Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Eugene O’Neill, EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT, Staatstheater Mainz Eugene O’Neill, EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT, Staatstheater Mainz Eugene O’Neill, EINES...

Eugene O’Neill, EINES LANGEN TAGES REISE IN DIE NACHT, Staatstheater Mainz

Premiere am 5. Dezember 2008, Kleines Haus

 

Der Vater, einst ein bejubelter Schauspieler, hat um des finanziellen Erfolgs willen sein Talent verraten und tyrannisiert nun mit zwanghaftem Geiz die Familie.

Die Mutter, von ihrem Mann um Liebe und Geld betrogen, ist labil und tablettensüchtig. Der älteste Sohn sucht die fehlende familiäre Geborgenheit in Bars und Bordellen, und der jüngere, schwer erkrankt, verfällt zunehmend der Alkoholsucht ...

 

In seinem autobiographisch gefärbten Stück „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ entlarvt Eugene O’Neill die schicksalhafte Verstrickung der Mitglieder der Familie Tyrone, indem er unbarmherzig alle Nervenenden bloßlegt: Jeder einzelne betrügt und quält die anderen im verzweifelten Versuch, die Schuld am eigenen Dilemma auf die Angehörigen abzuwälzen. Unentwegt weichen alle der Wahrheit aus, finden zu keiner Form gemeinsamer Kommunikation. Trotzdem wird immer deutlicher, dass jeder seinen Teil zum tragischen Schicksal der Familie beigetragen hat.

 

Über die Tragödie der Familie Tyrone hinaus zeichnet O’Neill in seinem Stück das Bild einer Gesellschaft, in der Erfolg und soziales Prestige alles sind, das Scheitern ausgeblendet wird, und in der kein Raum bleibt für individuelle Lebensentwürfe.

 

Schirin Khodadadian, geboren in Bergisch-Gladbach, bekam für ihre Inszenierung von Theresia Walsers Stück „So wild ist es in unseren Wäldern schon lange nicht mehr“ am Staatstheater Kassel 2005 den Förderpreis für Regie der Deutschen Akademie für Darstellende Künste. Die Zusammenarbeit mit der Autorin Theresia Walser setzte sie mit der Uraufführung „Die Liste der letzten Dinge“ am Bayerischen Staatsschauspiel 2006 und der Uraufführung „Morgen in Katar“ am Staatstheater Kassel 2008 fort. Sie inszenierte außerdem am Schauspiel Bonn und am Niedersächsischen Staatstheater Hannover. Am Staatstheater Mainz zeigte sie bereits Shakespeares „Sommernachtstraum“ und Schillers „Die Jungfrau von Orleans“.

 

Inszenierung Schirin Khodadadian

Bühne und Kostüme Carolin Mittler

Musik Johannes Winde

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 10 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑