Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Hakanaï“ von Adrien M & Claire B im Tanzhaus NRW in Düsseldorf„Hakanaï“ von Adrien M & Claire B im Tanzhaus NRW in Düsseldorf„Hakanaï“ von Adrien M &...

„Hakanaï“ von Adrien M & Claire B im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

von Dagmar Kurtz

Ein Raum aus Gaze, auf den eine Buchstabenkaskade projiziert wird: so wird der Zuschauer zu Beginn von Adrien M's & Claire B's Solostück "Hakanï" im dunklen arena-artig installiertem Saal des Tanzhauses NRW empfangen. Dann erscheint ein Rastermuster, und eine Tänzerin begibt sich in den Raum. Jede Bewegung der Tänzerin erzeugt eine Änderung im strengen grafischen Muster, wird zur Störung, mal bilden sich Stränge, mal spinnwebartige Strukturen. Der Raum wird zum Himmelszelt, die Muster zur Milchstraße, zu Wolken und Regen.

 

Dazu Geräusche von Meeresbrandung, Vogelgezwitscher, Gewitter mit Blitz und Donner. Das Ganze ergibt ein hinreißendes poetisches Multimedia-Stück, dessen Ausgangspunkt die klassische japanische Gedichtform des Haiku zu sein scheint. Ein Haiku ist ein kurzes Gedicht, das formal strenge Regeln zu befolgen hat und inhaltlich ein Naturereignis als Sinneserlebnis wiedergibt. Als Inspiration mag vielleicht ein Haiku von Matsuo Bashô gedient haben:

„Das tobende Meer!
Hinüber streckt nach Sido
Die Milchstraße sich.“

Eine ganz moderne Art, sich diesem Sinnenerlebnis anzunähern, hat dieser synästhetische Zugriff, der fast meditativen Charakter hat und das emotionale Empfinden anspricht. "Hakanï" steht für das Vergängliche und Unstete des Daseins, das bekommt der Zuschauer zu spüren, denn ach allzu bald ist das zauberhafte Werk vorbei! Für die Dauer von nur 40 Minuten nimmt es ihn dafür ganz in den Bann. Entsprechend euphorisch wurde es gewürdigt.

„Hakanaï“ Festivaleröffnung
TEMPS D'IMAGES
Fr 12.01.2018, 10:00 + 20:00 + Sa 13.01. 20:00

Konzept, künstlerische Leitung, Bühne: Claire Bardainne, Adrien Mondot
Computerdesign: Adrien Mondot
Tanz: Satchie Noro
Digitale Interpretation: Jérémy Chartier
Sounddesign: Christophe Sartori, Loïs Drouglazet
Sound: Clément Aubry; Bühnenbild: Martin Gautron, Vincent Perreux
Digital Toolset: Loïs Drouglaze

Lichtdesign: Jérémy Chartier
Outside Eye: Charlotte Farcet
Kostüme: Johanna Elalouf
Technische Leitung: Alexis Bergeron
Administration: Marek Vuiton; Produktion, Booking: Joanna Rieussec; Produktionsleitung: Margaux Fritsch, Delphine Teypaz
Foto: Romain Etienne.

Eine Produktion von Adrien M & Claire B, koproduziert durch Les Subsistances/Lyon, Centre Pompidou-Metz, Ferme du Buisson, Scène nationale de Marne-la-Vallée, Région Rhône-Alpes Fonds [SCAN], Arts Sciences Grenoble, Les Champs Libres/Rennes, Centre des Arts/Enghien-les-Bains, kofinanziert im Rahmen des Programms „Lille, Ville d’Arts du Futur“, Residenz im Centre de création et de production de la Maison de la Culture de Nevers et de la Nièvre (MCNN), Micro Mondes/Lyon. Gefördert durch das Ministère de la Culture et de la Communication DICRéAM. Die Kompanie Adrien M & Claire B Company wird unterstützt durch DRAC Auvergne-Rhône-Alpes, die Region Auvergne-Rhône-Alpes und wird gefördert durch die Stadt Lyon. Das Gastspiel wird gefördert durch das Institut français und das französische Ministerium für Kultur / DGCA.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑