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Franz Schrekers "Der ferne Klang" im Theater Augsburg Franz Schrekers "Der ferne Klang" im Theater Augsburg Franz Schrekers "Der...

Franz Schrekers "Der ferne Klang" im Theater Augsburg

Premiere 28. Februar 2010 um 19.00 Uhr

 

"Der ferne Klang erzählt" von der Suche nach der Musik und der Suche nach dem Leben – im Drama um eine jungen Frau, die aus der Enge ihres Elternhauses flieht, und einen jungen Komponisten, der über dem Traum vom Klang das Leben versäumt, hat Schreker als Künstler zu sich selbst gefunden.

Die Uraufführung 1912 in Frankfurt am Main machte Franz Schreker mit einem

Schlag berühmt: Das Publikum war fasziniert von der Sinnlichkeit und dem

Farbenreichtum seiner Musik, der psychologischen Durchdringung der Figuren.

Bis Mitte der 20er Jahre galt Schreker als der erfolgreichste lebende

deutsche Opernkomponist, doch ab 1933 wurde seine Musik als„entartet“

gebrandmarkt.

 

„Der ferne Klang“ ist ein Schlüsselwerk des frühen 20. Jahrhunderts, der Komponist Franz Schreker (1878–1934) ist aus politischen wie ästhetischen Gründen eine paradigmatische Gestalt, in deren Schicksal die Geschichte einer ganzen Komponistengeneration schlaglichtartig erhellt wird. Bis Ende der zwanziger Jahre war er der erfolgreichste lebende Opernkomponist

Deutschlands, seine Werke (darunter Die Gezeichneten, Der Schatzgräber, Das Spielwerk und die Prinzessin, Der singende Teufel) wurden öfter gespielt als die von Richard Strauss. Der Musikschriftsteller Paul Bekker pries ihn als erste wirkliche Alternative zu Richard Wagner. Mit Arnold Schönberg verband ihn eine enge Arbeitsbeziehung, Alban Berg fertigte den Klavierauszug zum „Fernen Klang“ an.

 

Seit 1920 war Schreker Direktor der Berliner Musikhochschule, er bekleidete damit das prominenteste und einflussreichste Amt der Musikausbildung im Deutschen Reich. In dieser Funktion berief er viele wichtige avantgardistische Musiker als Dozenten nach Berlin. Franz Schreker war Jude und schon während der Weimarer Zeit bekam er entsprechende Ressentiments zu spüren. Alfred Preuss nannte ihn „den Alberich des deutschen Musiklebens“ und warf ihm „Verbrechen gegen die deutsche Seele“ vor.

 

Bereits 1932 wurde er auf Druck aus NS-Kreisen aus seinen Ämtern vertrieben, 1934 starb er verbittert in Berlin. Im Katalog zur Ausstellung „Entartete Musik“ war 1938 unter seinem Bild der Satz zu finden: „Schreker war der Magnus Hirschfeld unter den Opernkomponisten. Es gab keine sexual-pathologische Verirrung, die er nicht unter Musik gesetzt hätte.“ Bei aller Infamie enthielt diese Bemerkung einen wahren Kern. Magnus Hirschfeld war der Begründer des weltberühmten Berliner Instituts für Sexualforschung, das 1933 von den Nationalsozialisten sofort zerschlagen wurde. Die Nazis wussten, wer ihrer Blut-und-Boden-Ideologie am gefährlichsten war. Franz Schreker gelang es, von den Erkenntnissen Freuds inspiriert, mit musikalischen Mitteln in bis dahin unerhörte und unausgelotete seelische Tiefenschichten vorzustoßen.

 

Seine irisierende, reiche, manchmal üppige Klangsprache ist von Debussy genauso beeinflusst wie vom frühen Schönberg der „Gurrelieder“ und hat bis heute nichts von ihrer Sogwirkung auf die Zuhörer verloren. Doch gerade sie machte es seinen Werken auch nach 1945 schwer, wieder ins Bewusstsein zu dringen. Erst in den 1970er Jahren setzte sich die Erkenntnis durch, dass Schrekers oft filmische Montagetechnik, das faszinierende Changieren zwischen spätromantischer Harmonik und Klangsprache und den Grenzen der Tonalität, sein ganz eigener Umgang mit motivischer Entwicklung, einen eigenständigen Weg neben der zweiten Wiener Schule beschritt.

 

Ein wichtiger Meilenstein der Schrekerrenaissance war 1979 die Aufführung der

„Gezeichneten“ an der Oper Frankfurt, in der Regie von Hans Neuenfels. Mit Michael Gielen nahm sich einer der bedeutendsten zeitgenössischen Dirigenten der Musik Schrekers an und ließ die Modernität dieser Partitur zum Klangereignis werden. Seitdem erobert sich Schreker nach und nach seinen Platz im Repertoire zurück. Dabei stellen seine Werke auch heute noch

für jedes Operntheater eine große Herausforderung dar. Die Realisierung seiner komplexen musikalischen und szenischen Anforderungen verlangt die Bündelung aller Kräfte eines Hauses.

 

Das Theater Augsburg hat sich in den letzten zwei Spielzeiten unter der

Leitung von Intendantin Juliane Votteler und Operndirektor Ralf Waldschmidt

schon mehrfach mit wichtigen Werken abseits des üblichen Repertoires

erfolgreich befasst. Gemeinsam mit dem neuen Generalmusikdirektor Dirk

Kaftan wurde „Der ferne Klang“ in monatelanger musikalischer Arbeit

vorbereitet. Die Regie hat anstelle des erkrankten Nicholas Broadhurst nun

Renate Ackermann übernommen.

 

Libretto vom Komponisten

 

Musikalische Leitung Dirk Kaftan / Kevin John Edusei

Inszenierung Renate Ackermann

Bühne und Kostüme Timo Dentler und Okarina Peter

Choreinstudierung Karl Andreas Mehling

Dramaturgie Ralf Waldschmidt

 

Der alte Graumann, pensionierter kleiner Beamter .. Eckehard Gerboth

Seine Frau .............................................................. Wilhelmine Busch

Grete, beider Tochter.............................................. Sally du Randt

Fritz, ein junger Künstler ......................................... Mathias Schulz

Der Wirt des Gasthauses zum „Schwan“ ................ Markus Hauser

Ein Schmierenschauspieler...................................... Jan Friedrich Eggers

Dr. Vigelius, ein Winkeladvokat .............................. Stephen Owen

Ein altes Weib......................................................... Kerstin Descher

Mizzi, Tänzerin....................................................... Isabel Blechschmidt

Milli, Tänzerin ........................................................ Stephanie Hampl

Mary, Tänzerin ....................................................... Jasmin Hörner

Eine Spanierin......................................................... Maria Theresia Jakob

Der Graf ................................................................. Seung-Gi Jung

Der Baron .............................................................. Jan Friedrich Eggers

Der Chevalier ......................................................... Seung-Hyun Kim

Rudolf, Fritzens Freund und Arzt............................. Jan Friedrich Eggers

1. Chorist ............................................................... Gerhard Werlitz

Kellnerin................................................................. Stephanie Hampl

Ein zweifelhaftes Individuum.................................. Roman Payer

Ein Polizist .............................................................. Markus Hauser

Gäste ...................................................................... Chor

Choristin und Choristen.......................................... Chor

Chor und Statisterie des Theaters Augsburg

Philharmonisches Orchester Augsburg

 

Weitere Termine:

3., 14., 28. März, 6., 16. April und 8. Mai 2010

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