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"Kinder der Sonne" von Maxim Gorki - Schauspielhaus Bochum

Premiere Fr.07.10.2022, 19:30, Schauspielhaus

Und jeden Tag von Neuem muss Tee serviert werden, aufgeräumt, gekocht, irgendetwas repariert. Jeden Tag muss man springen, wenn nach einem gerufen wird. Und immer der Gestank aus dem privaten Labor des Familienoberhaupts, das glaubt, es könne neue organische Materie entwickeln.

 

Copyright: Portrait Maxim Gorki

Mit Geld umgehen können sie auch alle nicht. Das Schlimmste aber: Ständig darf man den Nichtstuern, die sich mit ihren Liebesverwicklungen, ihrer Malerei und naturwissenschaftlichem Dilettantismus die Langeweile vertreiben, dabei zuhören, wie sie dem primitiven Zustand der Masse abhelfen wollen …

Vielleicht denken sie so, die Angestellten im Hause Protassow, ohne die hier gar nichts funktionieren würde. Der Wissenschaftler Protassow kann sich nicht mit profanen Dingen wie dem Alltag beschäftigen. Er will den Fortschritt herbeiführen, chemikalisch und gedanklich. Nicht weniger als der endgültig befreiten Menschheit gilt all sein Wirken. So hat er weder ein Auge für die Witwe Melanija, die in verzweifelter Liebe zu ihm entbrannt ist, noch – und das ist schlimmer – für seine Frau, die sich einsam dem gemeinsamen Freund Wagin zuwendet. Auch die zarten Zeichen von Liebe zwischen seiner Schwester Lisa, die vom Anblick blutig niedergeschlagener Straßenunruhen seit Langem schwer traumatisiert ist, und dem moralisch derangierten Tierarzt Tschepurnoi entgehen ihm – ebenso wie die Katastrophe, die sich zwischen beiden anbahnt. Doch auf den Straßen grassiert die Cholera, es gibt Tote, und plötzlich wird die Luft im Elfenbeinturm gefährlich dünn.

Der

Autor

Maxim Gorki – ein Pseudonym, das übersetzt „der Bittere“ bedeutet – schrieb das Stück während seiner Haft in der Peter-und-Paul-Festung, in der u. a. auch Dostojewski einsaß. Entstanden angesichts des sogenannten Petersburger Blutsonntags, der die russische Revolution von 1905 einleiten sollte, entwirft Kinder der Sonne die tragikomische Bestandsaufnahme einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die sich neu erfinden muss, wenn ihre Tage nicht gezählt sein sollen.

Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, die für ihre psychologisch genauen, atmosphärisch dichten Inszenierungen nicht nur im deutschsprachigen Theaterraum bekannt ist, stellt sich mit Kinder der Sonne nun dem Bochumer Publikum vor.

    Regie: Mateja Koležnik
    Bühne: Raimund Orfeo Voigt
    Kostüm: Ana Savić-Gecan
    Lichtdesign: Bernd Felder
    Dramaturgie: Angela Obst
    Übersetzung: Anja Wutej

    Pawel Fjodorowitsch Protassow: Guy Clemens
    Lisa: Anne Rietmeijer
    Jelena Nikolajewna: Anna Blomeier
    Dmitri Sergejewitsch Wagin: Victor IJdens
    Boris Nikolajewitsch Tschepurnoi: Dominik Dos-Reis
    Melanija: Jele Brückner
    Nasar Awdejewitsch: Konstantin Bühler
    Jegor: Michael Lippold
    Antonowna: Karin Moog
    Roman: Alexander Wertmann
    Fima: Amelie Willberg
    Luscha: Emily Lück
    Der Mob: Christoph Lux, Christian Paul, Taner Yenipınar, Meral Pektaş, Marta Grabski, Tim Brockmann, Anna Trier

Sa.08.10.
19:30
Sa.15.10.
19:30
10,00 € auf allen Plätzen
Jubel-Tag
So.30.10.
17:00
+ Einführung 16:30

   

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