Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Im Strudel der GefühleIm Strudel der GefühleIm Strudel der Gefühle

Im Strudel der Gefühle

"So Blue" von Louise Lecavalier/Fou Glorieux - Uraufführung im Tanzhaus NRW Düsseldorf

 

Ein zunächst leichter, leiser Bewegungsimpuls entwickelt sich in atemberaubenden Tempo in fließenden Bewegungen weiter. Körperzittern wird bei Louise Lecavalier zu einer ungeheuer faszinierenden weichen Gelenkigkeit, die an Schlenkerpuppen ohne Knochenbau denken lässt. Ihr Bewegungsvokabular orientiert sich an Hiphop- und Techno-Bewegungen. Zwischendurch fließen auch Körperhaltungen des Yoga ein. Pausen und Atemholen werden in die Choreographie mit einbezogen.

 

Eine Geschichte wird in "So blue" nicht erzählt, vielmehr dient der Tanz dazu, Gefühle abzuarbeiten so lange bis ein tranceartiger Zustand erreicht ist. Es ist der Körper, der spricht, der sagt, was Worte nicht zu sagen vermögen. Dieser Eindruck speist sich auch durch die orientalisch angehauchte Technomusik, die von ferne an den Tanz der Derwische erinnert. Dann wieder ist der Rhythmus eines Herzschlages zu hören, und unvermittelt tauchen bearbeitete Liedzeilen von Chers "Bang, bang. I shot my baby down" auf und man ahnt, dass der Titel sich nicht nur auf die blaue Beleuchtung der Bühne bezieht, sondern auch den traurigen Gefühlszustand meint.

 

In der zweiten Hälfte des Stückes wird das Solo von Louise Lecavalier zum Duett mit dem Tänzer Frédéric Tavernini. 55 Minuten pure, spektakulär virtuose Körperarbeit lösten beim Publikum starke Begeisterung aus.

 

Choreografie: Louise Lecavalier;

Tanz: Louise Lecavalier, Frédéric Tavernini;

Choreografische Assistenz, Probenleitung: France Bruyère; Lichtdesign: Alain Lortie; Musik: Mercan Dede; zusätzliche Musik, Remix: Normand-Pierre Bilodeau; Kostümdesign: Yso; Künstlerische Beratung: Benoît Lachambre.

 

7. und 8. Dezember 2013

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 8 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑