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Grosses Premierenwochenende (6 Premieren) zur Eröffnung der Schauspielintendanz Armin Petras am Schauspiel Stuttgart

25. bis 27. Oktober 2013. -----

1. Freitag, 25. Oktober 2013, 19.30 Uhr, Schauspielhaus: "Urgötz" von Johann Wolfgang von Goethe. Den Urgötz hat der 22-jährige Goethe in nur sechs Wochen geschrieben. Die Urfassung ist eine aggressive Zeit und Gesellschaftskritik. Machtwille, Opportunismus, Eigennutz, Verrat und Betrug sind die Triebfedern der Gesellschaft eines Landes, das „einer Mördergrube“ gleicht.

 

 

Goethes schwäbischer Reichsritter mit der eisernen Hand ist ein mittelalterlicher Robin Hood, ein aus der Zeit gefallener Revolutionär, der einer im innersten verkommenen Welt seinen eigenen Lebensentwurf entgegen setzt. Goethe greift auf eine spätmittelalterliche Rittergeschichte zurück, um ein Panorama seiner Zeit zu entwerfen.

 

Regisseur Simon Solberg dreht die Zeitachse ein Stück weiter in die nahe Zukunft und fragt, was die Bauernkriege von heute sind.

 

Simon Solberg, geboren 1979 in Bonn, studierte zunächst Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen. 2006 gab er mit Odyssee reloaded am Schauspiel Frankfurt sein Regiedebüt. Von 2006 bis 2008 war Solberg Hausregisseur am Nationaltheater Mannheim. 2008 gewann er den Kritikerpreis beim Festival „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater, zu dem er noch zwei weitere Male eingeladen wurde. Er inszenierte u.a. am Schauspiel Frankfurt, am Deutschen Theater Berlin, am Maxim Gorki Theater Berlin, am Staatsschauspiel Dresden und am Münchner Volkstheater. In der Spielzeit 2012/2013 war er Hausregisseur und Co-Schauspielleiter am Theater Basel. Dies ist seine erste Inszenierung am Schauspiel Stuttgart.

 

Regie: Simon Solberg, Bühne: Maike Storf, Kostüme: Sara Kittelmann, Musik: Miles Perkin, Dramaturgie: Anna Haas

 

Mit: Maja Beckmann, Paul Grill, Johann Jürgens, Horst Kotterba, Wolfgang Michalek, Florian Rummel, Nathalie Thiede; Miles Perkin

 

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2. Freitag, 25. Oktober 2013, 20 Uhr, Nord: "Die Reise" nach dem Roman von Bernward Vesper. „Interessant finde ich, was für ein kaputter Typ aus der sogenannten ‚heilen Welt‘ meiner Jugend herausgekommen ist“, schreibt Bernward Vesper. Der ehemalige Tübinger Student, langjährige Lebensgefährte Gudrun Ensslins und Sohn des Nazi-Dichters Will Vesper schaut in diesem Romanfragment auf seine eigene, „in den Brunnen gefallene Kindheit“. Psychedelischer Rausch und „einfacher Bericht“ über das Elternhaus wechseln sich auf dieser Reise ab. Sie endet als „one way trip“ in der Psychiatrie und schließlich im Selbstmord. Vesper verbrennt auf der Spurensuche seiner eigenen Lebensgeschichte. Sechs Jahre nach seinem Tod erscheint Die Reise im „Deutschen Herbst“ 1977 und wird von der Presse als „Nachlass einer ganzen Generation“ gefeiert.

 

Martin Laberenz, geboren 1982 in Finnland, assistierte nach einem abgebrochenen Literaturstudium am Schauspielhaus Bochum sowie drei Jahre lang am Hamburger Thalia Theater. Er inszenierte danach am Thalia Theater Hamburg, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Theater Dortmund. Als fester Regisseur am Centraltheater Leipzig war von ihm zuletzt u.a. Schuld und Sühne, Endspiel und Zerschossene Träume (Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen) zu sehen. Die Reise ist seine erste Regiearbeit für das Schauspiel Stuttgart.

 

Regie: Martin Laberenz, Bühne: Volker Hintermeier, Kostüme: Aino Laberenz, Musik: Friederike Bernhardt, Dramaturgie: Katrin Spira

 

Mit: Manolo Bertling, Svenja Liesau, Christian Schneeweiß, Paul Schröder; Friederike Bernhardt

 

(Zweite Vorstellung am So 27. Oktober, 16 Uhr, Nord)

 

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3. Samstag, 26. Oktober 2013, 18 Uhr, Schauspielhaus: "Szenen einer Ehe" nach dem Film von Ingmar Bergman

 

1973 fegte Ingmar Bergmans TV-Mehrteiler Schwedens Straßen leer. Auch die Kinoversion wurde ein internationaler Erfolg. Bergman zeichnet darin die sich über Jahre verändernde Ehe zwischen Johan und Marianne in ihren Etappen des Zerfalls, Zusammenbruchs und ihrer Neuordnung nach. Das Psychogramm des Musterpaares spiegelte Fragen über die Möglichkeiten des glücklichen Zusammenlebens einer ganzen Generation wider. Die kleinste soziale Zelle, die Zweierbeziehung, wurde zum Abbild der Gesellschaft. Genau 40 Jahre später inszeniert Jan Bosse den Stoff seiner Elterngeneration als Kammerspiel auf großer Bühne.

 

Jan Bosse, 1969 in Stuttgart geboren, machte nach seinem Studium an der Universität in Erlangen und der Hochschule „Ernst Busch“ in Berlin eine rasante Karriere: Dieter Dorn engagierte ihn 1998 für die Münchner Kammerspiele, 2000 holte ihn Tom Stromberg ans Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg. In den vergangenen Jahren inszenierte Bosse vor allem am Burgtheater in Wien, am Thalia Theater in Hamburg und am Maxim Gorki Theater Berlin. Es ist seine erste Arbeit in Stuttgart.

 

Regie: Jan Bosse, Bühne: Moritz Müller, Kostüme: Kathrin Plath, Musik: Arno Kraehahn, Dramaturgie: Gabriella Bußacker

 

Mit: Joachim Król und Astrid Meyerfeldt

 

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4. Samstag 26. Oktober 2013, 19 und 21 Uhr, Treffpunkt Foyer Schauspielhaus: Uraufführung "Autostück"

von Anne Habermehl

 

Theater auf Rädern. Die Stadt als Bühne. Ein Auto fährt mit Ihnen auf der Rückbank durch das abendliche Stuttgart. Vorne sitzen zwei Schauspieler. Das Radio läuft. Musik. Ein winziges, intensives, intimes Kammerspiel entspinnt sich zwischen den beiden. Wenige Zentimeter vor Ihren Augen, Ohren und Nasen. Während draußen die abendliche Stadt vorüberzieht wie ein Film. Gehören die Passanten am Straßenrand dazu? Die Menschentraube, die in das Auto starrt? Der Wirklichkeit ausgesetzt verändert sich Ihre Wahrnehmung. Die Grenzen zwischen Realität und Spiel, Drinnen und Draußen, zwischen Schauspielern, Statisten und Zuschauern verschwimmen. Eine Expedition zu den Rändern des Theaters. Und der eigentliche Held ist die Stadt selbst, durch die Sie fahren. Sie blickt zurück.

 

Stefan Pucher, 1965 in Gießen geboren, studierte Theaterwissenschaft und Amerikanistik in Frankfurt. Ab Mitte der 90er Jahre beschäftigte er sich intensiv in verschiedenen Performance-Projekten mit dem Zusammenspiel von Videokunst, Musiksamples und literarischen Stoffen und inszenierte kontinuierlich am Theater am Turm (TAT) in Frankfurt. 1999 inszenierte er am Theater Basel mit Tschechows Kirschgarten erstmals einen klassischen Theatertext. Es folgten Inszenierungen am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin, an den Münchner Kammerspielen und am Schauspielhaus Zürich, wo er von 2000 bis 2004 Hausregisseur war. 2005 wurde Pucher in der Jahresumfrage der Zeitschrift Theater heute zum ’Regisseur des Jahres’ gewählt. Sechsmal werden seine Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Zurzeit inszeniert Stefan Pucher u.a. an den Münchner Kammerspielen, am Thalia Theater Hamburg, am Burgtheater Wien, am Schauspielhaus Zürich und am Deutschen Theater Berlin, und erstmalig in Stuttgart

 

Regie: Stefan Pucher, Co-Regie: Tom Stromberg, Soundtrack: DJ Koze, Dramaturgie: Jan Hein

 

Mit: Boris Burgstaller, Gabriele Hintermaier / Caroline Junghanns, Matti Krause / Marietta Meguid, Sebastian Röhrle

 

(Weitere Termine: So 27. und Mi 30. Oktober, jew. 19 + 21 Uhr sowie Fr 1., So 3., Mo 4., Mi 6., Di 12., Mo 18., Do 21., Mo 25. und Mi 27. November, jew. 19 + 21 Uhr, für jew. 2-3 Zuschauer)

 

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5. Samstag, 26. Oktober 2013, 21 Uhr, Nord: Uraufführung "5 morgen" von Fritz Kater

 

In einer Stadt wird Katastrophenalarm ausgelöst. Eine Explosion? Atomare Verseuchung? Gefährliche Viren? Gesellschaftsburnout? Niemand weiß etwas Genaues. Der Zusammenbruch des Jetzt verwirklicht sich: Hier. Die Medien geben die üblichen Parolen aus und Verhaltensmaßregeln bekannt. In dieser Ausnahmesituation entwickeln fünf Menschen unterschiedliche Strategien und Techniken für Leben und Überleben. Sie unternehmen mehr oder weniger mutige, lächerliche, absurde, traurige und am Ende auch untaugliche Versuche, ihr bisschen Leben zu retten. Dabei war das vor der Katastrophe schon verloren, leer, unbrauchbar geworden. Jetzt bekommt es für einige wieder – zumindest zeitweise – so etwas wie einen Sinn. Und mancher wagt sogar im Augenblick der Agonie einen Neuanfang.

 

Armin Petras wurde 1964 in Meschede/Sauerland geboren. 1969 siedelte er mit seinen Eltern in die DDR über. Von 1985 bis 1987 studierte er Regie an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Er ist Mitbegründer der freien Theatergruppe Medea Ost und inszenierte 1987 Heiner Müllers Wolokolamsker Chaussee 1-3 am Theater Nordhausen. 1988 reiste Armin Petras in die BRD aus. Er arbeitete als Regieassistent am Frankfurter Theater am Turm (TAT) und an den Münchner Kammerspielen. Nach der Wende inszenierte er u.a. am Kleist-Theater Frankfurt/Oder, am Theater Chemnitz, an den Freien Kammerspielen Magdeburg, am Schauspiel Leipzig, am Nationaltheater Mannheim, am Volkstheater Rostock, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, am Schauspiel Hannover, an den Münchner Kammerspielen und am Thalia Theater Hamburg. Armin Petras war von 1996 bis 1999 Oberspielleiter am Theater Nordhausen sowie Hausregisseur in Leipzig und von 1999 bis 2002 Schauspieldirektor am Staatstheater Kassel. 2002 wechselte er als fester Regisseur ans Schauspiel Frankfurt, wo er von 2003 bis 2006 die Spielstätte in der Schmidtstraße leitete. Von 2006 bis 2013 war er Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin. Ab September 2013 ist er Intendant des Schauspiels Stuttgart.

 

In Zusammenarbeit mit der 'Union des Théâtres de l'Europe‘ (U.T.E.) im Rahmen des internationalen Projekts „Terrorisms“

 

Regie: Armin Petras, Bühne: Natascha von Steiger, Kostüme: Patricia Talacko, Video: Rebecca Riedel, Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel, Choreographie: Berit Jentzsch, Dramaturgie: Carmen Wolfram

 

Mit Manja Kuhl, Andreas Leupold, Hanna Plaß, Anja Schneider, Holger Stockhaus

 

(Zweite Vorstellung: Di 29. Oktober, 20 Uhr, Nord)

 

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6. Sonntag, 27. Oktober 2013, 19.30 Uhr, Schauspielhaus: "Onkel Wanja", Szenen aus dem Landleben in vier Akten von Anton Tschechow

 

Die alte Ordnung greift nicht mehr, alles ist durcheinander, die Zukunft ungewiss. Wie soll man leben? Wie handeln? In seinen Szenen aus dem Landleben zeigt Tschechow eine Gesellschaft im Umbruch, komisch und tief traurig zugleich. Die zwei verzweifelten Schüsse auf den Professor bringen auch keine Lösung. Zweimal trifft Wanja daneben. Was bleibt? Die einen reisen wieder ab, die anderen nehmen scheinbar wie gewohnt ihre liegengebliebene Arbeit wieder auf. Und alle blicken auf das Theater dieses langen Sommers zurück. Dieses pralle Theater der Wünsche und des Begehrens, es steht zuletzt erschreckend leer da. Ohne zu bewerten, einfach feststellend, lenkt Tschechow unseren Blick auf das Leben, die Liebe, den Tod, die Zeit, das Geld – und konfrontiert uns mit frühen ökologischen Überlegungen.

 

Robert Borgmann, geboren 1980 in Erfurt, studierte Bildende Kunst in London sowie Philosophie und Germanistik an der Universität Köln. Nach Dramaturgie- und Regieassistenzen am Schauspiel Köln, Studium der Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Seither arbeitet er als freier Regisseur u.a. am Deutschen Theater Berlin, der Schaubühne Berlin, Schauspiel Köln, Staatstheater Mainz, Schauspielhaus Zürich, Centraltheater Leipzig und dem Maxim Gorki Theater Berlin. Onkel Wanja ist seine erste Inszenierung am Schauspiel Stuttgart.

 

Regie und Bühne: Robert Borgmann, Kostüme: Janina Brinkmann, Dramaturgie: Jan Hein

 

Mit: Susanne Böwe, Sandra Gerling, Katharina Knap, Peter Kurth, Thomas Lawinky, Elmar Roloff

 

 

 

 

 

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