Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Ich rufe meine Brüder" von Jonas Hassen Khemiri, theaterperipherie in Frankfurt"Ich rufe meine Brüder" von Jonas Hassen Khemiri, theaterperipherie in..."Ich rufe meine Brüder"...

"Ich rufe meine Brüder" von Jonas Hassen Khemiri, theaterperipherie in Frankfurt

Premiere am 9.Oktober 2014 um 19.30 Uhr im TITANIA, Basaltstr. 23. -----

„Da ist neulich so ein krankes Ding passiert. Habt ihr gehört? Ein Mann. Ein Auto. Zwei Explosionen. Mitten in der City.“ Ein Anschlag in der Innenstadt. Und sofort die unweigerliche Frage: Wer ist der Schuldige? Der Personenkreis, auf den der Verdacht fällt ist – spätestens seit 9/11 – klar.

 

Der Anschlag wird für Amor, den einzelgängerischen Chemiestudenten, zum Auslöser eines Trips. Erinnerungen werden wach: Da taucht der beste Freund auf, der inzwischen Vater ist, die Cousine, die mittlerweile nach Tunesien zurückgekehrt ist, seine Jugendliebe, die ihn dazu auffordert, einem Polizisten in den Schritt zu fassen. Und ihm wird immer klarer: Irgendetwas stimmt hier nicht, die Erinnerungen entwickeln mehr und mehr ein unkontrollierbares Eigenleben. Was ist Wahn, was Wirklichkeit? Wer ist Freund, wer Feind? Der Kopf wird zum Gedanken-Schlachtfeld und dann: Gewaltphantasien. Ein Messer hat er ja auch schon eingepackt. Eine verlässliche Größe wie die Wahrheit gibt es jetzt nicht mehr. Nur noch Amor, der ankündigt: „Ich rufe meine Brüder an und sage: Jetzt geht's los. Haltet euch bereit.“

 

Ein offener Brief an die schwedische Justizministerin Beatrice Ask von Jonas Hassen Khemiri:

"Ich schreibe Dir mit einem einfachen Wunsch, Beatrice Ask. Ich möchte, dass wir unsere Haut und unsere Erfahrungen tauschen. Komm schon, wir machen es einfach! Du hast ja nie etwas gegen verrückte Ideen gehabt [...]. Wir tauschen 24 Stunden lang unsere Körper. Zuerst gehe ich in Deinen Körper, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, als Frau in der patriarchalen Welt der Politik zu leben. Dann borgst Du Dir meine Haut, um zu verstehen, dass Erinnerungen wach werden, wenn Du auf die Straße gehst, hinunter zur U-Bahn, hinein in das Einkaufszentrum und die Polizisten siehst, die dort stehen, mit dem Gesetz auf ihrer Seite, mit dem Recht, sich Dir zu nähern und Dich aufzufordern, Deine Unschuld zu beweisen. Andere Übergriffe, andere Uniformen, andere Blicke. [...] Unsere jüngste [...] Geschichte genügt, ein paar zufällige Erlebnise, an die sich unser gemeinsamer Körper plötzlich erinnern kann." (Theater heute 7 (2013), S. 34)

 

theaterperipherie realisiert das Stück bundesweit als das zweite Theater. (deutschsprachige Erstaufführung Co-Produktion Niederösterreichisches Landestheater und Ballhaus Naunynstr Berlin)

 

mit: Hadi Khanjanpour, Silvana Morabito, Kathleen Witt, Alireza Zeinal Zadeh

 

Regie: Ute Bansemir

Kostüm: Katja Quinkler

Dramaturgie: Jan Deck

Musik: Torsten Knoll

Regieassistenz: Ewgenija Weiß

Regiehospitanz: Diana Seubert

 

weitere Termine: 19.10. um 17 Uhr, 25.10. um 19.30 Uhr

 

Karten unter: 069 156 27 404, info@theaterperipherie.de und an der Abendkasse

theaterperipherie im TITANIA, Basaltstr. 23, 60487 Frankfurt

www.theaterperipherie.de

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑