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F.I.N.D.10: Die drei Amerikas - Stimmen aus der Neuen Welt in der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

Das FIND, Festival für Internationale neue Dramatik findet vom 3. bis zum 7. März 2010 an der Schaubühne Berlin statt. Anlässlich des 200. Jahrestages des Beginns der lateinamerikanischen Bürgerkriege geht es diesmal um die „Drei Amerikas". Mit Gastspielen von Rodrigo García, Wajdi Mouawad, Rafael Spregelburd und Patrick Wengenroth, szenischen Lesungen neuer Stücke aus Lateinamerika, USA und Kanada und einer täglichen argentinischen Theater-Soap „Bizarra" im Fitnesscenter am Adenauer-Platz.

 

Vor 200 Jahren begannen die Unabhängigkeitskämpfe in den spanischen Kolonien in Amerika. Von Argentinien bis Mexiko entstanden neue Nationen, die in der Folge einen wechselvollen und komplexen Kampf um die demokratische, ökonomische und kulturelle Selbstbestimmung in Auseinandersetzung mit Europa und den englischsprachigen Nordamerikanern ausfochten und es bis auf den heutigen Tag tun. Die Neue Welt, der amerikanische Kontinent, für die europäischen Eroberer und Einwanderer ein gelobtes Land, für die indigene Bevölkerung und die versklavten Afrikaner eine Hölle, ist heute erstmalig fast vollständig demokratisch regiert. Die sozialen, ökonomischen und kulturellen Konflikte, die aus der komplexen Migrationsgeschichte des Kontinents resultieren, werden heute offen ausgetragen. Diese Debatten um Entkolonialisierung und Identität – und um die Lösung extremer sozialer Gegensätze – machen diesen Erdteil zum Laboratorium für die Auseinandersetzung um die zukünftige ökonomische und politische Verfasstheit der neuen globalisierten Welt.

 

Das Theater als traditionelles Medium zur kritischen Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen Verhältnissen bringt im Kampf um Reinheit oder Vermischung und um Integration oder Ausgrenzung zwischen Eingesessenen und Zugewanderten immer wieder einzigartige Stimmen und Formen hervor, die das Theater und seine Literatur erneuern. Während der Einfluss des amerikanischen Dramas auf das europäische Theater traditionell stark ist, erhält gerade die Dramatik in spanischer und französischer Sprache im letzten Jahrzehnt zunehmend innovative Impulse aus den ehemals kolonialisierten Gebieten. Insbesondere in Québec, Argentinien und in Mexiko ist eine reiche zeitgenössische Theaterkultur entstanden.

 

F.I.N.D. 10 »Die drei Amerikas« rückt diese neue Welt nun in den Fokus seiner Recherche der unterschiedlichen lateinamerikanisch, angelsächsisch und frankophon geprägten Theatertraditionen des Kontinents. Im Rahmen des Festivals präsentiert die Schaubühne Gastspiele von Theatermachern wie dem in Argentinien geborenen Spanier Rodrigo García, dem im Libanon geborenen Frankokanadier Wajdi Mouawad oder dem Argentinier mit deutschen Wurzeln Rafael Spregelburd. Außerdem werden neue Stücke aus den USA, aus Mexiko und Chile in szenischen Lesungen vorgestellt. Patrick Wengenroth beschäftigt sich in seinem neuen Projekt aus europäischer Perspektive mit »The Americas –War of the Worlds«. Diesem Thema widmet sich ebenfalls der Streitraum Spezial »Die Amerikas« mit den Gästen Daniel Link, Marcia Pally, Rafael Spregelburd und Edgar Chías. Traditionell endet das Festival mit der Präsentation des Gewinners des Stückewettbewerbs der Schaubühne.

 

Hier finden Sie das vollständige Programm des diesjährigen F.I.N.D.-Festvals:

 

www.schaubuehne.de

de.youtube.com/schaubuehne

de.myspace.com/schaubuehne_berlin

 

Sponsoren F.I.N.D.10

Gefördert von:

Haupstadtkulturfonds

www.hauptstadtkulturfonds.berlin.de...

Bundeszentrale für politische Bildung

www1.bpb.de/

Mit freundlicher Unterstützung von: Goethe Institut Mexiko, www.goethe.de

Institut Francais www.institut-francais.fr/

Medienpartner:

Zitty

www.zitty.de/

die tageszeitung

www.taz.de/

RadioEins

www.radioeins.de/

Pick Me Berlin

www.primeline-berlin.de/sit...

 

Zur Geschichte des Festivals

Im November 2008 fand an der Schaubühne das achte Festival Internationale Neue Dramatik F.I.N.D. 8 mit dem »Fokus Palästina« statt, in dessen Zentrum die Auseinandersetzung mit der palästinensischen Theaterszene stand.

Durch die Präsentation von Theaterstücken und Theaterformen aus Palästina sowie die intensive Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern wurde der Versuch unternommen, sich der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer äußerst brisanten Lebenswirklichkeit zu stellen.

 

Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen für palästinensische Künstler ist neben dem arabisch-hebräischen Theater in Israel auch im Westjordanland eine interessante Theaterlandschaft entstanden. Die Theaterschaffenden haben sehr unterschiedliche Möglichkeiten entwickelt, sowohl mit der alltäglichen politischen Situation als auch mit den Konflikten und Brüchen innerhalb der eigenen Gesellschaft künstlerisch umzugehen. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld der Ideologien, Kulturen und Religionen – der Tradition und Moderne.

Der »Fokus Palästina« setzte somit die äußerst erfolgreiche und fruchtbare Präsentation israelischen Theaters im März 2007 an der Schaubühne fort.

 

Der Fokus von F.I.N.D. 7 lag auf neuen Stücken aus Israel. Die israelisch-palästinensische Region ist einer der weltpolitisch brisantesten Krisenherde, der aus historischer Perspektive eng mit der deutschen Vergangenheit verwoben ist. Dies war der Ausgangspunkt unserer Beschäftigung mit neuen Stücken aus dem Nahen Osten. Präsentiert wurden u.a. Stücke von Ido Bornstein, Hillel Mittelpunkt und Yael Ronen, die im folgenden Jahr die deutsch-israelisch-palästinensische work-in-progress- Produktion »Dritte Generation« erarbeitete.

 

F.I.N.D. 6 stand unter dem Motto »Orient Express« und präsentierte die junge Theaterszene aus Budapest, Bukarest, Sofia und Istanbul. Neben szenischen Lesungen schrieben internationale Autoren für das von der Schaubühne konzipierte Projekt „Orient Express“ Geschichten über eine fiktive transeuropäische Zugreise. Zu Gast waren außerdem Autoren aus Frankreich und England. Falk Richter präsentierte sein neues Stück »Ausnahmenzustand«.

 

Den Schwerpunkt von F.I.N.D. 5 bildete die zeitgenössische Dramatik aus Asien. Wir präsentierten Stücke, Gastspiele, Autoren und Regisseure u.a. aus Japan, China und Singapur. Als wiederkehrendes Thema tauchte das Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne auf. Aus westlicher Perspektive beleuchteten Stücke und Gastspiele aus Kanada, Schottland, England und Argentinien die Lebensbedingungen der modernen Großstadt.

 

F.I.N.D. 4 im Januar 2004 stand unter dem Motto »Unsere Art zu Leben« und setzte sich mit den Phänomenen von Gewalt, Krieg, Ökonomie und Mediendemokratie in der Gegenwart und in der jüngsten Vergangenheit auseinander und den damit verbundenen Konsequenzen für das Individuum. Wir präsentierten neue deutsche Stücke von u.a. Marius von Mayenburg und Franz Xaver Kroetz, neue Stücke aus Australien und England und zeigten Gastspiele aus Schweden, Spanien und Norwegen.

 

F.I.N.D. 3 im Januar 2003 hatte vier Schwerpunkte: Amerika, Skandinavien, das holländisch/flämische Theater und neueste deutsche Stücke. In szenischen Lesungen wurden Stücke aus Island und Schweden vorgestellt. Zu Gast waren Theatergruppen aus Belgien, Holland, Schottland und Spanien.

 

Beim F.I.N.D. 2 im Dezember 2001 vertieften sich bereits im ersten Jahr geschlossene Kontakte: für die Einrichtung der szenischen Lesungen von neuen Stücken wurden Regisseure aus Australien, England und Litauen eingeladen, um sie mit Theatertexten u.a. aus Japan, Finnland und Amerika und dem Ensemble der Schaubühne zusammenzuführen. Vier Schauspieler fuhren zum Kretakör Theater in Budapest, um dort mit ungarischen Schauspielern und dem Regisseur Arpad Schilling ein Phädra-Projekt zu erarbeiten. Außerdem waren Produktionen aus Kroatien (Theater ITD/Zagreb) und Spanien (La Carnicería Teatro/Madrid, Leitung Rodrigo García) an der Schaubühne zu Gast.

 

F.I.N.D. 1 im November 2000 an der Schaubühne setzte die Zusammenarbeit mit international renommierten Autoren und Theatergruppen fort, die bereits an der Baracke am Deutschen Theater begonnen hatte. Das Festival präsentierte Entdeckungen und Entwicklungen der internationalen Gegenwartsdramatik in szenischen Lesungen von Stücken u.a. aus Frankreich, den USA und England und in internationalen Gastspielen von u.a. der Theatergruppe ZT Hollandia unter der Leitung von Johan Simons und des russischen Autors und Schauspielers Jewgeni Grischkowez.

 

Die Baracke am Deutschen Theater und die »Wochen Neuer Internationaler Dramatik«:

 

Als Thomas Ostermeier und Jens Hillje 1996 die Künstlerische Leitung der Baracke am Deutschen Theater in Berlin übernahmen, begannen sie bald darauf mit der Vorstellung von neuen internationalen Stücken. In kleineren Festivals, den »Wochen Neuer Internationaler Dramatik«, stellten sie die neue französische, englische, amerikanische und russische Dramatik in szenischen Lesungen vor. Kleinere Gastspiele aus z.B. England, Frankreich und Russland ergänzten das Programm dieser Festivals. Insgesamt gab es von 1996 bis 1999 an der Baracke sechs solcher Mini-Festivals. Diese »Wochen der neuen Dramatik« verschafften dem deutschsprachigen Publikum Zugang zu bislang unbekannten Autoren und Stücken, die Eingang in zahlreiche Spielpläne deutschsprachiger und europäischer Theater fanden. Sie trugen in einem erheblichen Umfang dazu bei, der zeitgenössischen internationalen Dramatik einen neuen Stellenwert zu geben.

 

F.I.N.D. im Spielplan

Aus dem internationalen Zusammentreffen von Autoren, Regisseuren und Schauspielern im Rahmen des F.I.N.D. gehen Projekte und Inszenierungen hervor, die Schwerpunkte des Spielplans der Schaubühne bilden.

 

Die Entdeckungen des Festivals und die Arbeit an den neuen Stücken führten in den vergangenen Spielzeiten zu zahlreichen Uraufführungen und deutschsprachigen Erstaufführungen. Eine Auswahl an aus den Festivals resultierende Produktionen und Projekten:

 

Im März 2009 hatte die deutsch-israelisch-palästinensische work-in-progress- Produktion »Dritte Generation von« Yael Ronen Premiere. Ronens Stücke wurden beim 7. F.I.N.D. mit Schwerpunkt Israel präsentiert.

 

Im November 2007 hatte Falk Richters neues Stück »Im Ausnahmezustand« Premiere. Falk Richter, seit der Spielzeit 2006/07 fester Hausregisseur an der Schaubühne, hatte sein Stück in einer ersten Fassung im Rahmen von F.I.N.D. 6 als szenische Lesung eingerichtet.

 

Des Weiteren kam es zur Erstaufführung von Debbie Tucker Greens Stück »Stoning Mary «. Der Australische Regisseur Benedict Andrews, der seit F.I.N.D. 3 kontinuierlich an der Schaubühne arbeitet, hat das Stück beim letzten Festival eingerichtet und im Frühjahr 2007 an der Schaubühne inszeniert. Beim Festival 2007 wurde das Stück »Trade« von Debbie Tucker Green vorgestellt.

 

2006 hatte die deutschsprachige Erstaufführung von Mark Ravenhills neuem Stück »Das Produkt « Premiere, eingerichtet von Thomas Ostermeier. Die Uraufführungsinszenierung des Stücks war im Rahmen von F.I.N.D. 6 mit Mark Ravenhill in der Hauptrolle zu sehen.

 

Im Oktober desselben Jahres wurde Christoph Nußbaumeders neues Stück »Liebe ist nur eine Möglichkeit« von Thomas Ostermeier uraufgeführt. Christoph Nußbaumeder hat mit seinem ersten Stück „Mit dem Gurkenflieger in die Südsee“ den 2. Stückewettbewerb der Schaubühne am Lehniner Platz gewonnen. Thomas Ostermeier präsentierte es im Rahmen von F.I.N.D. 5.

 

Weitere Beispiele sind: »Eldorado« und »Das kalte Kind« von Marius von Mayenburg (2004/05 und 2002/03), »Die Dummheit« von Rafael Spregelburd (2004/05), »Electronic City« von Falk Richter (2003/04), »Suburban Motel« von George F. Walker (2003/04), »Supermarket « von Biljana Srbljanovic (2001/02), »Fluchtpunkt« von Jessica Goldberg (2000/01) und »Das ist ein Stuhl« von Caryl Churchill (2000/01).

 

Die intensive Zusammenarbeit mit Autoren im Rahmen des F.I.N.D. hat dazu beigetragen, Autoren wie u.a. Sarah Kane, Jon Fosse, Biljana Srbljanovic Caryl Churchill und Richard Dresser im deutschen Sprachraum zu etablieren.

 

 

 

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