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Österreichische Erstaufführung: "Weissbrotmusik" von Marianna Salzmann im Theater Nestroyhof Hamakom Wien

Premiere: Dienstag, 19. Oktober 2010, 20.00 Uhr

 

Sie sind für uns abfällig die Tschuschen, wir für sie die Schwabos. Sie sind die Kanaken, wir für sie das Weißbrot. Folgerichtig heißen auch alle Geräusche, Laute, Töne der Einheimischen in dem für sie fremden Land: Weißbrotmusik.

Eine Kakophonie, der sich die jungen Protagonisten Nurit, Sedat und Aaron auf ihrer Suche nach Selbstbestimmung widersetzen müssen. Nicht einfach, wenn einem dabei auch noch eine ungewollte Schwangerschaft und der Verlust des Personalausweises, die diversen Mütter und Weißbrote dazwischen kommen. Die junge russischstämmige Autorin Marianna Salzmann erzählt in ihrem Stück von der Identifikationssuche Jugendlicher mit Migrationshintergrund. Mehr Song als Theaterstück variiert sie in knappen Situationsfragmenten eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und Versagen. Sie klagt dabei nicht an, versucht nichts zu erklären, sondern öffnet Herzen und Gedankenräume.

 

„Weißbrotmusik“ handelt von Jugendlichen, die sich in einer Welt wiederfinden, die unter religiösen Vorzeichen steht (Moslem und Jude in einem christlichen Land), die aber für sie keine Bedeutung haben – bis ihre Hoffnungen enttäuscht werden und die Situation eskaliert. Das Stück ist inspiriert von den Vorfällen des 20. Dezember 2007, als zwei Jugendliche mit sogenanntem Migrationshintergrund einen deutschen Rentner in der Münchener U-Bahn fast zu Tode prügelten und von der daraus entstandenen Diskussion um den Zusammenhang zwischen Kriminalität und kulturellen Wurzeln. Marianna Salzmann

 

Marianna Salzmann wurde für ihr Stück „Weißbrotmusik“ mit dem exil-DramatikerInnenpreis 2009, gestiftet von den WIENER WORTSTAETTEN, ausgezeichnet. Die WIENER WORTSTAETTEN prämierten damit eine vielversprechende Autorin, deren Text sich durch sprachliche Genauigkeit und inhaltliche Dichte auszeichnet. (Jury-Begründung)

Einzelne Szenen daraus sind in der Anthologie „preistexte09” (edition exil, Wien 2009) erschienen. 2010 fand eine szenische Lesung von „Weißbrotmusik“ am Maxim Gorki Theater Berlin und am bat – Studiotheater der HfS Ernst Busch Berlin statt, wo das Stück im September 2010 uraufgeführt wird.

 

Die Autorin

Marianna Salzmann wurde 1985 in Wolgograd geboren, wuchs in Moskau auf und übersiedelte 1995 nach Deutschland. Sie studierte an der Universität Hildesheim Literatur/Theater/Medien. Organisatorin von internationalen Open Mics in Hannover. Publikationen ihrer Kurztheaterstücke in mehreren Magazinen und Zeitungen. Regie- und Dramaturgieassistenzen am Schauspielhaus Hannover und Theaterhaus Jena. Eigene Regiearbeiten in Hannover und Hildesheim. Sie ist die Mitbegründerin des Kultur- und Gesellschaftsmagazins freitext. 2008 Aufnahme an der Universität der Künste Berlin für das Fach Szenisches Schreiben. 2009 Uraufführung von dem in Zusammenarbeit mit der Musiktheatergruppe forteblau entstandenen Text „geistern folgen“. 2010 Szenische Lesungen ihrer Theaterstücke „Muttermale Fenster blau“ und „Weißbrotmusik“ am bat – Studiotheater der HfS Ernst Busch Berlin und Maxim Gorki Theater Berlin. September 2010 Uraufführung ihres neusten Stücks „Nudisten Barbecue“ in Hannover und von „Weißbrotmusik“ am bat Berlin und als Produktion der WIENER WORTSTAETTEN im Theater Nestroyhof Hamakom Wien. Marianna Salzmann wurde für ihr Stück „Weißbrotmusik“ mit dem exil-DramatikerInnenpreis 2009, gestiftet von den WIENER WORTSTAETTEN, ausgezeichnet.

 

Gedanken zu „Weißbrotmusik“ und zur Inszenierung von Regisseur Hans Escher

An Marianna Salzmanns Text fasziniert mich das Brüchige, Fragmentarische.

Ich empfinde das Stück wie ein Puzzle aus Situationsfragmenten, deren Möglichkeiten der Zusammensetzung offen bleiben.

Beim Lesen hat die hohe emotionale Dichte der Szenen mein Denken in Drehbewegungen versetzt, als wäre es in einen reißenden Strudel geraten. Die abrupten Szenenschlüsse stoppten diese Gedankenbewegung nicht, ganz im Gegenteil, sie beschleunigten sie. Und diese Drehbewegung des Geistes würfelte dann die Muster meiner Vorstellungswelt durcheinander.

Das fasziniert mich. Diese Gefühle möchte ich in der Inszenierung umsetzen.

Das hat auch viel mit Musik zu tun, nicht illustrativ, mehr als Bett für die Assoziationen des Betrachters.

Eigentlich ist das Stück ein Song. Hans Escher

 

Eine Produktion der WIENER WORTSTAETTEN in Kooperation mit Theater Nestroyhof Hamakom

 

Inszenierung: Hans Escher

Ausstattung: Renato Uz

Lichtgestaltung: Stefan Pfeistlinger

Dramaturgie: Wolfgang Stahl

Musik: Sweet Susie

 

Mit Marcel Mohab, Boris Popovic; Claudia Kottal, Tania Golden

 

Folgetermine: 20.–23.10., 26.-30.10.2010, jeweils 20.00 Uhr

Theater Nestroyhof Hamakom

1020 Wien, Nestroyplatz 1

www.hamakom.at

 

 

 

 

 

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