Osterfest wird zusätzlich unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung

Komitas ist eine Koproduktion des Maxim Gorki Theaters mit der Marc Sinan Company, im Auftrag des Festivals TONSPUREN

 

Das detaillierte Programm zum Osterfest finden Sie ab 24.2. auf www.gorki.de

 

Karten erhältlich unter: www.gorki.de oder ticket@gorki.de, Kartentelefon: 030 20221-115

 

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