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Nationaltheater Mannheim: Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug"Nationaltheater Mannheim: Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug"Nationaltheater...

Nationaltheater Mannheim: Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug"

Premiere 23. März, 2013, 19.30 Uhr, Schauspielhaus. -----

Überall in den Niederlanden, so auch in Huisum, einem kleinen Dorf bei Utrecht, werden die jungen Männer zum Militär einberufen. Die Bevölkerung ist misstrauisch: Werden die Soldaten tatsächlich, wie von der Obrigkeit behauptet, nur zur Landesverteidigung eingesetzt oder nicht vielmehr in den fernen Kolonien für den Profit verheizt?

 

 

Die Stimmung ist angespannt, doch niemand getraut sich, offen zu sprechen. - Der Gerichtsrat Walter ist vor Ort, um die ländliche Rechtsprechung zu überprüfen, und kann sogleich einem erstaunlichen Gerichtsfall beiwohnen: Während einer nächtlichen Prügelei im Hause der Marthe Rull ist ein kostbarer Krug zu Bruch gegangen. In den Augen der Witwe ist mit dem Krug auch die Ehre ihrer Tochter Eve zerbrochen, hat sie doch deren Verlobten Ruprecht in ihrem Zimmer überrascht. Nun möchte sie, dass Dorfrichter Adam kurzen Prozess mit dem „Halunken“ macht. Doch der Richter ist an diesem Morgen seltsam indisponiert: Nicht nur, dass seine Perücke verschwunden ist und seinen Kopf mehrere Wunden zieren, sondern seine Prozessführung ist äußerst zweifelhaft und dient mehr der Verschleierung als der Aufklärung des Falls.

 

Dem Zuschauer ist bald klar: Der Richter selbst ist der Täter. Nächtens hat „der alte Adam“ - dionysisch, barock, ein Anarchist auf dem Richterstuhl - der Eve nachgestellt. Es ist eine wahre Freude, dem „alten Sünder“ beim Erfinden seiner Lügen und Ausflüchte zuzusehen und wie er, unter den Augen des jungen Revisors Walter, über sich selbst zu Gericht sitzen muss. Aber selbst sein bauernschlauer Witz und seine gewiefte Verschleierungstaktik können ihn nicht vor der Vertreibung retten.

 

Mit Adams Abgang kippt Kleists sprachgewaltiges „Lustspiel“ endgültig in die Tragödie. Denn nicht nur Adam ist „gestrauchelt“, sondern mit ihm die Welt. Gewaltsam hatte er das Vertrauen Eves missbraucht und sie, für den Preis eines Attests zur Freistellung Ruprechts vom Militärdienst, zu intimen Handlungen erpresst. Und selbst ihr geliebter Ruprecht hatte ihrer Notlüge misstraut. Eve schildert diesen radikalen, doppelten Vertrauensbruch im sogenannten „Variant“ so nachdrücklich, dass Gerichtsrat Walter dem allgemeinen Vertrauensverlust in die Obrigkeit nichts mehr entgegen zu setzen hat. Die Welt bleibt zerscherbt, nichts kann sie mehr kitten. Der zerbrochne Krug ist ein Stück voller Un-Heil, dessen bitterböse Komik auf eine nur in der Utopie zu rettende Welt verweist.

 

Nora Schlocker studierte Regie an der „Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch“ in Berlin. Mit Molnárs Liliom im Jahr 2008 gab sie ihr Regiedebüt am Deutschen Nationaltheater Weimar, wo sie drei Jahre lang als Hausregisseurin engagiert war. Sie arbeitete am Maxim Gorki Theater Berlin, am Schauspielhaus Wien, am Staatstheater Stuttgart und am Bayerischen Staatsschauspiel. Seit der Spielzeit 2011/2012 ist sie Hausregisseurin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Der zerbrochne Krug ist ihre erste Arbeit für das Nationaltheater.

 

Inszenierung Nora Schlocker

Bühne Steffi Wurster

Kostüme Marie Lotta Roth

Musik Paul Lemp

Dramaturgie Tilman Neuffer

 

Adam, Dorfrichter

Klaus Rodewald

 

Gerichtsrat Walter

Martin Aselmann

 

Frau Marthe Rull

Anke Schubert

 

Eve, ihre Tochter

Katharina Hauter

 

Veit Tümpel, ein Bauer

Jacques Malan

 

Licht, Schreiber

Sven Prietz

 

Ruprecht, sein Sohn

Matthias Thömmes

 

Magd Margarete, Muhme Brigitte

Almut Henkel

 

Magd Liese

Michaela Klamminger

 

Büttel

Christian Czeremnych / Mark Filatov

 

Kartentelefon: 0621 – 16 80 150

 

 

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