Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Landestheater Detmold führt erneut Kirchenoper von Britten aufLandestheater Detmold führt erneut Kirchenoper von Britten aufLandestheater Detmold...

Landestheater Detmold führt erneut Kirchenoper von Britten auf

Premiere am 3. Oktober um 20.30 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche

 

„Der verlorene Sohn“ ist die dritte und letzte der 1964-1968 entstandenen Kirchenopern von Benjamin Britten. Britten war nach einer Japan-Reise fasziniert vom japanischen Nô-Theater.

Zunächst versuchte er, eine Nô-Oper zu schreiben, doch dann entschied er sich für eine Verbindung mit dem europäischen Mysterienspiel. Nicht äußerliche Kopie war sein Ziel, sondern Annäherung an innere Prinzipien des Nô-Theaters. Die Stücke wurden gegenüber dem Nô dramatischer und immer mehr christlich geprägt, gleichzeitig nutzte Britten immer stärker Formen aus verschiedenen Teilen Asiens.

 

Britten schrieb seine Parabeln zur Aufführung in einer Kirche, nicht in einem Theater mit Kirchendekoration. Die Kirche ist nicht Kulisse, sondern trägt als heiliger Ort Bedeutung.. Die Darsteller werden zu Liturgen, die ihre stilisierten Rollen mit Leib und Seele ausführen und so die Zuschauer bewegen.

 

Vieles ist ähnlich wie 2005: Eine Klostergemeinschaft führt im Geiste des japanischen Nô-Theaters ein biblisches Stück in der Kirche auf. Die Musik ist von japanischen Erfahrungen inspiriert, das Stück ähnelt aber einem mittelalterlichen Mysterienspiel. Zum Kloster gehören Mönche, Laienbrüder und Klosterschüler, die als Darsteller, Instrumentalisten und Kleindarsteller mitspielen. Regisseur Frank Düwel, Dirigent Boris Anifantakis und die meisten Darsteller sind wieder dabei. Das Team hat seine Auseinandersetzung mit dieser ungewöhnlichen Theaterform vertieft und vervollkommnet.

 

Der entscheidende Unterschied: Diesmal ist der Stoff aus dem Neuen Testament, nämlich das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Er verprasst sein Erbteil, kehrt elend und reumütig zurück und wird freudig wieder aufgenommen. In diesem dritten Teil seiner 1964-1968 entstandenen Kirchenopern-Trilogie verbindet Britten stärker als in den vorhergehenden Stücken die streng ritualisierten Formen des Nô („Können“) mit Psychologie. Dabei entstand die Figur des allgegenwärtigen Versuchers, der in die geheimen Wünsche des Sohnes eindringt. Neu ist aber auch die Lösung des Konfliktes: Das göttliche Eingreifen besteht nicht in einem Glaubenswunder, sondern in Reue und liebender menschlicher Verzeihung.

 

Nach dem Erfolg von „Die Jünglinge im Feuerofen“ 2005 setzt das Landestheater Detmold mit einer weiteren Kirchenoper von Benjamin Britten seine Kooperation mit dem Festival Musica sacra Paderborn fort.

 

„Der verlorene Sohn“

Parabel zur Aufführung in der Kirche op. 81 von Benjamin Britten

Premiere am 3. Oktober um 20.30 Uhr in der Heilig-Kreuz-Kirche

Weitere Vorstellungen 4. - 6. Oktober, jeweils um 20.30 Uhr Heilig-Kreuz-Kirche Detmold

16. Oktober Abdinghofkirche Paderborn um 19.30 Uhr

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 12 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑