Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
HIOB nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth im Landestheater LinzHIOB nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth im Landestheater LinzHIOB nach dem...

HIOB nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth im Landestheater Linz

Premiere 21. Februar 2015 um 19.30 Uhr, Kammerspiele Promenade. -----

„Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer. Er war fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude. Er übte den schlichten Beruf eines Lehrers aus.“ So märchenhaft beginnt der Roman eines einfachen Mannes, wie Joseph Roth seine Prosa im Untertitel nennt und er endet mit den Worten: „Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“

 

Joseph Roth beschreibt einen einfachen gottesfürchtigen jüdischen Lehrer aus Ostgalizien, der mit einer Reihe von Schicksalsschlägen konfrontiert wird, so gleich am Anfang des Romans, als sein viertes Kind Menuchim als Epileptiker geboren wird. Ein Rabbi aber prophezeit, dass der Junge gesund werden wird, dass man den Kranken aber nicht im Stich lassen darf. „Der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.“ Monate, Jahre vergehen, aber Menuchim bleibt der Krüppel, die beiden Söhne Jonas und Schemarjah werden zum zaristischen Militär eingezogen. Schemarjah desertiert und geht nach Amerika, wohin ihm Mendel Singer mit Frau und Tochter folgen – Menuchim zurücklassend.

 

Im ersten Weltkrieg kommt Schemarjah um und Jonas bleibt vermisst, Mutter Deborah stirbt aus Gram und Tochter Mirjam wird verrückt. Wie viele Schicksalsschläge kann ein Mensch ertragen ohne seinen Glauben zu verlieren? Kann er sein Leben, seine Religion noch als sinnvoll erachten, wenn alles um ihn zerbricht? In dem Moment, wo er mit Gott zu hadern beginnt, wird er von ihm überrascht. Es geschieht das Wunder, mit dem er nicht mehr gerechnet hat: Menuchim kommt als geheilter junger Mann, als angesehener Komponist und Dirigent nach Amerika und trifft dort seinen Vater.

 

Im ostgalizischen Grenzland, nur wenige Kilometer von der damaligen russischen Grenze entfernt, wurde Joseph Roth 1894 in der kleinen Garnisonsstadt Brody geboren. Er lernte seinen Vater nicht kennen, der von einer Geschäftsreise als Getreide- und Holzhändler nicht zurückkam und von dem man vermutete, dass er verrückt geworden sei und eingesperrt wurde. So wächst Joseph Roth im Haus des Großvaters auf, beginnt 1913 in Lemberg, ab 1914 in Wien Germanistik zu studieren. Nach dem Krieg arbeitet er als Journalist in Wien, Berlin und Paris und macht sich rasch einen Namen als brillanter Feuilletonist, schreibt für angesehene Zeitungen und Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Er wird als Korrespondent nach Frankreich, Russland, Polen und Albanien geschickt und feiert literarische Erfolge mit einer Anzahl an Romanen, so. z. B. Hotel Savoy, Hiob, Radetzkymarsch oder Die Kapuzinergruft. Seit 1933 lebt er im Pariser Exil. Im Mai 1939 stirbt er, nachdem die Nachricht vom Selbstmord Ernst Tollers einen Zusammenbruch auslöste.

 

Der Roman Hiob brachte seinem Autor zu Lebzeiten den größten Ruhm und die höchste Auflagenzahl, rasch erschien eine amerikanische und eine englische Ausgabe des Buches, in Frankreich entstand eine Bühnenversion und in Hollywood eine Verfilmung mit Hiob-Motiven („Man of Sins“), die Roth aber für eine „Katastrophe“ hielt. In den 60er und 70er Jahren sind viele seiner Werke erfolgreich verfilmt worden. Stefan Zweig war zu Tränen gerührt, als ihm Joseph Roth in Salzburg aus dem Manuskript „Hiob“ vorlas und Marlene Dietrich, die ihn 1939 nach Amerika zu Filmagenten vermitteln wollte, bezeichnete diesen Roman als ihr Lieblingsbuch.

 

PETER WITTENBERG INSZENIERUNG

Peter Wittenberg ist 1960 in Hamburg geboren. Er arbeitete zunächst als Möbelrestaurator in Italien, bevor er sich dem Theater zuwandte. Er assistierte am Theater Lübeck, am Schillertheater in Berlin und am Wiener Burgtheater. Seit 1992 ist er als freier Regisseur tätig und inszenierte u.a. am Burgtheater Wien, am Theater in der Josefstadt Wien, am Landestheater Linz, an der Schaubühne, am Deutschen Theater in Berlin und an den Kammerspielen München.

 

FLORIAN PARBS BÜHNE

wurde in Hamburg geboren. Er arbeitete nach seinem Studium in Wien und Hamburg als Bühnen- und Kostümbildner u. a. in Basel, Zürich, Köln, Bochum, Düsseldorf, München, Frankfurt am Main, Nürnberg und Wien für Schauspiel- und Opernproduktionen. Er war Ausstattungsleiter bei Tobias Richter und Andras Fricsay am Bremer Theater. Danach arbeitete er wieder freischaffend an Häusern wie dem Schauspiel Frankfurt, dem Nationaltheater Mannheim, dem Residenztheater München, dem Landestheater Linz und dem Volkstheater Wien, u. a. mit dem Filmregisseur Peter Greenaway und dem bulgarischen Schauspielregisseur Dimiter Gotschef.

 

INSZENIERUNG Peter Wittenberg

BÜHNE Florian Parbs

KOSTÜME Alexandra Pitz

MUSIK Wolfgang Siuda

DRAMATURGIE Franz Huber

 

Besetzung

 

MENDEL SINGER Vasilij Sotke

DEBORAH, SEINE FRAU Verena Koch

JONAS, SEIN SOHN Lukas Spisser

SCHEMARJAH, SEIN SOHN Christian Manuel Oliveira

MENUCHIM, SEIN SOHN Markus Pendzialek

MIRJAM, SEINE TOCHTER Katharina Wawrik

DOKTOR / RABBI / KAPTURAK

SKOWRONNEK Thomas Kasten

MAC / GROSCHEL Stefan Matousch

KOSAK / MENKES / PSYCHIATER Adrian Hildebrandt

 

Weitere Termine 25. Februar; 4., 6., 19., 26. März; 2., 10., 14., 17., 28. April 2015, jeweils 19.30 Uhr

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 24 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑