Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Faust" von Charles Gounod - Frank Castorf inszeniert erstmals Oper in Stuttgart"Faust" von Charles Gounod - Frank Castorf inszeniert erstmals Oper in..."Faust" von Charles...

"Faust" von Charles Gounod - Frank Castorf inszeniert erstmals Oper in Stuttgart

Premiere: 30. Oktober 2016, um 18 Uhr im Opernhaus. -----

Mitte des 19. Jahrhunderts war man in Frankreich fasziniert von der Faust-Legende. Es entstanden Rührstücke, Komödien und Zauberstücke auf Basis von Goethes Drama. Charles Gounod folgte diesem Trend und komponierte 1859 eine Oper, die sich auf die Liebesgeschichte zwischen Faust und Gretchen konzentriert.

Faust ist hier kein Wissenschaftler, der über die menschliche Erkenntnismöglichkeit meditiert, sondern ein einsamer Mann auf der Suche nach Liebe: „Anders als beim deutschen Welterklärer Goethe interessiert sich der französische Faust von Gounod nicht für Helena, sondern für das schöne Gretchen am Spinnrad, das mit Schmuck und Luxus beeinflussbar ist. Das ist nicht die deutsche Schwermut – es geht darum, das Leben zu genießen“, so Regisseur Frank Castorf. „Paris um 1860 steht für etwas Neues, den Aufbruch, für Mode und Luxus – aber eben auch für Entpolitisierung des Bürgertums. Die Forderungen der französischen Revolution wurden nicht umgesetzt. In Anbetracht dieser Situation ist der Teufel derjenige, der einen guten Lebensstandard ermöglicht. Und unter dem Überzug der Wohlanständigkeit Gretchens brodelt die Hölle des Triebes.“

 

In Gounods Version bekommen darüber hinaus Nebenfiguren wie Gretchens Bruder Valentin und Fausts Schüler Siebel mehr Gewicht und erlauben es, die jedem deutschen Abiturienten vertraute Geschichte aus neuer Perspektive zu erleben: Französische Kriegsbegeisterung vermischt sich mit einem unerfüllbaren Ideal von „Unschuld“; simple Freude an Theaterzauberei trifft auf eines der tiefsinnigsten Dramen der Literaturgeschichte; eine intime Liebesgeschichte wird zur großen Choroper.

 

In Stuttgart war Charles Gounods Oper Faust zuletzt im Jahr 1952 in einer Neuinszenierung zu sehen. Nun präsentiert Frank Castorf, einer der wirkungsmächtigsten Regisseure des Gegenwartstheaters, über 60 Jahre später am Sonntag, 30. Oktober 2016, um 18 Uhr mit seiner Inszenierung dem Stuttgarter Publikum eine neue Sicht auf das Werk. Frank Castorf wird damit erstmals eine Oper in Stuttgart inszenieren. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Marc Soustrot. Die Bühne entwirft Aleksandar Denić, Adriana Braga Peretzki zeichnet für die Kostüme verantwortlich. Beide verbindet eine langjährige und überaus erfolgreiche künstlerische Partnerschaft mit Castorf; u. a. arbeitete das Trio bei Castorfs Neuinszenierung von Wagners Ring des Nibelungen bei den Bayreuther Festspielen 2014 und bei seiner vielbeachteten Neuinszenierung von Andrej Platonows Revolutionsroman Tschewengur am Schauspiel Stuttgart im Jahr 2015 zusammen.

 

Die Neuproduktion von Gounods Faust ist hochkarätig besetzt: Neben Iris Vermillion als Gast in der Rolle der Marthe Schwerdtlein debütieren die Stuttgarter Ensemblemitglieder Mandy Fredrich als Margarethe, Atalla Ayan als Faust, Adam Palka als Mephistopheles und Gezim Myshketa als Valentin.

 

Musikalische Leitung Marc Soustrot

Regie Frank Castorf

Bühne Aleksandar Denić

Kostüme Adriana Braga Peretzki

Licht Lothar Baumgarte

Video-Liveschnitt Martin Andersson

Chor Johannes Knecht

Dramaturgie Ann-Christine Mecke

 

Besetzung

Faust Atalla Ayan

Mephistopheles Adam Palka

Valentin Gezim Myshketa

Wagner Michael Nagl

Margarethe Mandy Fredrich

Siebel Sophie Marilley / Josy Santos (11. | 17. Nov)

Marthe Schwerdtlein Iris Vermillion / Fredrika Brillembourg (21. | 30. Jan)

Staatsopernchor Stuttgart

Staatsorchester Stuttgart

 

Weitere Vorstellungen: 03. | 06. | 11. | 17. November 2016 || 16. | 21. | 30. Januar 2017

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑