Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Leben bis Männer oder der Fussballtrainer“ von Thomas Brussig, Stadttheater Bern„Leben bis Männer oder der Fussballtrainer“ von Thomas Brussig, Stadttheater...„Leben bis Männer oder...

„Leben bis Männer oder der Fussballtrainer“ von Thomas Brussig, Stadttheater Bern

Premiere am Mittwoch, 7. Mai 2008 um 19.30 im Saal Vidmar:2.

 

Der in Ostberlin geborene Thomas Brussig hat mit dem Fussballtrainer ein Vehikel gefunden, um Enttäuschung und Verlorenheit eines desillusionierten Mittfünfzigers, dem die Wende kein Glück gebracht hat, zu transportieren. Sein Provinztrainer ist arbeitslos, und Frau und Sohn haben ihn verlassen, weil Fussball für den Trainer wichtiger war als die Familie.

 

Der Protagonist blickt zurück auf zwei Jahrzehnte bei der „BSG Tatkraft Börde“, wo er immer dieselbe Mannschaft betreute („Kinder, Knaben, Schüler, Jugend, Junioren – bis Männer“). Brussig präsentiert den Monolog eines Mannes, dessen ganze Lebensphilosophie sich auf ein Wort reduzieren lässt: Fussball. Seine Heimat ist der Verein, seine Familie die Mannschaft. Mit viel Ironie zeichnet Brussig das Bild dieses redseligen, in seinem Sport aufgehenden „Trainer-Prototypen“, der davon überzeugt ist, das Leben und seine Geheimnisse verstanden, ja durchschaut zu haben.

 

Er ist einer der alten Schule, allein schon vom Aussehen her: Krumme Beine, Bierbauch, Trillerpfeife vor der Brust. Er ist ein „Julius Cäsar der Seitenlinie“, wie er über sich selber sagt. Brussig setzt ihm thematisch keine Grenzen, lässt ihn über das Leben philosophieren, und ihn seine oftmals abenteuerlich einfachen Lösungen für komplexe politische oder gesellschaftliche Probleme erläutern.

 

Der namenlose Trainer ärgert sich etwa über die unfähige DDR-Nationalmannschaft, die es nach 1974 nie wieder zu einem grossen Turnier schaffte, über streikende Busfahrer auf Mallorca, über das unkalkulierbare Auf und Ab an der Börse, über den rasanten technischen Fortschritt, über die Langweiligkeit von „Randsportarten“ wie Volleyball, über praktisch nie funktionierende Computer, und über Frauen, die Richterämter bekleiden.

 

„Leben bis Männer oder der Fussballtrainer“ ist als Buch erschienen:

Thomas Brussig: Leben bis Männer.

Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2001.

96 Seiten

 

Das Einpersonenstück wird bestritten vom Berner Ensemblemitglied Ernst C. Sigrist.

 

Regie führt Patric Bachmann, die Bühne und das Kostüm stammen von Romy Springsguth, und musikalisch bereichert wird der Abend von Philipp Ludwig Stangl.

 

Weitere Vorstellungen folgen am 17. und 25. Mai sowie am 8., 11., 12. und 14. Juni.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑