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Mozarts "Così fan tutte" am Deutschen Nationaltheater WeimarMozarts "Così fan tutte" am Deutschen Nationaltheater WeimarMozarts "Così fan tutte"...

Mozarts "Così fan tutte" am Deutschen Nationaltheater Weimar

Premiere Freitag, 1. Dezember 2006, um 19.30 Uhr, im großen Haus.

 

In einer moralistischen Versuchsanordnung, der "Schule der Liebenden", führt der Philosoph Don Alfonso zwei junge Liebespaare vor, Fiordiligi und Guglielmo sowie Dorabella und Ferrando. Die beiden Männer sind sich der Treue ihrer Frauen so sicher, dass sie sich leichtsinnig auf eine Wette einlassen.

 

In einem von Don Alfonso mit Hilfe der Dienerin Despina inszenierten Experiment sollen sie in orientalischer Verkleidung die Angebetete des jeweils anderen auf die Probe stellen. Die Frauen, die dem Werben zunächst widerstehen, verlieben sich im Verlauf der Oper in die beiden faszinierenden Fremden und stimmen schließlich sogar einer eilig arrangierten Hochzeit zu. Als Alfonso die Intrige enttarnt, erkennen die jungen Liebenden schmerzlich, dass sie einen Partnertausch vollzogen und gegen alle Vernunft ihre engsten Freunde bis ins Mark verletzt haben, ohne es vordergründig zu beabsichtigen. Durch Alfonsos Versuchsanordnung sind ihnen am eigenen Leib die Beliebigkeit und Unzuverlässigkeit von Gefühlen bewusst geworden. Das zynische Motto des Stückes wird lebenslänglich in Köpfe und Herzen der ehemals unschuldigen Spieler eingebrannt: Così fan tutte (So machen's alle).

Mozarts Oper nimmt ihren Anfang als klassische Verwechslungskomödie mit stark frivolem Gehalt, die dann in dem Moment ins Tragische umschlägt, wenn die Beteiligten tiefe, echte Gefühle für die "falschen" Liebhaber entwickeln. Dabei lässt sich eine Zweiteilung des Werks erkennen. Während im ersten Teil die äußeren Aspekte verhandelt werden, beschreibt und vertieft der zweite die inneren Vorgänge. Dies aufgreifend erzählt Regisseur Bruno Klimek in seiner Inszenierung die Oper auf zwei verschiedene Weisen. Gemeinsam mit Ausstatterin Dietlind Konold zeigt er den ersten Akt gewissermaßen als Theaterprobe und den zweiten als Probenergebnis, also als Aufführung. Don Alfonso, der auch in der Oper das Experiment "inszeniert" und steuert, agiert darin quasi als Regisseur der Veranstaltung, der eingreift, wenn die Geschichte nicht entsprechend seiner Vorstellungen verläuft.

 

Mit "Così fan tutte" bringt das Deutsche Nationaltheater Weimar in Koproduktion mit dem Staatstheater Braunschweig im Mozart-Jahr 2006 nach "Idomeneo" eine weitere Oper des österreichischen Komponisten auf die Bühne.

Die Partie des Don Alfonso singt der Bassist Jens Söndergaard. Unterstützt wird er bei der Inszenierung seiner Versuchsanordnung von Heike Porstein als Despina. In den Rollen von Fiordiligi und Guglielmo sind in der Premiere Marietta Zumbült und Piotr Prochera und als Dorabella und Ferrando Ulrika Strömstedt und Uwe Stickert zu erleben. Alternierend mit ihnen singen Eleonore Marguerre (Fiordiligi), Christiane Bassek (Dorabella), Alexander Günther (Guglielmo) und Jean Noel Briend (Ferrando).
Es singt der Opernchor des DNT Weimar, es spielt die Staatskapelle Weimar unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Carl St. Clair.

 

Weitere Termine: 3.12., 16 Uhr, 26.12., 18 Uhr; 18.01., 19.30 Uhr; 28.01., 19 Uhr

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