Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Georg Büchner: Dantons Tod in WürzburgGeorg Büchner: Dantons Tod in WürzburgGeorg Büchner: Dantons...

Georg Büchner: Dantons Tod in Würzburg

Erweiterte Montage unter Verwendung von biblischen, politischen und aktuellen Texten

Premiere: 22. September 2007 | 19:30 Uhr | Mainfranken Theater | Großes Haus

 

Georg Danton, einst einer der Hauptaktivisten der Französischen Revolution, ist desillusioniert und verbringt mittlerweile mehr Zeit im Bordell als in den politischen Ausschüssen.

 

Vier Jahre nach Ausbruch der Revolution sind in seinen Augen die Prinzipien der Revolution zu inhaltsleeren Schlagworten verkommen. Forciert durch seine einstigen Mitstreiter Robespierre und St. Just landet er schließlich selbst vor dem Revolutionstribunal. Er wird, zusammen mit seinen Getreuen, zum Tode

durch die Guillotine verurteilt.

 

Die Französische Revolution entlässt die Menschen nicht nur in eine politische und soziale Freiheit, sondern auch in eine religiöse und weltanschauliche, die zunächst überfordert. Der Neuordnungsversuch der Gesellschaft mündet in Chaos, in der Gleichzeitigkeit und der Gleichgültigkeit aller Lebensäußerungen. Wenn die Demokratie trotz allem aber die beste aller möglichen Staatsformen ist, muss sie verteidigt werden. Nur: Welche Mittel darf sie zu ihrem Selbstschutz bemühen? Darf / muss sie ihre Gegner töten, wenn nötig auch mit undemokratischen Mitteln? Und wer bestimmt schließlich, wer Feind ist und wer Freund?

 

Schauspieldirektor Bernhard Stengele transferiert in seiner Inszenierung die poetische Bildgewalt von Büchners Sprache in ein syn-ästhetisches Bild des allgemeinen Chaos und der Meinungsvielfalt. In der von ihm selbst erstellten Textfassung erweitert er das von Büchner entwickelte Montageverfahren, der

in seinem 1835 erschienenen Drama Originalzitate aus Reden der Revolutionäre und Zitate aus Geschichtswerken zu einem hochpoetischen, komplexen Text zusammenfügte, um Bibelzitate und aktuelle (gesellschafts-)politische Äußerungen.

 

Büchner schrieb sein Drama, eigenen Aussagen zu folge in „höchstens fünf Wochen“ von der Zensur stark gekürzt und um zahlreiche sexuelle „Eindeutigkeiten“ gestrichen, schildert es die letzten beiden Wochen vor der Hinrichtung Georg Dantons. In der Anlage des Stückes weicht Büchner selbst von der Chronologie der Ereignisse ab und ordnet sie den dramaturgischen Erfordernissen unter.

 

Inszenierung: Bernhard Stengele

Bühne: Gesine Pitzer

Kostüme: Dana Horvat-Schaller

Bühnenmusik: Paul Amrod, Katia Bouscarrut und Ensemble

Dramaturgie: Petra Paschinger

Licht: Jochen Kuhn

 

Deputierte des Nationalkonvents:

Georg Danton Klaus Müller-Beck

Lacroix Andreas Anke

Camille Desmoulins Christian Manuel Oliveira

 

Mitglieder des Wohlfahrtausschusses:

Robespierre Kai Christian Moritz

St. Just Christian Higer

 

Julie, Dantons Gattin Maria Vogt

Lucile, Gattin des Camille Desmoulins Katharina Ries

 

Grisetten:

Marion Anne Simmering

Rosalie Katia Bouscarrut a.G.

 

Hommes

Max De Nil, Rainer Appel a.G.

 

Volk Maria Vogt, Katharina Ries,

Kai Markus Brecklinghaus,

Philipp Reinheimer

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑