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Luk Perceval geht 2009 ans Thalia Theater Hamburg

Joachim Lux, Intendant des Thalia-Theaters ab der Spielzeit 2009.2010, hat den Flamen Luk Perceval als Leitenden Regisseur verpflichtet. Mit ihm kommt einer der herausragenden Regisseure des europäischen Theaters nach Hamburg. Im Jahr 2009 ist es genau zehn Jahre her, dass er an Frank Baumbauers Hamburger Schauspielhaus inszeniert hat: Shakespeares zu „Schlachten“ zusammengefassten Königsdramen. Dies war zugleich seine bisher einzige Inszenierung in Hamburg. Seine „Othello“-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen war auf den Autorentheatertagen 2004 als Gastspiel am Thalia Theater zu sehen.

 

 

Joachim Lux:

„Bei meiner Wahl zum künftigen Intendanten des Thalia-Theaters habe ich drei Eckpunkte des künftigen Programms genannt: Den Bezug auf die literarischen und außerliterarischen Traditionen der nordischen Landschaft, die internationale Kultur sowie die Öffnung für andere soziale und künstlerische Ausdrucksformen.

Der flämische Regisseur Luk Perceval ist ideal für ein solches Programm. Mit ihm verbindet sich die Internationalität, auf die die Stadt Hamburg mit Recht stolz ist. Seine Inszenierungen werden zu Festivals auf der ganzen Welt eingeladen. Luk Perceval steht für ein Theater, das sich künstlerisch radikal und kompromisslos, poetisch und schmerzhaft artikuliert. Er ist ein entschieden zeitgenössischer Regisseur, der sich den psychologischen und sozialen Gegebenheiten der Gegenwart genauso verpflichtet fühlt wie der Literatur.

Mit Luk Perceval kommt aber auch ein Künstler nach Hamburg, der sich immer wieder selbst riskiert, sich auf die Suche nach neuen Ausdrucksformen macht und an Grenzen geht. Denn er träumt den Traum von der Darstellbarkeit menschlicher Verhältnisse. Luk Perceval ist bei aller Weltläufigkeit überdies ein bodenständiger Mensch, der sich überzeugt zum klassischen Ensembletheater, wie ihn das deutsche Stadttheater vorsieht, bekennt, und gleichzeitig versucht, seine Möglichkeiten von innen heraus zu erweitern. Auch dies macht ihn für das künftige Thalia-Theater zum Ideal eines Leitenden Regisseurs.

 

Luk Perceval:

“Mit Hamburg verbinden mich besondere Lebensmomente: Zadek’s „Lulu“, die Entstehungsgeschichte von “Schlachten” in der Gaußtraße, das Hotel Reichshof… Aufgewachsen in Antwerpen in einer Schifferfamilie, bedeuten Hafenstädte Heimkommen für mich.

In einer Zeit wo die Theaterkultur unter großem wirtschaftlichen Druck überleben muss, ist die Position eines Leitenden Regisseurs eine besondere Herausforderung. Die Situation zwingt uns alle, uns auf die Essenz des Theaters zu besinnen: das ist für mich die lebendige und wahrhafte Begegnung mit dem Schauspieler, und durch ihn, mit der Wirklichkeit des Menschseins.

Joachim Lux’ Plan, das Repertoire durch die Biographie der Stadt zu inspirieren, hat mich sofort überzeugt; das Universelle im Alltäglichen aufzuspüren, gibt dem Theater eine spirituelle Dimension.

Das deutsche Ensemblemodell ist innerhalb Europa einzigartig. Es ist nicht nur ein gesellschaftlich geschützter Raum für die Schauspieler. Vor allem ist es ein Besinnungsraum, der die Möglichkeit schafft, die Zeit anzuhalten und frei von jeglicher kommerziellen Hast in uns hinein zu schauen, um besser zu verstehen, was mit uns und um uns passiert. Ein Versuch einander besser zu verstehen, was mir heutzutage mehr als wichtig scheint. Diesen Raum muss man schützen, damit er für die Zukunft bewahrt bleibt.“

 

Kurzbiographie:

Luk Perceval, geboren 1957, in Lommel, Belgien. Schauspieler, Autor und Regisseur. Er begann seine Karriere 1979 als Schauspieler am Nationaltheater von Antwerpen, und gründete 1984 aus Unzufriedenheit mit dem gängigen Stadttheater die freie Truppe „Blauwe Maandag Compagnie“. Sie war eine der wichtigsten Vertreterinnen der „Flämischen Welle“, einer Bewegung von flämischen Künstlern, die durch ihre innovative Arbeit die Flämisch-Holländische Theaterlandschaft nachhaltig veränderte. Mit der BMCie realisierte er u.a. den Shakespeare-Marathon „Ten oorlog“ (deutschsprachige Version unter dem Titel »Schlachten!« bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt, 2000 zum Theatertreffen Berlin eingeladen und zur Aufführung des Jahres gewählt). 1998 übernahm Luk Perceval die Intendanz des Nationaltheaters Antwerpen, das er in den 80er Jahren verlassen hatte: Umstrukturierung des Nationaltheaters zum „Het Toneelhuis“. Seither hat er vor allem an den Münchner Kammerspielen sowie an der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin inszeniert, wo er von 2005 bis 2008 als Hausregisseur arbeitet.

2005 erschien beim Alexander Verlag »Theater und Ritual«; ein Buch über Percevals spezifische Arbeitsweise und seine Theaterphilosophie.

 

 

 

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