Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Liebster Vater, du zerreisst mich wie einen Fisch" in Esslingen"Liebster Vater, du zerreisst mich wie einen Fisch" in Esslingen"Liebster Vater, du...

"Liebster Vater, du zerreisst mich wie einen Fisch" in Esslingen

Texte von Franz Kafka,

Premiere: 21.4.2007, 20.00 Uhr, Podium II.

 

Während einer Erholungskur im nahe Prag gelegenen Schelesen schrieb der 36jährige Franz Kafka im November 1919 einen über einhundert Seiten langen Brief an seinen Vater, den Kaufmann Hermann Kafka.

Er ist gekennzeichnet von extremen Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln des Versicherungsangestellten und Schriftstellers, Emanzipationsversuchen und Unterwerfungsangeboten des Junggesellen, beinhaltet aber auch messerscharfe Anklagen gegen die Übermacht des patriarchalischen Vaters. Dieser Brief ist eines der erschütternsten Dokumente über den Menschen Franz Kafka und gleichzeitig ein Schlüsseltext zu seinem Werk. Schon in seiner frühen Erzählung „Das Urteil“ setzt sich Kafka mit diesem Konflikt auseinander, der in vielen seiner Werke auftaucht. Kafka ging jedoch über die psychologische Ebene der Vater-Sohn-Problematik hinaus und beschrieb Machtstrukturen auch in gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen. „Liebster Vater, du zerreißt mich wie einen Fisch“ ist eine Montage von Kafka-Texten, in dessen Zentrum der „Brief an den Vater“ steht. Passagen aus dem Brief werden von kurzen Erzählungen, Tagebuchnotizen und Briefzitaten flankiert, die zwischen Verzweiflung und Komik, Angst und Widerstand, Traum und Realität von Kafkas Gedankenwelt erzählen. Seine Texte öffnen überraschende Perspektiven auf die Welt und faszinieren gerade dadurch, weil sie nicht vollständig erfassbar sind und dennoch einzigartige Bilder unserer Zeit und Existenz beinhalten. Am 3. Juni 1924 verstarb Franz Kafka im Alter von 40 Jahren an einer Lungenkrankheit. Den „Brief an den Vater“ fand man in seinem Nachlass – er hat ihn nie abgeschickt, der Vater hat ihn nie gelesen.

 

Inszenierung: Solvejg Bauer, Reiner Müller

Ausstattung: Michaela Springer

Es spielen: Nadine Ehrenreich, Roman Hemetsberger, Jürgen Lingmann

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 8 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„Vástádus eana/The answer is land“ von Elle Sofe Sara im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Hoch im Norden Europas lebt das indigene Volk der Samen. Mit ihrer Lebensart beschäftigt sich Elle Sofe Sara in ihrem Stück „Vástádus eana/The answer is land“ jenseits folkloristischer Attitude. So…

Von: Dagmar Kurtz

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑